CES in Las Vegas Zukunftstechnologie aus Baden-Württemberg

Das Kamerasystem zur Überwachung der Insassen eines Fahrzeugs erkennt, wann diese müde oder abgelenkt sind und greift ein. Foto: /Ralf Grömminger

Die CES in Las Vegas, eine der weltgrößten Messen für Unterhaltungselektronik, wird immer relevanter auch für baden-württembergische Unternehmen. Das liegt auch daran, dass die Autohersteller die Messe für sich entdeckt haben.

Chefredaktion: Anne Guhlich (agu)

Stuttgart/Las Vegas - Norbert Ropelt aus Tübingen reist dieses Jahr zum ersten Mal zur Technologiemesse CES nach Las Vegas. Er ist Geschäftsführer des Start-ups Acameo, das stationären Einzelhändlern ermöglicht, ihre Ladenlokale in 3-D im Internet nachzubauen. „Ich erhoffe mir, in Las Vegas auf Technologien zu stoßen, mit denen wir unser Produkt noch besser machen können“, sagt Ropelt. Vom 7. bis 10. Januar präsentieren rund 4500 Unternehmen im US-Bundesstaat Nevada einem Fachpublikum ihre Innovationen, mit denen sie in den nächsten Jahren Trends setzen wollen. Die CES startete als reine Messe für Unterhaltungselektronik. In den vergangenen Jahren hat sie allerdings zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen, weil die großen Autokonzerne die CES für sich entdeckt haben. Längst stellt die Technologiemesse die klassischen Autoschauen in den Schatten. Die neuesten Entwicklungen im Bereich Mobilität der Zukunft sucht das Fachpublikum nicht mehr auf der Detroit Motor Show oder der IAA in Frankfurt, sondern in Las Vegas.

 

Da die Autobranche eine baden-württembergische Schlüsselindustrie ist, gewinnt die Messe auch für die Unternehmen aus dem Land zunehmend an Bedeutung. 2020 ist zum ersten Mal auch der Ingenieurdienstleister Bertrandt mit Sitz in Ehningen auf der CES mit einem Stand vertreten. Der Dienstleister stellt in Las Vegas sein Konzeptfahrzeug Harri vor. Die Abkürzung steht für Highly Automatet Driving Plattform for Innovation und soll zeigen, dass das Unternehmen alle Trends der Industrie umsetzen und kombinieren kann: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und E-Mobilität.

Zulieferer positionieren sich zunehmend auch als Softwareentwickler

Auch der Automobilzulieferer ZF aus Friedrichshafen positioniert sich zunehmend als Softwareanbieter. Der Zulieferer arbeitet künftig mit dem US-Konzern Microsoft zusammen, um seine Softwarelösungen noch schneller in den Markt bringen zu können. „Zulieferer müssen heute Softwarekompetenz besitzen, weil sie sonst keine Kompetenz für das Gesamtsystem erlangen können“, so ein Sprecher des Konzerns. „Software vernetzt die Komponenten und definiert zunehmend die Eigenschaften eines Fahrzeugs.“ Wie sich die ZF-Spezialisten die Softwareentwicklung der Zukunft vorstellen, zeigt das Unternehmen auf der CES beispielsweise anhand der neuesten Version von Cubix, einer Vernetzungslösung, die Lenkung, Bremsen, Dämpfung und elektrischen Antrieb kombiniert und alle Systeme zentral steuert.

Das System sei für Hersteller attraktiv, die schnell sehr hochwertige und ausgereifte Fahrwerke entwickeln möchten, denn es verkürze die Entwicklungsdauer und erzielt bessere Ergebnisse bei der Gesamtabstimmung, so der Unternehmenssprecher. „Durch die Vernetzung hat die Steuerung Zugriff auf alle Fahrwerkskomponenten.“ Zukünftig soll das System weitere Baugruppen wie Lenkung und Bremse mit dem Fahrwerk vernetzen.

Ein großer Trend auf der kommenden CES wird die Interaktion zwischen dem Auto und seinem Fahrer sein. Dies wird auch das Thema des diesjährigen Messeauftritts des Stuttgarter Autobauers Daimler sein. Daimler-Chef Ola Källenius wird auf der Messe eine Rede halten, die nach Unternehmensangaben „einen visionären Ausblick auf die Interaktion zwischen Mensch und Maschinen in der Zukunft“ geben soll. Zudem will der Autobauer ein futuristisches Konzeptfahrzeug vorstellen, das in Kooperation mit einem Unternehmen aus der Unterhaltungsbranche entwickelt wurde.

Für Bosch ist Sicherheit ein zentrales Thema auf der CES

Für den weltgrößten Autozulieferer Bosch ist ein zentrales Thema auf der CES die Sicherheit in autonom fahrenden Fahrzeugen. Das Unternehmen präsentiert beispielsweise sein 3-D-Display für Autos, das im Vorfeld der Messe bereits mit dem CES Innovation Award ausgezeichnet worden ist. „Durch die Tiefenwirkung der Anzeige erfassen Autofahrer wichtige Informationen – etwa von Assistenzsystemen oder eine Staumeldung – schneller“, sagt Steffen Berns, Vorsitzender des Bereichsvorstands von Bosch Car Multimedia. „Warnhinweise, die aus dem Display herauszuwachsen scheinen, springen einem geradezu ins Auge.“ Zudem präsentiert der Zulieferer ein Kamerasystem, das den Fahrzeuginnenraum überwacht. Es erkennt etwa, ob der Fahrer müde oder abgelenkt ist, und warnt ihn. „Wenn das Auto weiß, was Fahrer und Insassen gerade machen, wird Autofahren noch sicherer und komfortabler“, sagt Bosch-Geschäftsführer Harald Kröger.

Der Abgasspezialist Eberspächer zeigt seine Innovationen unter anderem am Beispiel des seriennahen Konzeptfahrzeugs Metro Snap der Schweizer Ideenschmiede Rinspeed. Das autonome Fahrzeug soll Menschen und Waren auf der letzten Meile transportieren. Als letzte Meile wird etwa in der Logistik der Weg zur Haustür des Kunden bezeichnet. Eberspächer liefert für den Metro Snap Thermomanagement, Konnektivität und elektronische Schaltersysteme.

Nicht nur Start-ups aus der Autoindustrie

Dass Baden-Württemberg nicht nur mit Produkten aus der Autoindustrie in Las Vegas vertreten ist, zeigt neben dem Tübinger Ropelt auch das Start-up Ioniq aus Markdorf (Bodenseekreis). Das Start-up wurde im Inkubator der Wagner-Gruppe entwickelt, einem nach eigenen Angaben weltweit führenden Hersteller von Beschichtungssystemen. Das Start-up hat ein Gerät entwickelt, das die menschliche Hand etwa beim Auftragen von Sonnencreme ersetzen soll, um eine bessere Abdeckung mit dem Produkt und somit einen besseren Schutz der Haut zu erreichen. Norbert Ropelt aus Tübingen reist dieses Jahr noch mit der Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes, Baden-Württemberg International (BWI), nach Las Vegas. „In den kommenden Jahren kann ich mir aber durchaus vorstellen, dass wir mit einem Stand vertreten sind“, so Ropelt. „Die CES ist für Technologieunternehmer zu einem Pflichttermin geworden.“

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