Christina Stumpp, hier beim Politischen Aschermittwoch in Fellbach im Februar 2024, mit den CDU-Parteigrößen Jens Spahn und Manuel Hagel (rechts) Foto: Gottfried Stoppel
Die junge Herausforderin Ann-Cathrin Simon zieht zurück. Damit ist bei der anstehenden Kandidatennominierung am 6. Juli in Waiblingen der Weg frei für die aktuelle Bundestagsabgeordnete Christina Stumpp.
Dirk Herrmann
28.06.2024 - 17:47 Uhr
Manche empfanden es als Putschversuch, andere zumindest als mutig. Doch genauso überraschend wie die vor 17 Tagen angekündigte feminine Attacke kommt nun auch der Rückzieher: Ann-Cathrin Simon will nun doch nicht die aktuelle CDU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Waiblingen, Christina Stumpp, vom Thron stoßen und sie beerben. Gut eine Woche vor der Nominierungsversammlung am Samstag, 6. Juli, im Waiblinger Bürgerzentrum hat Simon ihren Angriff aufs Mandat für den Berliner Reichstag abgeblasen. Somit ist der Weg frei für die bundesweit bekannte Politikerin Stumpp.
Ann-Cathrin Simon geht es um „Authentizität und Herzblut“
Begründet hatte die 27-Jährige ihren forschen Schritt mit „zahlreichen Ermutigungen und dem aktiven Zuspruch“ aus dem Wahlkreis Waiblingen, doch unbedingt für den Bundestag zu kandidieren. Simons Erklärung: „Ich möchte Verantwortung übernehmen und meinen Teil dazu beitragen, dass die CDU für die Menschen in unserer Heimat da ist, als vertrauensvoller Ansprechpartner, mit Authentizität und Herzblut.“ Im Umkehrschluss also Punkte, bei denen Stumpp aus ihrer Sicht nicht so glänzen kann. Doch letztlich war es wohl zu viel Authentizität und Herzblut. Die Vorstellung liegt nahe, dass sich die junge Frau in Parteikreisen und der Führungsebene zuletzt etlichen intensiven Diskussionen ausgesetzt sah.
Im Ergebnis begründet Simon ihren Verzicht nun so: Sie sei 2013 als damals 16-Jährige in die CDU eingetreten, „weil die CDU eine konstruktive Vorstellung von Wettbewerb hat und beweisen kann, dass daraus etwas Gutes und Gemeinsames entsteht“. Diesen Wettbewerb habe sie dann auch gesucht und dabei große Unterstützung erfahren. „Dies war aber nie gegen eine Person und nie mit dem Kopf durch die Wand. Darum stand und stehe ich mit Christina Stumpp in einem konstruktiven Dialog.“ Dieser Austausch mit Stumpp habe demnach auch offenbart: „Wir konnten zeigen, dass wir als CDU mit unseren Inhalten und Köpfen begeistern können.“
Jüngere Frauen mit Kreativität: „Wir haken uns jetzt unter“
Mit 16 Jahren in die CDU eingetreten: Ann-Cathrin Simon Foto: privat
Der 36-jährigen gebürtige Backnangerin Stumpp, die sich der Unterstützung ihres Förderers, des CDU-Bundesvorsitzenden Friedrich Merz, weiter sicher sein kann und kürzlich auch als stellvertretende Generalsekretärin der Bundespartei bestätigt wurde, kommt der ausbleibende Konkurrenzkampf ums Bundestagsmandat zupass. Simon und sie hätten gemeinsame Vorstellungen und Ziele, sagt Stumpp. „Wir kennen uns seit vielen Jahren und haken uns jetzt unter. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir jüngere Frauen mit Kreativität, Leidenschaft, ihren Ideen und Überzeugungen für diesen Weg brauchen. Dafür steht auch Ann-Cathrin Simon, das macht unsere moderne Volkspartei aus. Ich wünsche mir deshalb, dass Ann-Cathrin Simon mehr Verantwortung in unserem CDU-Kreisverband übernimmt. Damit arbeiten wir aktiv für die Idee einer wertegeleiteten Volkspartei der Mitte.“
Spürbar ist auch die Erleichterung an der Spitze der Rems-Murr-Christdemokraten, dass die Kampfabstimmung Simon versus Stumpp abgesagt ist – wobei die Chancen der jüngeren Aspirantin auf eine Palastrevolution angesichts des bundesweiten Renommees der etwas älteren, amtierenden Abgeordneten wohl ohnehin eher gering gewesen wären. Kreischef Siegfried Lorek jedenfalls ist überzeugt: „Die CDU ist bärenstark, weil wir geschlossen sind.“