Carl Laemmle: Filmpionier aus Schwaben Aus einer Hühnerfarm wird ein Filmstudio

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Am Ende überwindet der unbeugsame Gelehrte alle Widerstände, auch weil der Vorsitzende der CDU-Gemeinderatsfraktion ein ehemaliger Schüler von ihm ist. Hilfreich ist zudem, dass Bayer mit wissenschaftlicher Akribie nachweisen kann, dass Carl Laemmle a.) der bedeutendste Mann ist, der jemals in Laupheim das Licht der Welt erblickte, und b.) fast bis zum Ende seiner Tage seiner Heimat aufs Innigste verbunden war.

Im Januar 1906 kauft sich der schwäbische Auswanderer Laemmle an der Milwaukee Avenue in Chicago das White Front Theatre, ein Nickelodeon. Zum Eintrittspreis von fünf Cent, einem Nickel, können die Besucher von früh bis spät Kurzfilme anschauen. Das Business boomt, und Laemmle expandiert; innerhalb kürzester Zeit gehören ihm 50 Kinos. 1907 gründet er einen Filmverleih, der schnell der größte Nordamerikas ist, und zwei Jahre später die Independent Motion Picture Company, eine Produktionsgesellschaft. Sein erstes Zelluloidwerk heißt "Hiawatha". Die Innenaufnahmen zu dem Indianerepos entstehen in einem ehemaligen Warenhaus in New York, die Außenaufnahmen im Hinterland von New Jersey.

Filmstudio statt Hühnerfarm

Sein Geschäftssinn bewegt Laemmle zu dem filmhistorischen Schritt, die Produktion von der Ost- an die Westküste zu verlegen. In Kalifornien sind die Gewerkschaften deutlich schwächer (bedeutet: niedrige Löhne), und das Wetter ist deutlich stabiler (bedeutet: weniger Drehtage).

In einer ausgestorbenen Gegend bei Los Angeles, heute als Hollywood bekannt, kauft Laemmle eine 170 Hektar große Hühnerfarm und errichtet auf dem öden Provinzboden ein modernes Filmstudio: Universal City. Zur feierlichen Eröffnung im März 1915 lässt er in einem Sonderzug eine Geld- und Glamourgesellschaft ankarren. Während der spektakulären Show kreist ein Flugzeug über dem Gelände. Es stürzt ab, der Pilot stirbt, aber Laemmle prostet fröhlich seinen Gästen zu. In den folgenden Jahren stellt Universal Filme wie am Fließband her. In Tausenden Vorspännen wird ein amerikanischer Selfmademan mit schwäbischen Wurzeln als Produzent genannt: "Carl Laemmle presents ..."

Oben auf dem jüdischen Friedhof in Laupheim ruhen seine Eltern. Unten im Flecken leben Verwandte und Jugendfreunde, die Carl Laemmle bei seinen alljährlichen Besuchen in die koschere Gaststätte Ochsen einlädt. "Er liebte Deutschland, er liebte Laupheim, und er liebte die Menschen dort", erzählt Carla Laemmle. "Er konnte es immer kaum erwarten, wieder in seine Heimatstadt zu kommen."

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