CDU-Parteitag Ein Foulspiel von Merz
Sofort ins Kabinett – das Angebot von Friedrich Merz an den neuen Vorsitzenden ist voller Gift und bringt Armin Laschet gleich in eine schwierige Lage, kommentiert Norbert Wallet.
Sofort ins Kabinett – das Angebot von Friedrich Merz an den neuen Vorsitzenden ist voller Gift und bringt Armin Laschet gleich in eine schwierige Lage, kommentiert Norbert Wallet.
Stuttgart - Der Burgfrieden in der Union nach der Wahl des neuen Vorsitzenden Armin Laschet hat nicht einmal bis zum Schluss des Parteitags gedauert. Während der neue Parteichef noch am Rednerpult stand und sein Schlusswort sprach, twitterte der unterlegene Friedrich Merz schon ein vergiftetes Angebot in die Welt: Er habe Laschet angeboten, sofort als Wirtschaftsminister in das Bundeskabinett einzutreten.
Was auf den ersten Blick wie eine Offerte klingt, mit der sich der Unterlegene brav in den Dienst an der Partei stellt, ist bei Lichte betrachtet ein böses Foulspiel: Natürlich weiß Merz genau, dass über Ministerposten vor allem die Kanzlerin entscheidet. Das Angebot an Laschet zu richten, ist aber nicht nur eine weitere Unhöflichkeit gegenüber Merkel. Es bringt den neuen Vorsitzenden in eine höchst unangenehme Lage: Würde Armin Laschet es annehmen, sähe er sich kaum im Amt in einen Machtkampf mit der Kanzlerin gezwungen. Lehnt er ab, steht er als jemand da, der den Unterlegenen nicht einbindet, sondern kühl abblitzen lässt. Und ganz nebenbei hat Merz es geschafft, dass sich wieder alles um ihn dreht, nicht um den Sieger des Parteitags.
Natürlich weiß Merz genau, dass Laschet nur ablehnen kann. Vermutlich ist auch das Teil seines Kalküls: Kanzler oder gar nichts – so war von Anfang an seine Strategie. Nach der Niederlage vom Wochenende sind die Träume vorbei. Alle weiteren Funktionen in der CDU sind für ihn wenig attraktiv. Eine Ablehnung Laschets wäre der Freibrief, sich dorthin zu begeben, wo er sich ohnehin viele, viele Jahre wohl gefühlt hat: auf die Tribüne, von wo er das Spiel altklug kommentieren kann, fern jeder Verantwortung.
Der Schachzug von Friedrich Merz ist eine letzte Bestätigung, dass der CDU-Parteitag eine weise Entscheidung getroffen hat.