Chanel-Ausstellung Das edelste Badezimmerinventar

Der Parfümeur Géza Schön bei der Arbeit. Foto: dpa
Der Parfümeur Géza Schön bei der Arbeit. Foto: dpa

Für die einen ist der Duft Zeichen edlen Geschmacks, andere erinnert er an Haarspray: Chanel No. 5 ist, war und bleibt das Parfum schlechthin und verspricht durch seine Schöpferin Coco Chanel zeitlose Eleganz.

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Paris - Die Pariser Ausstellung „No. 5 Culture Chanel“ zeigt seit Sonntag im Palais de Tokyo das künstlerische Umfeld, in dem Gabrielle „Coco“ Chanel den berühmten Duft auswählte und zum ikonischen Symbol des luxuriösen Modelabels werden ließ. Zu sehen sind Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Objekte und Bücher aus der Welt der Frau , die sich ihr Leben lang „Mademoiselle“ nennen ließ.

Für den Ausstellungsmacher Jean-Louis Froment ist die Schau „ein neuer Abschnitt der Geschichte um Person und Parfüm“, wie er bei der Vernissage sagt. An Chanels Wirkungsstätte Paris habe „jedes Objekt, jede Kreation der Ausstellung seine eigene Verbindung zu Chanel“. Froment will einen Einblick in die Inspirationen Coco Chanels durch Kunst, Design oder Architektur geben. Daraus erschließe sich die „Kultur dieses Parfüms“, sagt er weiter.

Ein ganz alltäglicher Duft

Der 1921 kreierte Duft zählt bis heute zu den erfolgreichsten Parfüms. Nach unbestätigten Angaben soll mit Chanel No. 5 bisher ein Jahresumsatz von etwa 77 Millionen Euro erwirtschaftet worden sein. Zur Zeit seiner Einführung war Chanel No. 5 ein „starkes Parfüm“. Heute sieht der international renommierte Berliner Parfümeur Géza Schön im olfaktorischen Flaggschiff des Modelabels nur noch einen ganz alltäglichen Duft.

„In jedem Fall ist Chanel No. 5 eine Ikone“, sagt Schön, zu dessen Kunden die Popsängerin Madonna oder der Weltfußballer Lionel Messi zählen. In den zwanziger Jahren sei der Duft eine echte Neuerung, „eine Sensation“ gewesen. „Den Einsatz der Aldehyde in dieser Form gab es noch nicht“, betont er. Mit dem starken Gewicht auf diesen chemischen Verbindungen in Kombination mit floralen Duftnoten ging die Auftraggeberin neue Wege. „Von den zehn Düften, die Parfümeur Ernest Beaux Coco präsentierte, war es dann die Nummer fünf“, sagt Schön.

Sinnbild für guten Geschmack

Chanel habe es verstanden, sich als Marke zu etablieren und eines der international führenden Modehäuser zu werden. Stars wie Marilyn Monroe hätten den Duft berühmt gemacht. Später gaben Catherine Deneuve, Candice Bergen, Nicole Kidman oder aktuell Audrey Tautou und auch Brad Pitt dem Duft in der Werbung ein prominentes Gesicht. „Chanel hat es über lange Zeit verstanden, ein sehr ikonisches Produkt mit Hilfe von internationalen Größen ikonisch zu halten“, stellt Schön fest.

Auch heute gilt die Marke vielen Menschen „als Sinnbild für guten Geschmack“, sagt Schön weiter. Der Duft wird seiner Ansicht nach aber kaum getragen. „Chanel No.5 ist ein nobles Inventar im Badezimmer.“ Der Parfümeur sieht den Grund dafür in zu vielen Produkten: „Der Duft ist domestiziert worden.“ So verströmen Cremes, Seifen und Zusätze ähnliche Noten. „Chanel No. 5 riecht für mich nach Haarspray, weil meine Tante ein Spray mit einem ähnlichen Duft benutzt hat“, sagt Schön. Auf diese Weise haben viele Menschen aus Sicht des Parfümeurs „den Duft nicht mehr zuerst an einer Frau entdeckt, sondern vielleicht in einer Seife“. Das sei ein Verlust an Eleganz. Doch woher kommt dann der anhaltende Erfolg? Schöns Antwort: „Wenn Vati zwei Tage vor dem Fest noch nichts für Mutti hat, ist Chanel No. 5 immer ein gutes Geschenk.“

Der 44 Jahre alte Parfümeur Schön ist nach seiner Ausbildung und Tätigkeit in der Parfümindustrie seit dem Jahr 2006 mit eigenen Duftserien international erfolgreich. Zuletzt schuf er einen Duft für ein Buchprojekt des Göttinger Verlegers Gerhard Steidl, zu dem auch der Modezar Karl Lagerfeld und der Literaturnobelpreisträger Günter Grass beitrugen.




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