CDU bekennt sich zur Realschule Schulsystem sorgt erneut für Unruhe

Wenn es nach der CDU geht, bleiben Realschulen erhalten und gehen nicht in Gemeinschaftsschulen auf. Foto: dpa
Wenn es nach der CDU geht, bleiben Realschulen erhalten und gehen nicht in Gemeinschaftsschulen auf. Foto: dpa

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die CDU zum bildungspolitischen Kurswechsel aufgefordert. Diese winkt in bestimmten Punkten ab, macht sich aber durchaus Gedanken zur Schulstruktur.

Landespolitik: Renate Allgöwer (ral)
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Stuttgart - Von einem Zwei-Säulen-Modell im Schulsystem will die CDU-Fraktion nichts hören, die meisten Abgeordneten nehmen nicht einmal den Begriff in den Mund. Der Fraktionsvorsitzende Peter Hauk tut dies nur, um Meldungen entgegen zu treten, seine Truppe schwenke auf die Linie der grün-roten Regierung um: „Von einem undifferenzierten Zwei-Säulen-Modell, wie dies die Landesregierung derzeit fährt, halten wir nichts und das wird auch künftig nicht unser Weg sein“, betonte Hauk am Dienstag im Nachgang zu Veröffentlichungen nach einer Sitzung des CDU-Landevorstands vom Montag.

Dort hatte es geheißen, der Landesfachausschuss Bildung der CDU trete für ein Zweisäulen-Modell ein. Das habe sowohl bei den Menschen als auch bei den Verbänden für Verunsicherung gesorgt, erklärte Hauk am Dienstag und beschwichtigte, „diese ist völlig unbegründet“. An den Positionen der Fraktion habe sich nichts geändert.

Realschule soll bleiben

„Wir halten auf alle Fälle an den differenzierten Bildungsgängen und differenzierten Abschlüssen fest“, versicherte Hauk und listete Hauptschulabschluss, Mittlere Reife und Abitur auf. Diese sollten in unterschiedlichen Organisationsformen angeboten werden. Auch an der Realschule hält die CDU-Fraktion ausdrücklich fest, unterstreicht ihr Vorsitzender. Die Fraktion fährt seit einiger Zeit eine Kampagne „pro Realschule“, Hauk selbst wird am Donnerstag beim Landesrealschultag erwartet.

Über die Begrifflichkeiten lässt sich trefflich streiten, zumal auch die Landesregierung die sogenannte zweite Säule neben dem Gymnasium nicht eindeutig definiert hat. Auf jeden Fall siedeln Grüne und SPD dort die Gemeinschaftsschule an, zumindest mittelfristig haben dort aber auch die Realschulen ihren Platz.

Eigener Vorschlag zum Jahresende

Ungeachtet der definitorischen Schwierigkeiten arbeitet die CDU-Fraktion derzeit an einer eigenen Position zur Neuordnung des Schulsystems. Auch an ihr ist nicht vorbei gegangen, dass der Hauptschule die Schüler davon laufen und dass zurückgehende Schülerzahlen eine Reaktion erfordern. Immerhin hat Annette Schavan schon 2011 vorgeschlagen, Haupt- und Realschule zu einer Oberschule zusammen zu legen. Sachsen hat vorgemacht, dass das funktionieren kann. Hauk teilte gestern mit, „voraussichtlich spätestens zum Ende Jahres“ werde die Fraktion ihren Vorschlag in Abstimmung mit der Partei vorlegen.

Aktuell debattiert die CDU intern mehr als einen Weg neben dem Gymnasium. Bildungspolitiker nennen dabei explizit auch Schulverbünde – zum Beispiel zwischen Haupt- und Realschulen. Diesen kann die Regierung wenig abgewinnen. Man sei in den Organisationsformen durchaus noch offen, heißt es aus CDU-Fraktionskreisen. Zur grün-roten Idee gibt es zwei gravierende Unterschiede: die CDU setzt auf Differenzierung, Grün-Rot stark auf integrativen Unterricht. Dass Grün-Rot in beiden Säulen gymnasiale Bildungswege vorsieht - namentlich in der Gemeinschaftsschule- geht für die CDU gar nicht.

Die FDP-Fraktion bekennt sich im neu aufgeflammten Streit klar zu einem mehrgliedrigen differenzierten Bildungswesen. Ein Zwei-Säulen-System sei ein Irrweg.

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