Die Bilder sind neu, die Spiegel ebenfalls und auch die Wände, an denen sie hängen. Die Casa Medici ist nicht wiederzuerkennen. Das Altenpflegeheim im Zentrum von Bernhausen ist komplett umgebaut worden. Es gibt neue Empfangstheken auf den drei Stockwerken, neue offene Küchen und Sitzecken, neue Möbel und Türen, selbst auf einer nagelneuen Loggia können die Bewohnerinnen und Bewohner, ihre Angehörigen und das Pflegeteam Platz nehmen.
Tobias Engelhardt ist die Freude anzumerken. Er hat als Mitglied der Investorengruppe Casa Medici den Umbau zu verantworten – und er ist sichtlich erleichtert, dass er vorbei ist. Denn in der Rückschau sei das Projekt deutlich anspruchsvoller und nervenaufreibender gewesen als erwartet. „Im Nachhinein haben wir uns gedacht: Worauf haben wir uns eingelassen?“, sagt er lachend.
Komplettsanierung nach 25 Jahren
28 Monate hat der Umbau gedauert. In dieser Zeit ist das vor 25 Jahren errichtete Pflegeheim komplett umgekrempelt worden. Engelhardt spricht von einer umfassenden Modernisierung – von den Heizungs- und Sanitärsystemen bis zur Zimmeraufteilung. „Wir mussten teilweise auf den Rohbauzustand runter.“ Mehr als sieben Millionen Euro seien in das Haus geflossen. Die Sanierung sei nötig gewesen. „Es gibt wenige Immobilien, die so schwer beansprucht werden, so ein Gebäude unterliegt einer sehr starken Abnutzung“, sagt Engelhardt.
Das Besondere: Die Sanierung fand im laufenden Betrieb statt. Man habe lediglich mitunter die Zahl der Plätze temporär reduziert. „Mein Hauptjob war, mit jedem einzelnen Angehörigen, Bewohner und Mitarbeiter vorab zu sprechen“, erklärt Saskia Rockstroh, die Pflegedienstleiterin bei der Gesellschaft Wohngemeinschaft für Senioren (WGfS), der Betreiberin des Hauses.
Begleitung durch ein Filmteam
Die Bauzeit wurde in mehrere Abschnitte unterteilt, spezielle Staubwände und interimistische Wasserversorgungen seien notwendig gewesen. Um die 100 Leute aus diversen Handwerkerfirmen seien vor Ort gewesen. „Da braucht man starke Nerven, aber auch eine gute Planung“, sagt Tobias Engelhardt, auch Improvisationsvermögen sei immer wieder gefragt gewesen. Gearbeitet habe er ausschließlich mit hiesigen Firmen, „wo ich den Chef auch am Sonntagnachmittag anrufen konnte“. Ein eigens engagiertes Filmteam habe den Umbau phasenweise begleitet. Der Dokumentarfilm soll auf der Casa-Medici-Homepage oder bei Youtube eingestellt werden. Der Investor resümiert: „Es war ein sehr diffiziles, komplexes Projekt.“
Nun ist der Umbau bis auf eine kleine Mängelliste abgeschlossen. Irgendwann in der Zukunft sollen noch die Garage saniert und die Fassade hergerichtet werden. Die Casa Medici ist eine von nur drei Pflegeeinrichtungen im größten Filderstädter Stadtteil Bernhausen, erklärt Saskia Rockstroh. 72 stationäre Plätze gibt es hier, auf zwei der drei Wohnetagen sind spezielle Demenz-Stationen eingerichtet.
Die WGfS betreibt auf der Filderebene mehrere Einrichtungen und Wohngruppen und beschäftigt 370 Mitarbeitende. Einen kleineren Standort an der Kettemerstraße in Bernhausen musste der Pflegedienstleister jüngst schließen. Die Landesheimbauverordnung mit ihren räumlichen Vorgaben habe den Weiterbetrieb unmöglich gemacht, erklärt Saskia Rockstroh. Immerhin: Elf Bewohnerinnen und Bewohner seien nun in der Casa Medici untergekommen.