CDU-Mann Dirk Notheis Mappus’ Banker gilt als Merz-Unterstützer

Als Zeuge vor dem EnBW-Ausschuss im Landtag: Dirk Notheis Foto: dpa

Einst war er Chef des CDU-Nachwuchses im Land, später landete er als Banker umstrittene Coups. Im Kampf um die Merkel-Nachfolge engagiert sich Dirk Notheis nun für Friedrich Merz. Der Anwärter auf den CDU-Vorsitz ist wie Notheis ein Mann des Geldes.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Stuttgart - Der Name ließ viele Christdemokraten im Südwesten aufhorchen. Zu den Unterstützern von Friedrich Merz im parteiinternen Wahlkampf um den CDU-Vorsitz, so machte es die Runde, zähle auch ein alter Bekannter: Dirk Notheis (50) aus Ettlingen, einst Landesvorsitzender der Jungen Union, später Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley und dann Regisseur des EnBW-Deals von Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus, über den am Ende beide stürzten.

 

Öffentlich hat sich Notheis, heute Chef einer Fondsgesellschaft zur Finanzierung von Mittelständlern in Frankfurt am Main, zwar nie zur Merkel-Nachfolge oder Merz‘ Kandidatur geäußert; auch eine Anfrage unserer Zeitung ließ er unbeantwortet.

Offiziell spielt Notheis keine Rolle

Doch in den Medien – ob „Zeit“, „Spiegel“, „Handelsblatt“ oder „Frankfurter Allgemeine“ – wurde er stets als einer der Hintermänner des Ex-Fraktionschefs genannt. Mal hieß es, er werbe bei den CDU-Delegierten für Merz; vor allem in Baden-Württemberg telefoniere er derzeit eifrig herum. Mal wurde er der Berater- und Unterstützerriege des Kandidaten zugerechnet.

Offiziell freilich spielt Notheis keine Rolle im Rennen um den Parteivorsitz. Er sei „weder im Unterstützer- noch im Beraterteam von Herrn Merz“, teilte ein Sprecher der Frankfurter PR-Agentur mit, die für den 63-Jährigen die Medienarbeit macht. „Sollte er sich für die Kandidatur von Herrn Merz einsetzen, so ist dies seine persönliche Angelegenheit, die mit der Kampagne von Herrn Merz nichts zu tun hat.“ Das ist allenfalls ein halbes Dementi.

Strippenzieher hinter den Kulissen

Es ist ohnehin nicht Notheis‘ Art, auf offener Bühne zu agieren; viel lieber – und umso effizienter – zieht er hinter den Kulissen die Strippen. Das war 2010 beim EnBW-Deal so, als er den Rückkauf des milliardenschweren EnBW-Aktienpakets organisierte. Zum Verhängnis wurden ihm letztlich flapsige Mails über „Mutti“ Merkel und die Macht von Mappus, der sie „mit seinen Truppen töten“ könne. Später entschuldigte er sich für die Tonlage. Diskret im Hintergrund wirkte Notheis auch beim Einstieg der Chinesen bei Daimler in diesem Frühjahr. Nicht zuletzt mit seiner Hilfe soll es dem Unternehmer Li Shufu gelungen sein, gleichsam über Nacht fast zehn Prozent der Aktien des Autokonzerns zu ergattern. Weil dem Coup etwas Überfallartiges anhaftete, kam er besonders in der Politik nicht gut an.

Ein offenes Engagement von Notheis, da sind sich CDU-Strategen im Südwesten einig, wäre für Merz nicht unbedingt hilfreich. Es bestätigte nämlich gleich zwei der schwersten Vorbehalte gegen den Kandidaten: er sei ein Mann von gestern und ein Mann des großen Geldes. Tatsächlich ist es eine alte Seilschaft, die jetzt wieder aktuell wird. Merz und Notheis kennen und schätzen sich seit vielen Jahren, beide eint ein kritischer Blick auf Merkel. Einmal, um 2010, arbeiteten sie sogar am gleichen Projekt: dem geplanten Verkauf der WestLB. Am Ende wurde die Bank zwar zerschlagen, doch für Merz‘ Kanzlei Mayer Brown und Morgan Stanley soll der Auftrag überaus lukrativ gewesen sein. „Viel Geld für null Erfolg“, kommentierten die Grünen damals die angeblichen Millionenbeträge.

„Merz im Kanzleramt ist Millionen wert“

Politische Kontakte für Geschäftliches zu nutzen – das verstanden Merz und Notheis gleichermaßen. Nach dem Abschied aus der Politik pflegten beide weiterhin ihre Netzwerke. Wenn sich Vertreter von Wirtschaftsinteressen heute für den Ex-Fraktionschef einsetzten, vermutet die CDU-Europaabgeordnete Inge Grässle, geschehe das nicht ohne Kalkül: „Merz im Kanzleramt ist Millionen wert.“ Soll heißen: es könne sich eines Tages auszahlen, ihm beim Aufstieg geholfen zu haben.

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