CDU trifft B-Promi Von Monaco nach Herrenberg

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Das Bild des bodenständigen Unternehmers Björn Lefnaer ist mit seinem medialen Image als schillernder Millionär schwer in Einklang zu bringen.

„Das ist ja kein kompliziertes Produkt.“ B Foto: factum/Simon Granville
„Das ist ja kein kompliziertes Produkt.“ B Foto: factum/Simon Granville

Herrenberg - Was in der Vergangenheit die Presse über ihn geschrieben hat, „das war nur Comedy“, sagt Björn Gunnar Lefnaer. Diese Einschätzung zeugt von Realitätssinn, allerdings waren jene Texte in den Klatschblättern keineswegs ohne sein Zutun entstanden. Sie handelten von einem schillernden Millionär aus Monaco. An diesem Tag ist Lefnaer der bodenständige Unternehmer aus Herrenberg, dessen Mitarbeiter seiner Firma jahrzehntelang die Treue halten. Der Rekordhalter ist 44 Jahre lang im Betrieb, der Württembergischen Allplastik.

Die CDU besucht heute das Unternehmen. Sogar aus Stuttgart und Esslingen sind Christdemokraten angereist. Für Swen Menzel, den Herrenberger CDU-Vorsitzenden, ist dies eine Art Vorwahlkampftermin. Menzel will am 6. März zum Landtagskandidaten nominiert werden. Um für sich zu werben, besucht er derzeit etliche Termine wie diesen.

Lefnaers Erkenntnisse sind so wahr wie schlicht

Er will wissen, welche Wünsche Unternehmer an die Politik haben. „Die Steuerlast ist zu hoch“, sagt Lefnaer. „Aber das kommt natürlich immer, wenn Sie einen Unternehmer fragen.“ So gut wie alle seine Erkenntnisse sind so wahr wie schlicht: Einen Standort in Stuttgart „können Sie vergessen, viel zu teuer“. „Steuerflucht geht heute nur noch bei Sportlern, nicht bei Unternehmern“ oder „Plastik ist ja momentan nicht mehr so beliebt“.

Freunde fragwürdiger Fernsehshows würden gewiss am Versuch scheitern, diesen Mann in Einklang zu bringen mit dem Bild, das ihnen vermittelt wurde. Konsumenten farbenfroher Nachrichten kennen Lefnaer als Playboy mit der Lamborghini-Sammlung, der eine Tour in einer 15-Meter-Jacht als „Camping“ verachtet.

Der mediale Aufstieg begann mit einer Vox-Serie

Sein medialer Aufstieg begann mit der Vox-Serie „Goodbye Deutschland“. Ein Kamerateam dokumentierte seine Versuche, nach Monaco überzusiedeln. Dies samt aller voyeuristischen Details, die das Dasein derartiger Sendungen erst berechtigen. Seine B-Prominenz steigerte sich, als er und Patrizia Blanco, die Tochter von Roberto Blanco, ihre Verlobung bekannt gaben und wieder lösten.

Lefnaer trägt Stühle herbei, damit sich acht Menschen um seinen Schreibtisch versammeln können. Sein Büro ist so klein, dass die Gäste wie in Kinoreihen sitzen. An der Wand hängt eine Klimaanlage zwischen Pop-Art-Drucken und einem vergilbten Foto. Der graue Nadelfilz des Teppichs ist so fleckig wie die Eternit-Fassade der Fabrikhalle. Die hölzernen Rahmen der Fenster hätten schon vor einem Jahrzehnt eines neuen Anstrichs bedurft.

Die Allplastik führt er nicht allein, sondern gemeinsam mit Aimée und Angelika Lefnaer. Sein Geld verdankt er der Tatsache, dass sein Vater Otto Lefnaer Anfang der 1950er-Jahre den Kabel-Blitzbinder erfand. Das Produkt verbreitete sich so rasant, als wäre sein Name ein Vorbote des Erfolgs gewesen. Seither sind weltweit mehr als drei Milliarden der Kabelbinder verkauft worden. In den vergangenen drei Bilanzjahren hat die Allplastik allerdings Verluste gemacht.

„Das ist ja kein kompliziertes Produkt“

Die Firma beschäftigt knapp 20 Mitarbeiter. In der Fabrikhalle, die etwa so groß ist wie eine Schulsporthalle, spuckt eine Maschine namens Arberg Allrounder gebindeweise Kabelbinder aus, heute sind sie allesamt rot. Sie werden aus geschmolzenem Plastikgranulat gepresst, und so riecht es hier. Zwei Arbeiterinnen pflücken die Binder von einem Verbindungsstreifen. „Das ist ja kein kompliziertes Produkt“, sagt Lefnaer. Entsprechend kurz ist die Führung durch die Fabrik.

Seine schillernde Vergangenheit sei vorbei, sagt Lefnaer. Sein Erstwohnsitz ist wieder Stuttgart, der zweite in München, ein dritter in Cannes. Die ganzen Geschichten um ihn und Patricia Blanco seien letztlich nur eine Fernsehinszenierung gewesen. Sie seien noch freundschaftlich verbunden. Eines möchte er aber noch angemerkt wissen. Eben erst stand sein Name wieder in der „Bunte“. Renate Langer hat dem Blatt ein Interview gegeben, in dem die Schauspielerin beschreibt, wie Roman Polanski sie als 15-Jährige vergewaltigt habe. Lefnaer, erzählt sie, stehe ihr bei der Aufarbeitung zur Seite.