Im Hinspiel des Champions-League-Halbfinales begeistert der FC Bayern München beim 4:0 gegen Barcelona und steht so gut wie im Finale.

Sport: Carlos Ubina (cu)

München - Er war da. Der Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat sich auch von seiner Steueraffäre nicht davon abbringen lassen, das Münchner Stadion beim Giganten-Treffen zwischen dem FC Bayern und dem FC Barcelona zu besuchen. Mit dem Vereinsschal um den Hals nahm er auf der Tribüne seinen angestammten Platz ein. Er wirkte entspannt, beinahe unbeeindruckt von den negativen Schlagzeilen. Und er jubelte ausgelassen wie eh und je. Viermal hatte er dazu Gelegenheit. Denn die Bayern besiegten im Halbfinalhinspiel der Champions League das Starensemble um Lionel Messi nach einem beeindruckenden Auftritt mit 4:0 (1:0).

 

„Man muss gegen den FC Barcelona einen Plan haben, die Spieler haben das überragend umgesetzt“, lobte der Trainer Jupp Heynckes, warnte aber vor zu großer Euphorie vor dem Rückspiel: „Das sollten wir heute genießen, mehr aber auch nicht.“ Und der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge war ganz im Glück: „So einen Abend habe ich noch nicht erlebt.“

Die Vorfreude auf eine magische Fußballnacht in München war so groß, dass die 68 000 Besucher im ausverkauften Stadion schon vor dem Anpfiff versuchten, die Steueraffäre um Hoeneß stimmgewaltig in den Hintergrund zu drängen. Nichts sollte die gute Laune stören, und schon gar nicht sollte in der Bayern-Elf das Gefühl aufkommen, das Publikum wisse nicht, um was es sportlich ginge. Am 25. Mai steht das Endspiel an. Es ist die Endstation Sehnsucht der Münchner nach dem verlorenen Finale 2012. Und nun stehen sie auf ihrem Weg nach London nur noch einen Schritt vom Wembleystadion entfernt. In einer Woche muss das Team den Vorsprung im Camp Nou verteidigen.

Wobei? Vielleicht greifen die Bayern ja auch wieder an. Es ist ihr Stil – und der begeistert zurzeit nicht nur die eigenen Fans. Jedenfalls war die Unterstützung für die Gastgeber selten so lautstark und enthusiastisch wie gestern. Entsprechend legten die Herren in Rot los. Von Anfang an zeigte sich: die Bayern drückten aufs Tempo, die Katalanen dosierten das Tempo.

Messi konnte kaum zu gefürchteten Aktionen ansetzen

Heynckes hatte jedoch nicht nur entschieden, im Spiel nach vorne schnell und entschlossen umzuschalten, sondern ebenso in der Sturmmitte auf Mario Gomez zu vertrauen. Der erhielt den Platz des gesperrten Mario Mandzukic und verdrängte den zuletzt ebenfalls treffsicheren Claudio Pizarro auf die Bank. Auch nicht in der Anfangself: Daniel van Buyten. Der Innenverteidiger musste seinen Posten für den schnelleren und beweglicheren Jerome Boateng räumen.

Eine Maßnahme, die Heynckes mit Blick auf Barças kleine und wendige Offensivspieler ergriff. Eine Maßnahme auch, die notwendig war. Denn wie vom Münchner Coach erwartet, bot sein Kollege Tito Vilanova den Weltfußballer Lionel Messi von Anfang an auf – trotz muskulärer Probleme, die den Argentinier zurzeit plagen. Messi konnte jedoch kaum zu seinen gefürchteten Aktionen ansetzen. Zu eng war das bayerische Defensivnetz um den Dribbelkönig aus Barcelona geknüpft.

Bayern zeigt fußballerische Machtdemonstration

Eine Lücke fand dagegen Thomas Müller. Per Kopf brachte er die Gastgeber in Führung und die Arena zum Toben (25.). Es war der Lohn einer couragierten Vorstellung. Auch wenn der deutsche Rekordmeister im Vergleich zu allen anderen Begegnungen in dieser Saison nicht den höheren Prozentanteil beim Ballbesitz aufwies. Doch die Kombinationen von Barças Ballkünstlern blieben erfolglos. Dagegen demonstrierte Gomez einmal mehr seine Klasse im Abschluss. Die Nummer 33 der Münchner erzielte das 2:0 (49.), jedoch in stark abseitsverdächtiger Position. Und als Robben dann einen Konter überlegt mit dem dritten Tor abschloss (73.), gab es beim Jubel kein Halten mehr. Jedoch war dem Tor ein Foul von Thomas Müller vorausgegangen.

Doch damit begnügten sich die Bayern nicht. Der bärenstarke Müller („Die großen Spiele, da bin ich einfach geil drauf“) erhöhte auf 4:0 (82.), was einerseits schon die Ausmaße einer Demütigung annahm und andererseits die Arena vor Begeisterung beben ließ. Insgesamt also eine fußballerische Machtdemonstration, die dem privat mitgenommenen Clubchef Hoeneß sicher in der Seele gut getan hat.