Von Romantik bis Promotionszweck: Cem Özdemirs Hochzeit mit Flavia Zaka sorgt für Gesprächsstoff. Was Promis zur Trauung in Tübingen noch vor der Landtagswahl sagen.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

– Die Hochzeit von Cem Özdemir, Grünen-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, und seiner Partnerin Flavia Zaka sorgt landesweit für Gesprächsstoff. Der Tübinger OB Boris Palmer hat als Standesbeamter inzwischen auch den Hochzeitstermin per Facebook verkündet: Es ist der Valentinstag, also der kommende Samstag. Es stimme nicht, schreibt er, dass die meisten Paare in Jahreszeiten mit schönem Wetter heiraten wollten, wie es aus Kreisen der CDU hieß. „Viele nehmen den Winter in Kauf, um am Tag der Liebe heiraten zu können“, postet er.

 

Inzwischen weiß man auch, wo Özdemir seiner Partnerin den Heiratsantrag gemacht hat: Bei seiner Feier zum 60. Geburtstag kurz vor Weihnachten. Irmgard Neumann, die „Ziehmutter“ des Politikers und Stadträtin in Bad Urach, hatte dies am Rande einer Gemeinderatssitzung bekannt gemacht, wie die „Südwest Presse“ berichtet. Naumann halte „große Stücke“ auf die künftige Ehefrau ihres „Ziehsohnes“, die in Albanien geboren und in Kanada aufgewachsen ist.

Auch Jürgen Schlensog, Promoter der Jazz Open, ist voll des Lobes: „Flavia Zaka ist eine charmante und kluge Frau.“ Er gratuliert den beiden herzlich. Schlensog war einer der ersten, der die künftige Ehefrau von Cem Özdemir kennen lernte – bei seinem Festival im Sommer 2024, als Sting auf dem Schlossplatz auftrat und sich das Paar zum ersten Mal öffentlich zeigte.

Jürgen Schlensog, Promoter der Jazz Open, sagt über Flavia Zaka: „Sie ist eine charmante und kluge Frau.“ Foto: Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Während viele gratulieren, wird aber auch über das Timing kurz vor der Wahl diskutiert. Wir haben Stuttgarter Promis befragt.

„Ich möchte nicht glauben, dass die Hochzeit für politische Zwecke genutzt wird“

Varieté-Chef Timo Steinhauer sagt: „Zunächst mal herzlichen Glückwunsch! “ Als Freund guter Inszenierungen könne man das Datum vor der Wahl durchaus als solche interpretieren. Er betont jedoch, er sehe es lieber als Romantiker und möchte nicht daran glauben, dass ein solches Ritual für politische Zwecke genutzt werde.

Timo Steinhauer, Direktor des Friedrichsbau Varietés, ist „ein Freund guter Inszenierungen“. ´ Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttgart

Stefan Wolf, früherer Arbeitgeberpräsident von Gesamtmetall, findet, die Hochzeit sei Özdemirs Privatsache. Es sei aber immer schön, wenn zwei Menschen, die sich gefunden hätten und perfekt zueinander passten – wie das bei Cem und Flavia der Fall sei –, ihre Liebe auch durch eine Trauung zum Ausdruck brächten.

Entertainer Roland Baisch denkt übers Wählen nach: „Wenn man seine Auserwählte auswählt, heißt das zwar nicht, dass man selbst gewählt wird. Aber dann hat man schon mal eine wichtige Wahl gewonnen.“

Bestseller-Autorin und Notärztin Lisa Federle sagt: „Ich finde das völlig in Ordnung, dass sie jetzt im kalten Februar heiraten. Nicht jeder muss und will im Sommer heiraten.“ Außerdem sei die Feier unter Ausschluss der Öffentlichkeit geplant gewesen. Grundsätzlich freue es sie, dass die beiden ihr Glück gefunden hätten.

„Liebesheirat? Oder möchte er das pietistische Korntal überzeugen?“

Winzer Thomas Diehl gratuliert zwar: „Liebe ist Liebe, da gibt’s nichts zu diskutieren.“ Gleichzeitig zeigt er sich überrascht vom Zeitpunkt. Wer Ministerpräsident von Baden-Württemberg werden wolle, habe gerade eigentlich einen anderen Termin mit dem Land. Manuel Hagel habe es vorgemacht, indem er nur „Alles Gute“ gesagt und weitergearbeitet habe. Das sei die Souveränität, die er sich von einem künftigen Ministerpräsidenten wünsche.

Comedian Michael Gaedt fragt augenzwinkernd: „Liebesheirat? Oder möchte er das pietistische Korntal überzeugen?“ Auf alle Fälle wünsche er „Toi toi toi“.

Kabarettist Christoph Sonntag sieht sich „in dieser Thematik durchaus als Fachmann“, wie er mit Blick auf seine eigenen zwei Ehen anmerkt. „Heiraten ist eine prima Sache, wenn man die Richtige erwischt“, sagt er. Dieses Glück traue er Cem Özdemir nach erster Draufsicht durchaus zu. Immerhin stelle seine künftige Gattin damit unter Beweis, dass sie ihn liebe – und nicht den möglicherweise künftigen Ministerpräsidenten. Unter diesen Gesichtspunkten, so fügt er schmunzelnd hinzu, müsse Manuel Hagel gar nicht gewinnen, denn er sei ja schon glücklich verheiratet.

„Trotzdem wird Manuel Hagel gewinnen“

Model und Moderator Mustafa Göktas äußert sich kritischer: „Bin gespaltener Meinung. Muss man so kurzfristig vor der Wahl heiraten?“ Er glaube, Özdemir wolle damit noch Sympathiepunkte sammeln. Er habe zuletzt aufgeholt in der Wählergunst. Trotzdem werde Hagel gewinnen. „Dass Özdemir jetzt heiratet, hat, glaube ich, Promotionszwecke“, sagt Göktas.

So reichen die Reaktionen von herzlicher Anteilnahme über ironische Kommentare bis hin zu politischer Skepsis. Die Hochzeit bleibt ein privates Ereignis – doch so kurz vor einer Wahl wird selbst das persönliche Glück eines Spitzenkandidaten unweigerlich politisch gelesen.