CDU bleibt im Wahlkampfmodus Gegenseitiger Respekt ist angebracht

Andreas Winter (links) und Alexander Kotz im Jahr 2015 – damals war die Welt für Grüne und CDU noch in Ordnung; jetzt nur noch für die Grünen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Für eine gute Zusammenarbeit im Rathaus und eine nachhaltige Stadtpolitk bedarf es gegenseitiger Wertschätzung, meint Autor Jörg Nauke.

Stuttgart - Der Römer Tullius Destructivus war in „Streit um Asterix“ in der Lage, mit gezielten Handlungen überall Zwietracht zu säen. Als man den Spaltpilz den Löwen zum Fraß vorwerfen wollte, zerfleischten sich diese gegenseitig. Der Organisator der Dieseldemos, Joannis Sakkaros, hat im Rathaus noch gar nicht Platz genommen, aber mit seinem Wechsel von der Fahrverbotsliste zur CDU im Geiste des Destructivus das harmonische grün-schwarze Zweckbündnis erschüttert.

 

Einen Sitz mehr durch Übertritt

Der Grund für Fraktionschef Alexander Kotz, den nach diversen Fernsehauftritten vor Selbstbewusstsein nur so strotzenden Politiknovizen in die CDU-Familie aufzunehmen, liegt auf der Hand: Sie erhält dadurch in den Ausschüssen einen zusätzlichen Sitz. Sich zu diesem Zwecke lose oder fester zu verbünden ist ein übliches Unterfangen. Auch SÖS, Linke und Piraten verfahren so – jedoch mit dem Unterschied, dass sie im Wahlkampf nicht gegeneinandergearbeitet haben. Sakkaros und seine Anhänger haben aber nicht nur gegen die Grünen gewettert, sondern auch gegen deren christdemokratischen Koalitionspartner im Land, weil beide das Fahrverbot vollstreckt haben. Wer sein Kreuzchen auf der Sakkaros-Liste gesetzt hat, wollte Grüne und CDU bestrafen. Dass diese Wähler durch den Übertritt des Zugpferds nun die Union im Rathaus stärken, war sicher nicht ihr Interesse. Deshalb ist die Kritik der Grünen nachvollziehbar.

Selbstkritik wäre nötig

Es ist für Kotz und Co. nicht leicht, die Wahlniederlage zu verdauen. Sie ist aber weitgehend hausgemacht, deshalb ist erst einmal Selbstkritik angesagt. Es hilft ja auch nichts, die Fraktionen müssen sich für eine nachhaltige Stadtpolitik mehr denn je zusammenraufen. Dazu bedarf es vor allem gegenseitigen Respekts. Maximilian Mörseburg genoss als Chef der Jungen Union Welpenschutz, als Stadtrat ist er nun in einer verantwortungsvolleren Position. Das sollte er bedenken, bevor er das nächste Mal den Lautsprecher gibt, um seinem Fraktionschef zu imponieren.

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