Die Cello-Akademie war Corona-bedingt schon im April abgesagt worden. Auch die als Ersatz geplanten Kammermusikabende finden in der kommenden Woche nicht statt.

Rutesheim - Jedes Jahr in den Herbstferien wird Rutesheim zum Mekka der Cello-Freunde. Studenten aus aller Welt reisen an, um bei Meistern des Fachs Einzel- und Gruppenunterricht zu erhalten. Dazu gibt es seit einigen Jahren auch eine Musikmesse. Die Tage werden dann abends mit Konzerten in großen und kleinen Besetzungen gekrönt.

 

Doch in einem Jahr, in dem Corona-bedingt fast alles anders ist, mussten auch die Organisatoren um Matthias Trück umplanen. „Wir haben die Cello-Akademie schon recht früh Ende April abgesagt“, berichtet Trück. Denn dann läuft in der Regel die ganze Maschinerie an. Die Bewerbungen trudeln ein, die Dozenten hören sich hunderte Stunden an Aufnahmen an, um schließlich ihre Schüler auszuwählen.

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Die Absage habe mehrere Gründe gehabt. Zum einen kommen die Teilnehmer aus aller Welt. „Ich hätte die Studenten nicht guten Gewissens mehrere tausend Euro für Zug- oder Flugtickets ausgeben lassen können.“ Denn zumeist müsse noch ein Extra-Ticket für das nicht gerade kleine Instrument gelöst werden. Zudem seien die Gastfamilien, bei denen die Cello-Studenten die Akademie-Woche über wohnen, oft älteren Semesters und gehörten damit zur Risikogruppe.

Konzerte sind wichtige Einnahmequelle

Die abendlichen Konzerte tragen auch erheblich zur Finanzierung der ganzen Cello-Akademie bei. „Es war klar, dass wir diese unter den Vorgaben nicht wirtschaftlich gestalten können“, sagt Matthias Trück. Die Cello-Akademie mache auch das Drumherum aus, das Familiäre, der gemeinsame Spaß beim Essen oder am Tischkicker. All das hätte es unter Corona-Bedingungen nicht geben können.

Als klar war, dass es die gewohnte Cello-Akademie nicht geben wird, schmiedete Matthias Trück neue Pläne. Unter dem Titel „Cello-Herbst in Rutesheim“ sollten in den Herbstferien, die nächste Woche beginnen, Meisterkurse mit Schülern hauptsächlich aus Deutschland stattfinden. Dazu waren an sieben Abenden insgesamt zehn Kammermusikabende geplant. „Uns war aber klar, wenn wir nur 50 Leute reinlassen dürfen, können wir die Musiker nicht bezahlen“, sagt Trück. Dazu zählen nicht nur die Cellisten, sondern etwa auch die Pianisten, die die Konzerte begleiten, und die Veranstaltungstechniker.

Um das Ganze finanzieren zu können, bewarb sich Trück beim Impulsprogramm „Kunst trotz Abstand“ des Landesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Die Meisterkurse dürfen Corona-bedingt zwar nicht stattfinden, dafür gab es eine Zusage über 39 000 Euro für die Kammermusikabende.

Auch der Ersatz findet vorerst nicht statt

Doch aus den zehn rund einstündigen Konzerten wird vorerst nichts. Mal erneut kommt die aktuelle Corona-Situation dazwischen. Die Infektionszahlen steigen, das Land hat die Pandemiestufe 3 ausgerufen und der Kreis Böblingen ist nun auch Risikogebiet. „Wir sind uns einig mit der Stadt, dass wir noch abwarten möchten, wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickelt. Das kann gerade niemand vorhersagen. Es ist auch nicht im Sinne der Künstler, dass auf ein Konzert hingearbeitet wird, das dann kurzfristig abgesagt wird“, sagt der Leiter der Cello-Akademie.

Bei der Stadt hat man Verständnis für die Nöte der Musiker. „Aber wir sind in Rutesheim immer extrem vorsichtig gewesen und haben schon sehr früh viele Sachen verschoben oder abgesagt“, erklärt die Bürgermeisterin Susanne Widmaier.

Matthias Trück hofft, die Konzerte zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr nachzuholen. Denn so lange läuft die Förderung durch das Land noch. „Vielleicht können wir im November und Dezember an jedem Wochenende ein Konzert machen“, meint er. Interessierte Zuschauer gebe es genug, ist er sich sicher. Die Bürgermeisterin ist da optimistischer. „Die Förderzusage gab es, bevor die dritte Pandemiestufe ausgerufen wurde. Ich denke, man wird da eine Lösung finden, die Fördermittel auch noch über das Jahresende hinaus zur Verfügung zu stellen“, sagt Susanne Widmaier.

Aufstellen für die Zukunft

Darüber hinaus geht bei Matthias Trück der Blick schon in Richtung Zukunft. „Wir müssen uns für das nächste Jahr neu aufstellen“, sagt er. Zum einen wolle man technisch besser gerüstet sein, falls auch im Herbst 2021 die Corona-Pandemie noch nicht überstanden ist. Meisterkurse per Zoom-Meeting funktionierten nicht wirklich. „Diese Video-Programme sind auf Gespräche ausgelegt“, erklärt der Cello-Akademie-Leiter. Viele Feinheiten gingen dabei verloren. „Wenn der Dozent etwa sagt, der Student soll einen Teil leiser spielen, dann macht er das vielleicht auch, aber das Programm regelt die Lautstärke hoch“, nennt er ein Beispiel. Hier arbeite man an einer Lösung.

Online-Konzerte seien für die Akademie dagegen nicht so wichtig. „Unser Publikum will zu einem richtigen Konzert gehen. Sich in der Pause mit anderen unterhalten und ein Gläschen Sekt trinken. Die wollen nicht ins Internet gehen“, sagt Trück. Dennoch sei klar, dass man nach dem Ausfall in diesem Jahr dann 2021 kleinere Brötchen backen müsse.