Caterina Valente ist tot Tschau tschau bambina

Caterina Valente (1931-2024) Foto: imago/United Archives/Frank Hempel

Caterina Valente hat dem deutschen Schlager Charme verliehen. Jetzt ist sie im Alter von 93 Jahren gestorben.

Optimismus gehört zum Showgeschäft wie falsche Wimpern. Aber die gute Laune deutscher Stars der Wirtschaftswunderjahre hat oft einen Zug schwerfälliger Trotzigkeit. Sie scheinen behaupten zu wollen, das Land habe sich nie vom zufriedenen Großkonsum wegbewegt, sei nie anders gewesen. Das größte deutsche Showtalent jener Epoche aber ist eine 1931 in Paris geborene Tochter italienischer Eltern. Diese Caterina Valente ist nicht bloß handwerklich besser als die Kollegenschaft. Bei dieser Frau, die jetzt im Alter von 93 Jahren gestorben ist, wirkt jede Note wie eine vorwärtsgewandte Utopie, nicht wie rückwärtsgewandtes Leugnen.

 

„Ganz Paris träumt von der Liebe“

Sie war „Caterina die Große“: In den 50er, 60er, und 70er Jahren kannte fast jedes Kind den Namen von Caterina Valente oder zumindest ihre Lieder – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen weiteren Ländern. Valente war einer der wenigen deutschsprachigen Weltstars. In allen Ländern, in allen Weltsprachen, mit fast allen künstlerischen Ausdrucksmitteln trat Valente auf die Bühne. Häufig an ihrer Seite – ihr im Jahr 2000 verstorbener Bruder Silvio Francesco.

Ihr Vater war Akkordeonspieler, ihre Mutter Musik-Clownin beim Zirkus. Im Alter von fünf Jahren hat sie ihren ersten Auftritt – im Stuttgarter Friedrichsbau-Theater. Dass Valente mit ihrer Familie von den Nazis in ein KZ gesteckt wurde und anschließend in einem russischen Internierungslager landete, macht sie erst spät öffentlich. Ihr ganzes Wesen hat etwas Grenzübergreifendes, Leichtes, Positives. Ihr erster großer Hit heißt 1954 „Ganz Paris träumt von der Liebe“, es ist die deutsche Fassung von Cole Porters „I love Paris“. Wie sie den Song zwischen Cool und Enthusiasmus durchfädelt, deklassiert eigentlich viele Kolleginnen. Aber diesen Begriff kann man bei Valente kaum denken, denn ein Teil ihres Talents ist eine Herzlichkeit, die alle mitnimmt.

„Tschau tschau bambina“

Die Sängerin, die im Tonstudio ein und aus geht – „Tipitipitipso“, „Tschau tschau bambina“, „Macky Messer“, „Itsy bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini“ sind nur ein paar ihrer Hits –, ist nie anders als 150-prozentig präsent. Jeder TV-Macher will sie in der Sendung haben, bald strahlt sie auch im deutschen Kino auf. Oft müsste sie dabei so einschüchternd wirken wie die Märzsonne über einer Schneemann-Nachhut. Aber irgendwie bringt Valente noch die letzte Karottennase in Schwung, statt sie bloß wegzutauen.

„One Note Samba“

Nie lässt die 1953 per Heirat Deutsche Gewordene ihre Landsleute merken, dass sie sich hierzulande nur begrenzt entfalten kann. In Paris füllt sie das Olympia, in Brasilien erhält sie den O Globo als beste ausländische Interpretin lateinamerikanischer Musik, in den USA ist sie eine Attraktion in Las Vegas und den großen TV-Shows. Valente trat allein neunmal in der „Dean Martin Show“ auf und hatte eine eigene Fernsehshow in den USA. Sie holte riesige Einschaltquoten in Italien und feierte auch in Großbritannien Erfolge. Nach Frank Sinatra gilt sie als Entertainerin mit den weltweit meisten Fernsehauftritten. Auf Youtube kann man über ihre Auftritte staunen. Sie singt mit Dean Martin superb „One Note Samba“, legt dazu eine lupenreine Bossa-Nova-Gitarrenbegleitung hin und stemmt auch noch den komödiantischen Teil des Auftritts.

Selbst neben Ella Fitzgerald, der größten aller Jazzsängerinnen, scattet Valente vergnügt, wie sie zuvor mit dem legendären Trompeter und Vokalisten Chet Baker als Gitarristin und Sängerin ein Jazzalbum eingespielt hat. Sie ist furchtlos, weil sie nie den Anspruch hat, fremden Maßstäben gerecht zu werden.

Wandlungsfähige Sängerin

Sie ist nie ganz Cool, nie ganz Swing, schon gar nicht Rock ’n’ Roll, wenn sie mit Bill Haley singt, erkennt aber genau, was sich für sie daraus machen lässt, aus Bossa Nova, dem Great American Songbook, dem deutschen Schlager.

Valente bestach mit ihrer wandelbaren Stimme: Sie konnte musikalisch sowohl vor Sehnsucht schmachten als auch sinnliche Chanson-Tiefen und jazzige Höhen meistern - und ebenso verschmitzt die Partylaune heben. Den ansteckenden Optimismus und ihren Humor behielt sie bis ins hohe Alter.

Ihr letztes Konzert spielte Valente 1996 in der Leipziger Oper, danach folgten nur noch Kurzauftritte. „Ich habe mich nie für eine große Künstlerin gehalten“, schrieb Valente in ihrer Autobiografie. Doch vermutlich schrieb sie dies mit einem leicht spöttischen Lächeln im Blick – auch das war eines ihrer Markenzeichen.

Im März 2002 bekam Valente den Echo-Preis für ihr Lebenswerk aus den Händen des ehemaligen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs Lothar Späth, der ihr an der während seiner Regierungszeit geplanten Hochschule für darstellende Künste, der späteren Popakademie, einen Lehrauftrag verschaffen wollte, was allerdings Späths Nachfolger Erwin Teufel 1991 verhinderte.[

Die vergangenen zwanzig Jahre lebte sie weitgehend zurückgezogen. Schon zu ihrem 80. Geburtstag hatte sie abgewinkt, was Rummel anging, es habe nun wirklich genug Caterina-Valente-Shows gegeben. Da freut man sich, wenigstens einen Punkt an ihr zu finden, bei dem man sagen kann: absoluter Irrtum!

„Alter ist nichts für Schwächlinge“

Wie ihr Pressesprecher Günther Huber an diesem Mittwoch mitteilte, ist Caterina Valente am 9. September im Alter von 93 Jahren friedlich in ihrem Haus in Lugano in der Schweiz gestorben. Er berief sich dabei auf ihre Söhne. „Auf Wunsch der Verstorbenen wurde die Beerdigung in strikter Privatsphäre abgehalten, und es wird keine weiteren Zeremonien oder Gedenkfeiern geben“, berichtete der Pressesprecher. Die Familie von Caterina Valente bat darum, ihre Privatsphäre zu respektieren.

Nach der Verleihung des Bambis im Jahr 2005 hatte sie sich ins Privatleben zurückzogen, war aber unter anderem auf Facebook aktiv geblieben. Dort schrieb sie oft mit ihrem verschmitzten Humor Mitteilungen wie „Alter ist nichts für Schwächlinge“. So fröhlich, so präsent, so mitreißend ihre Auftritte als Künstlerin waren, so leise waren ihre letzten Lebensjahre und nun der Tod.

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