Kim Renkema jedenfalls lobt die Belastungssteuerung von Trainer Konstantin Bitter. „Wir haben unsere Ziele klar ausgesprochen. Wir wollten ins Viertelfinale der Champions League. Und wir wollen um Titel spielen, möglichst nach dem Supercup noch einen oder zwei gewinnen. Darauf liegt der Fokus“, sagt die Sportdirektorin, „bisher sind wir in allen Wettbewerben voll dabei. Aber die Spielerinnen sind keine Roboter, deshalb haben wir die eine oder andere weniger souveräne Leistung in der Bundesliga in Kauf genommen.“
Ob diese Rechnung auch weiterhin aufgeht? Konstantin Bitter ist zuversichtlich. „Die Erfahrenheit in unserem Team stellt einen großen Wert dar“, sagt der Coach, „Krystal Rivers, Maria Segura Pallerés, Roosa Koskelo, Britt Bongaerts oder Eline Timmerman wissen, was zu tun ist, um große Spiele zu gewinnen.“ Bitter hilft dabei, die Kräfte einzuteilen: „Wir versuchen, klug zu sein und vorausschauend zu entscheiden. Auch als Folge davon ist es immer gelungen, unser Spiel durchzubringen, wenn es nötig war.“ Weshalb in den nächsten Wochen erneut einiges zukommt auf Allianz MTV Stuttgart.
Sportlich Im Viertelfinale der Champions League geht es gegen Fenerbahce Istanbul, den Spitzenreiter der türkischen Liga. „Fenerbahce ist einer der großen Favoriten auf den Titel, ein übermächtiger Gegner“, sagt Kim Renkema. Der Etat des Vereins liegt jenseits der Zehn-Millionen-Euro-Marke und ist damit rund fünfmal so hoch wie das Budget von Allianz MTV Stuttgart. „Es ist richtig cool, sich sportlich mit den besten sieben Teams in Europa messen zu können, obwohl das vom Etat her eigentlich gar nicht möglich ist“, sagt die Sportchefin des deutschen Meisters, „das macht uns stolz.“ Zumal es schon der vierte Einzug ins Viertelfinale ist.
In der Vergangenheit scheiterten die Stuttgarterinnen stets an der starken Konkurrenz aus Italien (Novara 2019 und 2023, Conegliano 2020), und diesmal stehen die Chancen auch nicht besser. Doch Aufgeben ist keine Option. „Fenerbahce ist eine der weltbesten Mannschaften“, sagt Kim Renkema, „aber selbst für solche Teams ist es nicht einfach, in der Scharrena zu bestehen. Uns unterschätzt niemand mehr.“ Davon geht auch Konstantin Bitter aus. „Was das Budget angeht, liegen Welten oder sogar Universen zwischen den beiden Vereinen“, meint der Coach, „wir sind krasser Außenseiter, aber ich bin sicher, dass wir Fenerbahce daheim einen großen Kampf liefern werden.“
Terminlich Das Hinspiel im Viertelfinale steigt vermutlich am Mittwoch, 21. Februar, in der Scharrena – vom Ausgang der Partie wird abhängen, mit welchem Kader Allianz MTV Stuttgart in die Türkei reist. Das Rückspiel in Istanbul ist am 28. Februar, nur vier Tage später findet in Mannheim das Pokalfinale gegen den SC Potsdam statt. „Wenn wir das Heimspiel 0:3 oder 1:3 verlieren, dann werden wir nicht mehr auf ein Wunder hoffen“, sagt Kim Renkema, „sondern den Fokus aufs Pokalendspiel legen.“ Sehr wahrscheinlich ist, dass zumindest Starangreiferin Krystal Rivers dann nicht mit in die Türkei fliegen würde. „Wir werden“, sagt Bitter, „mit Blick aufs Pokalfinale erneut klug agieren.“
Finanziell Die Vereine müssen in der Champions League nicht mehr für die Produktion der TV-Bilder aufkommen, zudem sind derzeit die Clubs aus Russland und Belarus ausgeschlossen, weshalb keine teuren Reisen in den weit entfernten Osten Europas drohen. Folglich besteht keine Gefahr mehr, in der Königsklasse ein Minus zu machen. Der Einzug ins Viertelfinale wird sich in der Bilanz von Allianz MTV Stuttgart weder positiv noch negativ bemerkbar machen. Einnahmen (Tickets, Prämien des europäischen Verbandes) und Ausgaben (Reise nach Istanbul, Bonuszahlungen ans Team) dürften sich nach Einschätzung von Geschäftsführer Aurel Irion in ähnlicher Größenordnung bewegen: „Finanzielle Aspekte spielen für uns in der Champions League eine eher untergeordnete Rolle.“