Casanova vor 300 Jahren geboren Der prominenteste aller Verführer

Auch ein Filmstar: Alain Delon spielte den Verführer und Lebensmann in dem Film „Le Retour de Casanova“. Foto: www.imago-images.de/Rights Managed

Vor 300 Jahren hat Giacomo Casanova das Licht der Welt erblickt.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)

Das Onlinelexikon Wikipedia schreibt ihm 15 Professionen zu – und schafft es dennoch nicht, ihn damit komplett zu erfassen. Demnach war Giacomo Casanova Jurist, Schriftsteller, Bibliothekar, Dichter, Philosoph und Übersetzer, Chemiker, Alchimist und Mathematiker, Historiker und Diplomat, Glücksspieler und Geheimagent, Freimaurer und Abenteurer. Er war aber auch ein Rebell, eine der großen Gestalten der Aufklärung und vor allem: der prominenteste Liebhaber aller Zeiten.

 

Seit Leben begann am 2. April vor 300 Jahren in Venedig. Als Hochstapler betrat er die Bühne der Welt. Denn er war keineswegs ein Chevalier de Seingalt, Adelsspross mithin, als der er sich ausgab – sondern der Sohn eines Schauspielerpaars. Auf seinen Reisen durch Europa wurde er acht Mal eingekerkert und zehn Mal des Landes verwiesen, hat zudem mindestens ein Dutzend Kinder gezeugt. In seinen berühmten Lebenserinnerungen, die in der deutschen Propyläen-Ausgabe sechs Bände, 73 Kapitel und 1712 Seiten umfassen, bekennt er, „die Frauen rasend geliebt“ zu haben, fügt aber hinzu: „Ich habe ihnen die Freiheit stets vorgezogen.“

Aus Stuttgart musste er fliehen

1760 und 1767 hielt er sich auch kurz in Stuttgart auf, musste beim ersten Besuch aber über die Stadtmauer entfliehen, da er beim Glückspiel 100 000 Francs an drei Offiziere verloren hatte (und offenbar nicht bezahlen konnte).

Casanova war der erste Medienstar, der seine Prominenz weniger eigenen Verdiensten als dem Umstand verdankte, dass er auf den Plattformen jener Zeit, den Bällen, Festivitäten und Empfängen bei Hof, ständig für Gesprächsstoff sorgte. In seinen Memoiren finden sich viele Sätze, die ihre Gültigkeit über drei Jahrhunderte bewahrt haben. Zum Beispiel dieser: „Der Mensch ist frei, aber er hört auf, es zu sein, wenn er nicht an seine Freiheit glaubt.“

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