Carsharing auf den Fildern In den Randgebieten fließt kein Strom für E-Autos

Von Jacqueline Fritsch 

Insbesondere die blau-weißen Smarts des Anbieters Car2go sind im Stadtgebiet keine Unbekannten. Insgesamt gibt es rund 350 Ladestationen für Elektroautos. Allerdings nicht überall in Stuttgart. In Randgebieten sind die Leih-Autos schwer zu finden.

Die Ladestationen der Car2go-Smarts werden von der EnBW betrieben. Foto: Jacqueline Fritsch
Die Ladestationen der Car2go-Smarts werden von der EnBW betrieben. Foto: Jacqueline Fritsch

Filder - Die grau-blauen Ladestationen für Elektroautos sind mittlerweile weit verbreitet. Oft steht ein Fahrzeug des E-Mobil-Leihsystems Car2go auf der Parkfläche vor der Station. In den Bezirken unterm Fernsehturm gibt es insgesamt 23 Orte, an denen Elektro-Autos aufgeladen werden können. Doch die Nutzer finden nicht überall in diesen Bezirken eine passende Ladestation für die Smarts der Daimlertochter Car2go. Denn diese gibt es nur innerhalb des Geschäftsgebiets, dessen Grenzen nicht deckungsgleich mit denen der Stadt sind.

In Stuttgart gibt es rund 350 Ladesäulen, an denen je zwei Fahrzeuge gleichzeitig aufgeladen werden können. Diese werden von der EnBW betrieben. Jede Station hat einen herkömmlichen Stecker und einen sogenannten Menekes-Stecker, der ein schnelleres Aufladen ermöglicht. Je nach Fahrzeug dauert ein Ladevorgang bis zu sieben Stunden. Die Smarts von Car2go haben dann eine Reichweite von etwas mehr als 100 Kilometern. Sebastian Marx, ein Sprecher der EnBW, zieht eine positive Bilanz aus den vergangenen Jahren. „In der Region funktioniert die Elektromobilität sehr gut“, sagt er.

Grenzen werden regelmäßig geprüft

Dass in Stuttgart ausschließlich elektrisch betriebene Fahrzeuge von Car2go unterwegs sind, ist eine Besonderheit. Das gibt es sonst nur in Amsterdam und Madrid. Bisher fahren 500 Smarts fortwo electric drive im Stadtgebiet umher. Und derzeit gibt es Zuwachs in der Flotte der Daimlertochter. Rund 50 viersitzige Mercedes-Benz B-Klassen werden eingeweiht – auch elektrisch betrieben. „Damit hat Stuttgart die größte elektrische Carsharing-Flotte der Welt“, sagt Daniel Hörer, ein Sprecher von Car2go.

An der Situation in den Grenzgebieten ändert das aber freilich nichts. Das Geschäftsgebiet endet in Plieningen an der Filderhauptstraße und schließt den südlichen Teil des Bezirks bis zur Autobahn A 8 aus. Außerdem ist ein großer Teil des Birkacher Ostens ohne Ladestation. Die Grenzen von Car2go verlaufen nämlich ein ganzes Stück westlich der Mittleren Filderstraße. Nur wenn die Nachfrage in diesen Gebieten stark ansteigt, ist an den Grenzen etwas zu ändern. So sagt Hörer, dass „diese Festlegung regelmäßig überprüft, neu bewertet und gegebenenfalls angepasst“ wird.

Ein Jahr nach dem Start von Car2go im November 2012 haben die Verantwortlichen das Stuttgarter Geschäftsgebiet erweitert, das seitdem auch Esslingen, Sindelfingen, Böblingen und Gerlingen einschließt. Die rund 153 Quadratkilometer schließen aber wie gesagt einige Ecken aus. Im Stuttgarter Westen und Norden gehören noch einige Teile nicht dazu, und der Stadtteil Büsnau liegt komplett außerhalb des Gebiets. Am Flughafen hingegen sehen die Verantwortlichen offensichtlich einen erhöhten Bedarf. Dort gibt es seit Kurzem 30 neue Stellplätze in der Nähe des Terminals 1. Diese sind mit einem neuartigen Ladearm ausgestattet, der bis zu 16 Stellplätze erreichen und vier Fahrzeuge gleichzeitig aufladen kann.

Neue Stellplätze und Ladesäulen am Flughafen

Im Gegensatz zu anderen Carsharing-Angeboten gibt es bei Car2go die Möglichkeit, das Auto an einer beliebigen Stelle im Geschäftsgebiet abzustellen und nicht auf einem bestimmten Parkplatz. Die dazugehörige App zeigt die verfügbaren E-Autos in der Umgebung an. Rund 90 000 Kunden nutzen Car2go in Stuttgart. „Die Autos wurden seit 2012 etwa 17 Millionen Kilometer weit gefahren“, sagt Hörer. Für den Elektro-Smart zahlen die Kunden 29 Cent pro Minute, die neuen B-Klassen liegen bei 35 Cent. Aufgetankt werden die geteilten Fahrzeuge entweder von den Fahrern oder von den Angestellten der Firma. „Die Serviceteams bringen auch die abgestellten Autos von Randgebieten in Bereiche, in denen der Bedarf höher ist“, sagt Hörer. So möchte Car2go sicherstellen, dass die Kunden immer ein Auto in der Nähe finden.

Nutzer dürfen mit den E-Autos natürlich auch das Geschäftsgebiet verlassen, sie müssen sie lediglich wieder dort abgeben. So können die Auto-Teiler unter anderem auch in den Birkacher und Plieninger Osten fahren. Abgeben und aufladen können sie das Fahrzeug dann zum Beispiel in den Zentren der Bezirke.

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