Stuttgart - Frieder Kurtz gehört nicht zu jenen Ehemännern, die ihre Frau – gerne leicht ironisch – als „Chefin“ titulieren. Beruflich waren die Sphären des Diplom-Forstwirts und der CDU-Landtagsabgeordneten Sabine Kurtz ohnehin getrennt: Er machte Karriere in der Forstverwaltung, leitete zuletzt zehn Jahre lang das Forstamt des Enzkreises. Sie, studierte Germanistin, kümmerte sich um die Landespolitik, mit Schwerpunkt unter anderem auf Kultur und Wissenschaft, zuletzt als Vizepräsidentin des Parlaments. Berührungspunkte und Anlässe zum Austausch gab es natürlich manche, und im Vorwahlkampf nutzte Sabine Kurtz auch die Kompetenz des Gatten: Namens der CDU Leonberg lud sie zum gemeinsamen Wahlspaziergang mit kundiger Führung, Thema: „Waldpflege in Zeiten des Klimawandels.“
Neuerdings könnte Frieder Kurz tatsächlich von seiner „Chefin“ sprechen. Seit März 2020 arbeitet er wieder im Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz von Peter Hauk (CDU), genauer: in der Forstabteilung. Wo er in jungen Jahren schon einmal als Referent fürs Forstpersonal zuständig war, leitet er heute als Ministerialrat das Referat, das über die Aufsicht für ForstBW, Bildung und Forschung zuständig ist. Seit beide Eheleute gleichermaßen in Stuttgart arbeiteten, wollten sie sich schon lange mal zum Mittagessen treffen. Bisher aber klappte es nie, beide waren zu beschäftigt.
Als Landtagsvizepräsidentin allseits geschätzt
Nun ist zumindest ihr Weg zueinander deutlich kürzer geworden. Seit Mai arbeitet auch Sabine Kurtz im „MLR“ am Stuttgarter Kernerplatz, als neue Staatssekretärin. Sie hat ihr Büro in der siebten Etage, der Leitungsebene, ihr Mann in der dritten. Geplant oder absehbar war der Umzug nicht, im Gegenteil. Als Vizepräsidentin wurde Kurtz im Landtag allseits geschätzt für ihre ruhige, souveräne Sitzungsleitung und ihren kühlen Kopf auch in hitzigen Situationen. Zuletzt bescheinigte ihr auch der Verfassungsgerichtshof des Landes, beim Ordnungsruf für einen AfD-Abgeordneten alles richtig gemacht zu haben – anders als die Präsidentin Muhterem Aras (Grüne), gegen die ein anderer Abgeordneter teils erfolgreich vorging.
Viele Kollegen hätten Kurtz daher gerne weiter in der Parlamentsspitze gesehen, doch ihr Platz dort wurde gebraucht. Für den zum Rückzug gedrängten bisherigen CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart suchte man einen neuen Job. Mit dem zunächst ins Auge gefassten Justizministerium klappte es nicht, also blieb nur der Posten des Landtags-Vizepräsidenten, als „Trostpreis“, wie Spötter meinten. Kurtz musste weichen – und landete im thematisch nicht gerade nahe liegenden Agrarressort. Sie sei dankbar, sich noch einmal ein neues Aufgabenfeld erschließen zu dürfen, sagt sie wacker. Ganz neu ist es ihr freilich nicht: Einst betreute sie das Thema Landwirtschaft in der CDU-Fraktion, und in ihren teilweise ländlich geprägten Wahlkreis gab es immer wieder Bezüge dazu.
„Keine Überschneidung der Zuständigkeiten“
Im Haus von Hauk wird die Staatssekretärin eher selten mit ihrem Mann zu tun haben, den sie einst im Studium in Freiburg kennenlernte. Es gebe „keine Überschneidung“ ihrer Themenkreise, sagt eine Ressortsprecherin. Laut interner Geschäftsverteilung sei Kurtz zuständig für landwirtschaftliche Bildung und Beratung, Landesgartenschauen sowie Verbraucherschutz. Als Vertreterin des Ministers werde sie sicher auch einmal Außentermine für die Forstabteilung wahrnehmen, aber Konflikte sieht die Sprecherin nicht: „Frau Staatssekretärin ist dienstrechtlich keine unmittelbar fachliche Vorgesetzte ihres Ehemannes.“ In der Hierarchie des Ressorts steht sie freilich mehrere Ebenen über ihm.
Bisher hat es Sabine Kurtz nur zu einem kurzen Besuch im Büro ihres Frieder gereicht. Geplant ist, einmal gemeinsam in die Kantine zu gehen. Beim Abendessen daheim aber sollen „MLR“-Themen weitgehend ausgeklammert bleiben.