CDU-Parteichef Strobl – ein ungeliebter Hoffnungsträger

Von Von Reiner Ruf 

CDU-Landeschef Thomas Strobl hatte mit der Landespolitik schon abgeschlossen. Jetzt führt er die personell ausgeblutete CDU in eine grün-schwarze Landesregierung. Das gefällt nicht allen in der Partei.

CDU-Landeschef Thomas Strobl (rechts) sorgte nach den jüngsten Koalitionsverhandlungen vor allem mit seinem Outfit für Gesprächsstoff. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) blieb eher konventionell. Foto: dpa
CDU-Landeschef Thomas Strobl (rechts) sorgte nach den jüngsten Koalitionsverhandlungen vor allem mit seinem Outfit für Gesprächsstoff. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) blieb eher konventionell. Foto: dpa

Stuttgart - Womöglich hat Thomas Strobl ja Bammel vor der CDU-Landtagsfraktion. „Wenn es ernst wird, fangen seine Hände an zu flattern“, sagt ein Abgeordneter, der immer ganz genau hinschaut, wenn der CDU-Landeschef auftritt. Ein Hauch von Panik lege sich dann über Strobls Gesicht. Wie in der Höhle des Löwen, so ließe sich sagen, wenn dieses Bild nicht ein bisschen zu dramatisch wäre, um den Zustand der Fraktion korrekt zu beschreiben. Mehrheitlich Raubkätzchen tummelten sich dort in den vergangenen Jahren. Aber wenn es um Strobl geht, können sie schon noch die Krallen ausfahren.

So auch am Mittwoch, nachdem wieder einmal in den Medien berichtet worden war, Strobl werde die Bundespolitik verlassen und seine Partei als Vizeministerpräsident und Chef eines erweiterten Innenministeriums in eine grün-schwarze Landesregierung führen. „Das ist eine Ente“, beteuerte Strobl in der großen CDU-Verhandlungskommission. Nichts sei entschieden. Dennoch wurde Strobl für den Abend, so hieß es in der Umgebung des Landesvorsitzenden, vom geschäftsführenden Fraktionsvorstand einbestellt, um Aufklärung zu leisten. Bereits am Dienstag, bei der regulären Fraktionssitzung, hatte Strobls Fürsprecher Willi Stächele viel Kritik einstecken müssen für sein für sein Plädoyer pro Strobl und contra Wolf. Der frühere Multi-Minister Stächele ist ein begnadeter Strippenzieher. Aber die Fraktion ist immer noch die Heimstatt des gescheiterten Spitzenkandidaten Guido Wolf.

Kein Retter – nirgends

Allerdings hat er inzwischen auch in der Fraktion Autorität eingebüßt. Enttäuscht, gar verärgert nehmen vormalige Parteigänger Wolfs den Machtverfall ihres Anführers wahr, dem sie mangelnde Durchsetzungsfähigkeit attestieren. „Landrat bleibt Landrat“, ätzt ein Abgeordneter. Verbittert müssen Wolfs verwaisten Unterstützer zusehen, wie Strobl nach Gesprächen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit breiter Brust vor die Mikrofone tritt, um über die Lage der Weltpolitik, mindestens aber den Verhandlungsstand mit den Grünen zu berichten. Wolf darf dann hinterher immer auch noch etwas sagen.

Die Fraktion mehrheitlich gegen Strobl, aber entfremdet von ihrem Vorsitzenden Wolf – so stellt sich die Situation im Moment dar. In der Öffentlichkeit und zunehmend auch in der Partei gilt es hingegen als ausgemacht, dass Strobl als Vizeministerministerpräsident an die Seite Kretschmanns treten wird. „Es ist schwer ein anderes Szenario vorstellbar“, sagt ein Bundestagsabgeordneter. Es fehlt einfach die Alternative. Hoffnung auf einen Retter, der wie ein deus ex machina auf der landespolitische Bühne erscheint, gibt es nicht. Und mit jedem weiteren Auftritt Strobls im gefühlten roten Feldherrenmantel neben Kretschmann posiert (tatsächlich war es zuletzt ein merkwürdig lindgrünes Jackett), wird es dem CDU-Landeschef immer schwerer, sich doch noch davon zu machen. Aber genau darauf, so vermutet man in der Partei, legt er es an. Als Merkel-Getreuer weiß er die Dinge reifen zu lassen.

Hoffnung auf die nächste Spitzenkandidatur

Was spricht für Strobl als Vizeministerpräsidenten? In den Verhandlungen mit den Grünen kommt ihm eine stabilisierende Rolle zu. Strobl will diese Koalition. Das Wahlergebnis verlange sie. Zudem lassen sich politisch unbedeutendere Positionen denken als die des Vizeministerpräsidenten eines großen Flächenlandes wie Baden-Württemberg. Zumal er damit den Boden bereitet hätte für eine Spitzenkandidatur bei der nächsten Landtagswahl. Genau dies aber befürchten seine internen Gegner: dass Strobl in fünf Jahren doch noch erreicht, was ihm seine Partei beim Mitgliederentscheid im Dezember 2014 versagte: den Anlauf auf das Amt des Ministerpräsidenten. Dann wird der Grünen-Kandidat nicht mehr Kretschmann heißen. Ein Umstand, der allein schon geeignet ist, die betrübten Mienen der Christdemokraten aufzuhellen. Strobl müsste allerdings seine Berliner Ambitionen aufgeben. Als stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender und Landesgruppenchef im Bundestag hat er gute Aussichten auf einen Ministerposten im Bundeskabinett; dies allerdings nicht, solange Strobls Schwiegervater Wolfgang Schäuble aktiv bleibt. Und das kann noch andauern. In der CDU spotteten sie schon über einen geplante Verfassungszusatz: „Der Bundesminister der Finanzen ist Wolfgang Schäuble“, werde ins Grundgesetz geschrieben. Ein Grund mehr für Strobl, sich auf das Territorium der Landesverfassung zurückzuziehen.

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