Krimikolumne

Castle Freeman: „Männer mit Erfahrung“ Drei Davids und ein Goliath

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Eine junge Frau, ein alter Mann und ein etwas beschränkter Hüne machen sich auf, um dem übelsten Typen von Vermont das Handwerk zu legen: Castle Freeman hat daraus eine moderne Version der Geschichte von David und Goliath gestrickt – brillant!

Lakonischer Ton, intelligenter Aufbau: Castle Freeman ist ein gertenschlanker 170-Seiter gelungen. Foto: Jane Lindholm
Lakonischer Ton, intelligenter Aufbau: Castle Freeman ist ein gertenschlanker 170-Seiter gelungen. Foto: Jane Lindholm

Stuttgart - Blackway – ein Name ist Programm. Denn dieser Mr. Blackway ist unter den üblen Typen seines Provinzkaffs der mit Abstand übelste. Blackway haust irgendwo in Vermont, also einem der zumindest rein optisch bezauberndsten US-Bundesstaaten. Doch dafür hat der psychopathische Waldschrat in Castle Freemans „Männer mit Erfahrung“ keinen Sinn. Sein Lebenszweck besteht darin, die Umwelt nach Kräften zu terrorisieren. Eines der Opfer ist Lillian, eine Zugezogene, deren einheimischen Freund Blackway kurz zuvor womit auch immer vertrieben hat.

Nun ist also sie an der Reihe: Blackway stellt der jungen Frau nach, schlägt die Autoscheibe ein und bringt ihre Katze um. In ihrer Not wendet sich Lillian an den Sheriff, der aber außer ein paar warmen Worten nichts für sie tun kann und nichts für sie tun will. Stattdessen verweist er sie an einen Kerl, der immer mit einer Handvoll anderer Männer in einer heruntergekommenen Stuhlfabrik herumsitzt, um von morgens bis abends zu plaudern. Doch als Lillian dort vorspricht, ist der mutmaßliche Helfer in der Not gar nicht da.

Auf einem aussichtslosen Weg

Whizzer, der rollstuhlfahrende Besitzer der Fabrik, empfiehlt statt dessen an zwei andere Typen: den alten Lester und den jungen Nate, einen Riesen mit offenbar etwas beschränktem Verstand. Ungleicher könnte ein Trio kaum sein, dennoch machen sich die drei auf den aussichtslosen Weg, Blackway das Handwerk zu legen.

Ist schon der Anfang des Buches sehr vielversprechend, so nimmt die Sache spätestens jetzt Fahrt auf. Brillant schneidet Freeman die Suchaktion gegen die Plaudereien der Männer in der Fabrik. Das ist ein außerordentlich geschickter Kniff. Denn erstens verpackt der Autor in die Unterhaltungen – Asterix-Fans mögen sich an die vier alten Korsen auf ihrem Holzstamm erinnert fühlen – eine Menge Informationen über das Leben in der amerikanischen Provinz. Und zweitens kann er so mit sicherer Hand immer wieder Cliffhanger setzen.

Die große Frage

Das Unwahrscheinliche geschieht: Lillian und ihre Gefährten spüren Blackway irgendwo in den Tiefen der Wälder von Vermont auf. Die große Frage ist nun, ob er der einzige wirklich üble Finger in der Gegend ist, oder ob ihm vielleicht nicht doch einer das Wasser reichen kann.

Mit seinen präzisen Beschreibungen, seinem lakonischen Ton und seinem intelligenten Aufbau ist der gertenschlanke 170-Seiter ein Muss für alle, die auf das schöne Vermont ebenso stehen wie auf eine moderne Versionen der Geschichte von David gegen Goliath.

Castle Freeman: Männer mit Erfahrung. Roman. Übersetzt von Dirk van Gunsteren, 176 Seiten, Nagel & Kimche, 18,90 Euro