CEO des VfB Stuttgart „Verbände sollten sich offen zeigen“ – Wehrle heizt Pyrotechnik-Debatte neu an
Alexander Wehrle, der CEO des VfB Stuttgart, heizt die bundesweite Debatte um Pyrotechnik neu an. Deutet sich da eine Kehrtwende an?
Alexander Wehrle, der CEO des VfB Stuttgart, heizt die bundesweite Debatte um Pyrotechnik neu an. Deutet sich da eine Kehrtwende an?
Seit vielen Jahren gilt die Pyrotechnik-Debatte im deutschen Fußball als eine der verfahrendsten überhaupt. Nichts bewegt sich – außer den Zahlen. Die zeigen auf, dass die Zahl der Pyrotechnik-Einsätze seit Jahren kontinuierlich steigt. Auch beim VfB Stuttgart, wo die Fans zuletzt in Bochum beim Pokalspiel zündeten.
Doch nun schaltet sich der Stuttgarter CEO Alexander Wehrle in die Debatte ein. Er fordert eine Evolution des Strafsystems und kann sich sogar vorstellen, Pyro in Stuttgart kontrolliert zu erlauben. Der Überblick über seine Aussagen.
Alexander Wehrle über...
… die Sicherheit beim Stadionerlebnis:
„Der jüngst veröffentlichte Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) belegt, dass das Stadionerlebnis in Deutschland sicher ist. Er zeigt aber auch, dass der Einsatz von Pyrotechnik angestiegen ist, wobei es sich in vielen Fällen um Ordnungswidrigkeiten und nicht um Straftaten handelt. Dies soll die Gefahr bei unkontrolliertem Abbrennen aber nicht negieren.“
… eine Veränderung des Strafsystems:
„Das Thema Pyrotechnik beschäftigt uns seit über 20 Jahren und man muss feststellen, dass weder eine Erhöhung der Strafmaßnahmen noch diverse Anstrengungen der Clubs und Behörden zu einer Lösung geführt haben. Alle beteiligten Akteure inklusive der Sicherheitsbehörden sind sich darüber einig, dass zum aktuellen Zeitpunkt Pyrotechnik nicht komplett zu verhindern ist. Deswegen setzen wir uns für eine Veränderung des Strafsystems ein. Aber keine Revolution sondern eine Evolution.“
… die potenziellen Gefahren von Pyrotechnik:
„Grundsätzlich ist der Einsatz von Pyrotechnik mit potenziellen Gefahren verbunden. Dies ist sowohl den Nutzern als auch den Clubs bewusst. Allerdings wird von außen zu schnell der Gewaltbegriff genutzt. Wenn Pyrotechnik nicht die Hand verlässt und nach dem Abbrennen zum Beispiel in einem Ordnergraben abgelegt wird, ist es nicht das Ziel, andere zu verletzen. Verlässt Pyrotechnik die Hand oder werden zum Beispiel Böller gezündet, ist der Fall anders zu betrachten. Hier setzen wir uns für eine härtere Sanktion ein. Wir sind für eine qualifizierte Einzelfallbetrachtung bei Sanktionen, um die Chance auf einen wirksamen Dialog und Veränderung vor Ort zu erhöhen.“
… eine Versachlichung der Debatte:
„Ich bin der Meinung, dass man mit allen Akteuren – Behörden, Polizei, DFB, DFL, Vereine, Fans – in einem aktiven Dialog und verschiedenen Strängen miteinander agieren muss. Dabei hilft nur, wie auch zuletzt bei den anderen Themen rund um Stadionsicherheit, wenn wir die Debatte versachlichen. Insgesamt kann man beobachten, dass sich die Verwendung von kontrollierter Pyrotechnik an anderen Anlässen etabliert. Beispielsweise auf Festen, Konzerten oder Hochzeiten.“
… die Bedeutung des BW-Pilotprojekts der Stadionallianzen:
„Als elementarer Teil der Prävention und zum Aufbau und Stärkung des Vertrauens zwischen allen Akteuren kann ich das erfolgreiche Modell der Stadionallianzen nicht genug hervorheben. Wenn Sicherheits-, Fanbeauftragte und Polizeiführer vertrauensvoll zusammenarbeiten, ist es ein hohes Gut, welches auch zu einer ganzheitlichen Betrachtungsweise des Themas Pyrotechnik führen kann.“
… mögliche Pilotprojekte und die Haltung der Verbände:
„Dennoch sollten sich die Verbände offen zeigen gegenüber einem Pilotprojekt zum Einsatz kontrollierter Pyrotechnik unter Einhaltung von gewissen Sicherheitsaspekten. Dies wäre vor allem vor dem Hintergrund Nutzung von Pyrotechnik bei anderen Großveranstaltungen mit hohen Zuschauerzahlen zeitgemäß.“