Champions League Abrechnung im Prinzenpark

Neymar mit seinem deutschen Trainer Thomas Tuchel. Foto: AFP
Neymar mit seinem deutschen Trainer Thomas Tuchel. Foto: AFP

Was passiert mit Neymar? Sollte Paris St.-Germain gegen Liverpool nicht gewinnen, steht die Zukunft des PSG-Stars in den Sternen.

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Paris - Edinson Cavani nahm den Ball mit links an, jonglierte ihn auf den rechten Fuß und verwandelte volley. Traumtor und 1:0-Sieg gegen den FC Toulouse. Auf der Tribüne applaudierten die beiden anderen aus dem Sturmdreieck von Paris St.-Germain: Neymar und Kylian Mbappé waren angeschlagen. Nun aber zählt kein Schmerz mehr, an diesem Mittwoch (21 Uhr) steht das Trio vor seiner größten Bewährungsprobe. Alles andere als ein Sieg gegen den FC Liverpool bedeutet wohl das Ende der aktuellen Champions-League-Saison.

Endet die Champions-League-Saison in der Vorrunde?

Im Novemberregen der französischen Hauptstadt entscheidet sich im Prinzenpark, wie der Frühling wird. Unternimmt der Scheichclub dann den oft angekündigten und genauso oft verschobenen Angriff auf die europäische Krone? Oder muss PSG in der Europa League weiterspielen, was angesichts der Ambitionen kaum weniger demütigend wäre als ein komplettes Ausscheiden, das in der spannenden Vorrundengruppe mit dem SSC Neapel und Roter Stern Belgrad auch noch möglich ist.

Verhandelt wird im Aufeinandertreffen der Trainer Thomas Tuchel und Jürgen Klopp aber auch schon der Sommer. Bei einem Abgang aus der Champions League wird es in Paris kaum so weitergehen können wie bisher. Der aktuelle PSG ist gebaut um den brasilianischen Superstar Neymar, der vorigen Sommer für die Rekordablöse von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona verpflichtet wurde. Hinter Lionel Messi und Cristiano Ronaldo die dritte Lokomotive des Weltfußballs, ist er eigentlich zu groß für Frankreichs Ligue 1.

Neymar eine Klasse für sich in der französischen Liga

Das soll er laut ständiger Medienberichte aus Spanien längst selbst so sehen. Angeblich bereut der 26-jährige Brasilianer den Wechsel nach Frankreich und will nichts lieber als zurück. Man scheint ihm diese Zweifel auf dem Spielfeld anzumerken, und sie färben ab auf das ganze Projekt. Nur europäischer Erfolg könnte diese Liaison doch noch legitimieren – für beide Seiten.

PSG wird sich Neymar ohne Zusatzeinnahmen aus der K.-o.-Runde kaum mehr leisten können. Ein neues Verfahren der Uefa im Rahmen des Financial Fair Play läuft. Der Druck auf den Kontinentalverband wächst, die Pariser mit ihren wohl künstlich aufgeblähten Sponsorenverträgen aus Katar nicht mehr so glimpflich davonkommen zu lassen wie bisher.

Negative Schlagzeilen trotz überlegener Saison in Frankreich

Dazu steht der Verein in der Kritik wegen des Skandals um Profiling nach Rassenkriterien in der Scoutingabteilung. Es ist ein schwieriger Herbst bei PSG, daran ändert auch ein historischer Startrekord in der französischen Meisterschaft nichts. 14 Siege aus 14 Spielen haben die alte Bestmarke der großen europäischen Ligen von Tottenham Hotspur aus dem Jahr 1960 pulverisiert.

In Europa hingegen gab es eine Niederlage in Liverpool, zwei Remis gegen Neapel und nur gegen Belgrad einen Sieg. Von einer „der letzten Chancen zu zeigen, wozu wir wirklich in der Lage sind“, spricht Tuchel nun. „Zusammen können wir etwas erreichen“, betont Mbappé. „Ensemble“ – zusammen: Dieses Wort fällt in Paris permanent, dabei ist es eigentlich eine Tautologie: Wie sollte man in einem Mannschaftssport anders reüssieren als zusammen?

In der französischen Liga geht das wirklich – so überlegen ist der PSG, da muss nicht jeder immer beim Pressing mitmachen, seinen Gegenspieler verfolgen, Lücken stopfen, gemeinsam Grenzsituationen durchstehen. Gegen die Neapels und Liverpools reicht es indes nicht mehr. Das ist der Strukturkonflikt in Neymars PSG.

Neymar will in Paris das sein, was Messi in Barcelona längst ist

Der Brasilianer wurde mit dem Versprechen nach Paris gelockt, dort sein zu können, was in Barcelona über ihm Messi war: der, für den alle spielen. Doch er hat sich nie sonderlich viel Mühe gegeben, die anderen mitzunehmen. Aus Sicht der alten PSG-Garde wurden einer gewachsenen Hierarchie mit Neymar und Mbappé zwei neue Chefs vorgesetzt. Daraus resultieren Eifersüchteleien, die insbesondere zwischen Neymar und Cavani längst chronisch sind.

Vorige Saison gab es Dauerstreit um die Ausführung der Elfmeter. Statistiken demonstrieren, dass man kaum Pässe austauscht, zuletzt fuhr der Uruguayer dem Brasilianer bei einem Freundschaftsspiel böse in die Parade. Die anschließenden Blicke beider Spieler sagten mehr als die wortreichen Friedensbekundungen danach. „Ihre Beziehung ist vulkanisch, da ist zu viel Spannung“, beobachtete der französische Ex-Weltmeister Bixente Lizarazu: „Das ist ein echtes Problem.“

Arbeiter fehlen der Startruppe

Selbst bei bester Absicht ist es nicht einfach für eine Mannschaft, im Dienste von Stars zu spielen und trotzdem die nötige Eigeninitiative einzubringen. Für einen Trainer wird die Arbeit nicht leichter, wenn just die wichtigsten Teamplayer wie Blaise Matuidi (2017 zu Juventus Turin) oder Thiago Motta (2018 Karriereende) zur Gegenfinanzierung der Superstars nicht ersetzt werden. An ihrer Stelle im zentralen Mittelfeld probierte Thomas Tuchel zuletzt sogar den offensiven deutschen Nationalspieler Julian Draxler aus.

Seit seiner Ankunft im Sommer bastelt der Coach an einem harmonischen Team. Wegen der schweren Champions-League-Gruppe war es von vornherein ein Wettlauf gegen die Zeit. Nun ist sie abgelaufen. „Es ist ein entscheidendes Spiel mit viel Druck. Den können wir spüren“, sagt Thomas Tuchel und weiß: Gegen den FC Liverpool muss ihm und seinen Stars die Quadratur des Kreises gelingen.




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