Champions League Hochgefühle eines Hochbegabten

Von  

Der gebürtige Stuttgarter Serge Gnabry startet in England beim FC Arsenal durch – und freut sich am Dienstag auf Dortmund. Der Verein kommt am dritten Spieltag der Champions League nach London.

Ein Stuttgarter Junge: Serge Gnabry spielt mittlerweile für den FC Arsenal und hofft im Champions-League-Spiel gegen Dortmund auf einen Kurzeinsatz. Foto:  
Ein Stuttgarter Junge: Serge Gnabry spielt mittlerweile für den FC Arsenal und hofft im Champions-League-Spiel gegen Dortmund auf einen Kurzeinsatz. Foto:  

London - Südwales im Herbst. Swansea City AFC empfängt in der englischen Premier League den großen FC Arsenal. Es ist kein gutes Fußballspiel, was die 22 Akteure im ausverkauften Liberty-Stadium bieten. 0:0 steht es bis zur 58. Minute, als ein junger Deutscher den Bann bricht. Über die Londoner Olivier Giroud und Aaron Ramsey gelangt der Ball in Swanseas Strafraum zu dem 18-jährigen Serge Gnabry. Der flinke Mittelfeldspieler zögert nicht lange und netzt trocken unten links ein. 1:0 für den Hauptstadtclub.

Das war am 28. September 2013. Und gleichzeitig war es das erste Tor des gebürtigen Stuttgarters in einem Pflichtspiel für Arsenals erste Mannschaft. „Es war das beste Gefühl meiner bisherigen Karriere“, sagt der deutsche Junioren-Nationalspieler, dessen familiäre Wurzeln in der Elfenbeinküste liegen. Und spätestens seit diesem Treffer liegt ganz Fußball-England Serge Gnabry zu Füßen.

Die Situation ist neu für den Jungprofi: Best-of-Videos auf Youtube, eine eigene Fanseite im Internet, der Spitzname „Next German Wunderkind“ in Anlehnung an den Basketball-Superstar Dirk Nowitzki – Serge Gnabry erlebt ein erstes Karrierehoch. Mit 18 Jahren und 76 Tagen ist er der zweitjüngste Ligatorschütze im Trikot der Kanoniere. Gleich hinter Cesc Fabregas, Clublegende und heute beim FC Barcelona.

„Wer Fußball spielt, steht eben auch im Mittelpunkt.“

Doch einer ist nicht gerade begeistert von dem ganzen Trubel. Sein Vater Jean Hermann Gabry begegnet dem Treiben um seinen Sohn mit Skepsis. „Ich denke, dass für junge Spieler so viel Aufmerksamkeit nicht gut ist“, sagt er. Seit zwei Jahren lebt er gemeinsam mit dem Junior in der englischen Metropole. Er hat ihn beim Schritt vom VfB Stuttgart zum FC Arsenal begleitet. Sein Fazit lautet: „Wer Fußball spielt, steht eben auch im Mittelpunkt. Das ist nun mal so.“ Argwohn bleibt dennoch.

Den Hauptdarsteller nervt das Aufsehen hingegen überhaupt nicht. Im Gegenteil. „Heutzutage ist es doch normal, dass Videos mit den besten Szenen eines Spielers erstellt werden. Auch ich schaue auf den Webseiten viele Szenen von anderen Spielern an“, sagt Serge Gnabry. Und der neue Spitzname mit dem „Wunderkind“? „Ist doch ganz amüsant“, urteilt er.


Weniger lustig war das Debüt des Jungstars in der Premier League vor fast genau einem Jahr – eine 0:1-Pleite bei Norwich City. Drei Tage später folgte die erste Einwechslung in der Champions League. Auch dieses Spiel verlor sein Team. 0:2, diesmal daheim gegen den FC Schalke 04.

Vom Nachwuchs des VfB kam Gnabry vor zwei Jahren an die Themse. 500 000 Euro ließen sich die Londoner seine Dienste kosten. In Stuttgart spielte Serge Gnabry sechs Jahre lang. „Auch kurz unter dem ­damaligen Jugendtrainer Thomas Schneider“, berichtet sein Vater. Seine Laufbahn startete er als Vierjähriger beim TSV Weissach (Kreis Böblingen). Es folgten die Stationen TSF Ditzingen, GSV Hemmingen, Sportvg Feuerbach und Stuttgarter Kickers, bevor er in Bad Cannstatt landete. Und beim VfB steht die Tür für Serge Gnabry nach wie vor offen – so weit sogar, dass ihn der Manager Fredi Bobic im Sommer wieder an den Neckar lotsen wollte. Doch Gnabry entschied sich zu bleiben.

Nun spielen die Rot-Weißen aus London gegen ein anderes deutsches Team: In der Champions League kommt am Dienstag Borussia Dortmund in das Emirates-Stadium. „Eine klasse Mannschaft“, sagt Gnabry. Aber: „Es ist eine machbare Aufgabe, denn wir sind super drauf. Trotz der vielen verletzten Stammspieler.“ Der Tabellenplatz in der englischen Liga bestätigt das: Arsenal grüßt von Platz eins. Auch in der Champions League steht mit zwei Siegen aus zwei Spielen eine makellose Bilanz. Und das, obwohl Akteure wie Theo Walcott, Alex Oxlade-Chamberlain oder auch Lukas Podolski derzeit fehlen.

Partie gegen Dortmund wird zur besonderen Angelegenheit

Die Partie gegen Dortmund ist für Gnabry eine besondere Angelegenheit, auch wegen der fußballerischen Rivalität zwischen England und Deutschland. „Es liegt viel mehr Spannung in der Luft. Und für Spieler wie mich, Per, Mesut und Lukas hat so ein Spiel viel mehr Bedeutung.“ Per, Mesut und Lukas – das Trio der deutschen Nationalspieler im Dress der Londoner besteht aus dem Abwehrchef Per Mertes­acker, dem Angreifer Lukas Podolski und dem 50-Millionen-Euro-Mann Mesut Özil.

Ein Torerfolg war Gnaby beim vergangenen Champions-League-Auftritt des FC Arsenal aber nicht vergönnt. Beim 2:0 gegen den SSC Neapel saß er 90 Minuten lang auf der Bank. Es scheint, dass ihn der Coach Arsène Wenger schonend aufbauen möchte. Beim 4:1-Heimsieg zuletzt gegen Norwich war Gnabry gar nicht im Kader. Gegen Dortmund hofft das Talent jedoch auf einen Einsatz, zumindest als Joker.

Bei seinem Treffer in Swansea stand er in der Anfangself der Londoner. Und seit jenem 28. September hat auch seine Torpremiere für Arsenal einen festen Platz in den Best-of-Videos gefunden. Den trüben Kick in Wales gewannen die Gunners übrigens mit 2:1. Aaron Ramsey traf nur vier Minuten nach Gnabrys Führung zum 2:0. Wenn es so auch gegen den BVB laufen würde – Serge Gnabry wäre sehr zufrieden.