Chance am Arbeitsmarkt Quereinstieg, Weiterbildung, Offenheit – was es jetzt braucht

In Zukunft werden die Menschen mehrere Jobs und so auch mehrere Karrieren in ihrem Leben haben, meint. Autor Tobias Zimmermann. Foto: Sebastian Ruckaberle

Wie schwer sind die Zeiten auf dem Arbeitsmarkt wirklich? Der Autor Tobias Zimmermann sieht vor allem eine „Zeit für Chancen“.

Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, Schlagzeilen über Stellenabbau verunsichern viele Beschäftigte. Und doch sieht Arbeitsmarktexperte und Autor Tobias Zimmermann vor allem die Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. „Wir haben eine Million offene Stellen, natürlich bieten sich da Chancen“, sagt er. Während in manchen Branchen Jobs wegfallen, suchen andere händeringend Personal. Wer heute bereit ist, sich regelmäßig weiterzubilden, seine Fähigkeiten zu erweitern und neue Kompetenzen zu erwerben, könne seine Karriere aktiv gestalten und flexibel auf Veränderungen reagieren, davon ist er überzeugt.

 

„Studien zeigen, dass Künstliche Intelligenz viele Jobs verschwinden lässt, aber auch viele neue schafft“, sagt Zimmermann. Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt „müsse und werde enorm zunehmen“, erklärt er. Die ständige Bewegung von Jobs, Aufgaben und Rollen sei für viele bereits Normalzustand und das neue Normal einer immer schneller sich bewegenden Arbeitswelt. „Ich glaube, wir werden nicht nur mehrere Jobs, sondern auch mehrere Karrieren haben“, sagt er. Lebenslanges Lernen werde entscheidend sein. „Die Fähigkeiten, die gebraucht werden, müssen wir uns immer wieder neu drauf schaffen.“

Weiterbildung sei das zentrale Element

Weiterbildung ist aus seiner Sicht der Schlüssel. Gerade in herausfordernden Zeiten optimistisch zu bleiben und neue Möglichkeiten in den Blick zu nehmen, steht im Zentrum des Arbeitsmarktexperten und Autors, der vor wenigen Wochen sein Buch „Zeit für Chancen“ veröffentlicht hat.

Autor Tobias Zimmermann sieht auf dem Arbeitsmarkt vor allem viele Chancen. Foto: Privat

Zimmermann weist darauf hin, dass der hohe Veränderungsdruck auf dem Arbeitsmarkt kein Grund sein sollte, sich einschüchtern zu lassen. „Die vermeintliche Sicherheit, die der Job fürs Leben geboten hat, die gibt es nicht mehr“, erklärt er. „Ich muss selbst permanent an der eigenen Arbeitsfähigkeit, im Englischen auch Employability genannt, arbeiten“, erklärt er. Es gehe darum, sich an wechselnde Anforderungen anzupassen, neue Kompetenzen zu erwerben und langfristig beruflich bestehen zu können.

„Ich verstehe, warum Menschen sich in so anstrengenden Zeiten ausgeliefert fühlen. Aber wir sind nicht hilflos“, sagt Zimmermann im Gespräch mit unserer Zeitung. Wer sich als „Akteur begreife“, könne auch etwas gestalten. Weiterbildung sei ein zentraler Hebel, um genau diese aktive Rolle einzunehmen. Sie ermögliche nicht nur, neue Aufgaben im eigenen Unternehmen zu übernehmen, sondern auch den Einstieg in andere Bereiche.

Tipps für den Quereinstieg

„Denkt über Quereinstieg nach“, rät Zimmermann außerdem. „Wie kann ich mich neu erfinden? Wir haben einen Blumenstrauß an Optionen.“ Entscheidend sei, sich zu fragen: „Auf was habe ich Lust, was kann ich gut und wo gibt es Bedarf am Markt?“ Dabei müsse es auch nicht immer eine komplette berufliche Wende sein. „Es können ja auch verwandte Themen sein, Dinge die man zusätzlich machen kann. Gewissermaßen eine Erweiterung.“

Zimmermann verknüpft auch das Thema Sicherheit eng mit Weiterbildung. „Unser Sicherheitsdenken ist typisch deutsch“, sagt er. Doch wer in sich selbst investiere und seine Fähigkeiten kontinuierlich ausbaue, könne mehr aktiv selbst gestalten. Weiterbildung eröffne den Zugang zu anspruchsvollen Aufgaben und langfristigen Perspektiven. Doch vor allem weil das auch Zeit und Geld kosten könne, seien dafür politische und gesellschaftliche Strukturen notwendig, die das lebenslange Lernen fördern, Menschen motivieren, neue Kompetenzen zu entwickeln, und Weiterbildung systematisch unterstützen. „Aber man kann Chancen nur ergreifen, wenn man sie sieht“, erklärt Zimmermann.

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