„Catweazle“ im Kino Otto wie er leibt und lebt
„Catweazle“ kommt ins Kino, und Otto Waalkes spielt die Hauptrolle des Magiers im Spielfilm-Remake der englischen Serie der 70er.
„Catweazle“ kommt ins Kino, und Otto Waalkes spielt die Hauptrolle des Magiers im Spielfilm-Remake der englischen Serie der 70er.
Stuttgart - Otto Waalkes ist ein Sympathieträger, den man einfach mögen muss. Niemand sonst schneidet so herrlich Grimassen, lächelt so gewinnend, reißt so fröhlich die Augen auf. „Das ganze Geld mit Quatsch verdient“, singt sein Kollege Helge Schneider im Chanson „Gartenzaun“, und der Satz passt ebenso gut auf Otto – er zählt zweifellos zu den großen Komödianten der Gegenwart.
Nun spielt der 72-Jährige den zauseligen Magier Catweazle im Spielfilm-Remake einer Serie aus den 70ern. Ein Zauber mit seinem Stab Anawandur rettet ihn im Jahr 1020, versetzt ihn aber um 1000 in die Gegenwart. Julius Weckauf („Der Junge muss an die frische Luft“) verkörpert den Sohn des Besitzers eines naturnahen Tierparks, der zuerst den Stab findet, der ihm bald abhandenkommt, und dann Catweazle, der ohne den Stab nicht zurückkehren kann.
Otto hat seine Schauspielkarriere begonnen, indem er sich selbst spielte in „Otto – der Film“ (1985). Dabei ist er geblieben. Selbst das Faultier Sid, dem Waalkes in der Trickfilmreihe „Ice Age“ seine Stimme lieh, war vor allem: Otto. Wie „Ottilein“ über die Bühnen der Republik hoppelt, hoppelt nun Catweazle über die Kinoleinwand mit der hübsch animierten Kröte Kühlwalda – köstlich und einfach zum Knuddeln.
Die englische Serie „Catweazle“ (1970) ist eines der legendären TV-Lagerfeuer aus der Zeit, als es nur drei Programme gab. Der Spielfilm greift wesentliche Elemente auf, so staunt Catweazle über Erfindungen der Neuzeit wie elektrisches Licht und Telefone. Auch verbinden sich Vergangenheit und Gegenwart, allerdings ignoriert der Film die Zeitreise-Grundregel, dass Veränderungen in der Vergangenheit zwangsläufig eine völlig veränderte Gegenwart bewirken müssen. Überhaupt ist das Drehbuch von sagenhafter Schlichtheit. Doch Otto, den man einfach mögen muss, hat es selbst verfasst mit seinem langjährigen Co-Autoren Bernd Eilert.
Benny ist ein eher ungelenker Typ mit Baumhaus, er vermisst seine Mutter sehr, deren Tod seinen Vater (Henning Baum) hat einsilbig werden lassen. Benny mag Tiere, interessiert sich fürs Mittelalter und ist heimlich in die schlaue Handballerin Lisa (Gloria Terzic) verliebt, die ihm glücklicherweise bald auf die Sprünge hilft. Während die sympathischen Kinderdarsteller eher hölzern agieren und ihren Text mehr oder weniger aufsagen, sticht Katja Riemann schauspielerisch heraus als teuflisch verführerische Kunsthändlerin, die sich den Zauberstab mit allen Mitteln unter den Nagel reißen möchte.
Der Regisseur Sven Unterwaldt („7 Zwerge – Männer allein im Wald“) hat vor märchenhafter Mittelalterkulisse im nordrhein-westfälischen Mechernich und im Wald bei den Katzensteinen gedreht. Das Tempo seiner beschaulichen Inszenierung erinnert ein wenig an die Augsburger Puppenkiste: In 90 Minuten passiert hier weniger als zum Beispiel in der aktuellen Fantasyserie „Shadow and Bone“ in 15.
Erwachsenen bleibt die Nostalgie, sowohl „Catweazle“ als auch Otto vermitteln ein heimeliges Gefühl von guter alter Zeit. Ob die Kinder, an die sich der Film vor allem richtet, da mitgehen, ist mehr als fraglich. Derartige deutsche Produktionen, auch „Jim Knopf“ oder das Remake der 70er-Jahre-Kultserie „Pan Tau“, leiden oft am selben Problem: nicht sonderlich wahrhaftig, dafür sehr harmlos.
Cinemaxx Liederhalle + SI, Gloria, EM