CDU wieder Nummer eins Niedergang der Volksparteien schreitet voran

Die Volksparteien in Deutschland werden immer unattraktiver für die Menschen. Vor allem die SPD büßt Mitglieder ein und fällt wieder hinter die CDU zurück. Nur eine der etablierten Parteien kann sich dem Negativtrend bisher mit Erfolg entziehen.

Das Parteibuch der Sozialdemokraten verliert für viele Menschen seinen Wert. Foto: dpa
Das Parteibuch der Sozialdemokraten verliert für viele Menschen seinen Wert. Foto: dpa

Stuttgart - Die großen Parteien können noch so intensiv darum bemüht sein, mehr Interesse an ihrer Arbeit zu wecken – es hilft wenig. Vielmehr schrumpfen sie wieder in einem höheren Tempo als noch im Bundestagwahljahr 2013. Vor allem die SPD: Ende vorigen Jahres hatte sie 442 814 Mitglieder – das war ein Verlust von 3,7 Prozent binnen zwölf Monaten. Seit 1990 hat sie eine halbe Million Beitragszahler verloren und sich damit mehr als halbiert. Nun ist sie wieder nur die Nummer zwei hinter der CDU (444 400 Mitglieder, minus 2,9 Prozent seit Ende 2014).

Abgesehen von der Überalterung und den todesbedingten Abgängen: Im direkten Vergleich gelingt es der SPD offenbar viel weniger als die Union, Neuzugänge zu rekrutieren. Auch die vor fünf Jahren angestoßene Parteireform mit deutlich mehr Mitwirkungsmöglichkeiten für die Basis hat wenig gebracht. Die langfristige gesellschaftliche Entwicklung lässt die traditionellen Milieus – der Arbeiter oder der Katholiken etwa – erodieren. Das trifft die Sozialdemokraten besonders. Zudem haben sie den Abgang Zigtausender Frustrierter wegen der Agenda 2010 nie verkraftet.

Keine Frage der Mitsprachechancen

Der Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer, der regelmäßig die Mitgliederdaten untersucht, mag die Genossen nicht kritisieren: „Die Parteien können die längerfristigen Wandlungsprozesse nicht beeinflussen“, sagte er dieser Zeitung. Sie versuchten zwar „Anreize politischer, normativer und wertmäßiger Art zu setzen“, indem sie sich mehr öffneten und Partizipation ermöglichten. Jeder, der wolle, könne sich gut beteiligen. Bei der SPD dürften die Mitgliedern den Vorsitzenden und den Spitzenkandidaten mitbestimmen. „Was sollte man da noch stärker machen?“, resümiert Niedermayer. An mangelnden Mitsprachemöglichkeiten liege es nicht.