Chaos auf der Ammertalbahn Der Qualitätssieger der DB macht gleich wieder schlapp
Gerade ist die von der DB betriebene Ammertalbahn Herrenberg-Tübingen vom Landesverkehrsministerium gelobt worden. Doch nun gehen die Verbesserungen nach hinten los.
Gerade ist die von der DB betriebene Ammertalbahn Herrenberg-Tübingen vom Landesverkehrsministerium gelobt worden. Doch nun gehen die Verbesserungen nach hinten los.
Wieder einmal geht auf der Ammertalbahn zwischen Herrenberg und Tübingen alles schief. Im morgendlichen Berufsverkehr zwischen sieben und acht Uhr fuhr in den Tagen nach Dreikönig wegen Fahrzeugmangels an manchen Tagen kein einziger Zug. Ersatzbusse mussten die Lücke stopfen.
Die Pointe: Vor wenigen Tagen hat das Landesverkehrsministerium in seinem Qualitätsranking der regionalen Schienennetze in Baden-Württemberg die Ammertalbahn zwischen Herrenberg und Tübingen als Top-Aufsteiger des Jahres präsentiert.
Das Netz, zu der diese Teilstrecke gehört, sei vor allem durch die Verbesserung der Pünktlichkeit unter 32 Konkurrenten von Platz 26 auf Platz 10 weit aufgestiegen, hieß es in der Pressemitteilung, die sich auf Werte des ersten Halbjahres 2025 bezog. Doch als dieses Lob veröffentlicht wurde, war der Verkehr auf der Ammertalbahn schon wieder kollabiert.
Auch der Zweckverband Ammertalbahn hat sich zu Wort gemeldet: „Dass das mühsam wiedergewonnene Vertrauen in die Ammertalbahn durch das miserable Fahrzeugmanagement von DB Regio erneut zerstört wird, ist absolut inakzeptabel“, sagt der Verbandsvorsitzende des Zweckverbands, der Tübinger Landrat Hendrik Bednarz.
Die Bahn spricht von einer unglücklichen Verkettung von Winterwetter und einer gleichzeitig gesperrten Werkstattzufahrt wegen einer baubedingten Sperrung des Ulmer Hauptbahnhofs. Defekte Züge mussten so 150 zusätzliche Kilometer in eine Münchner Werkstatt fahren. Inzwischen sind alle Züge repatiert und vom Montag an ist auch die Sperrung in Ulm aufgehoben. Unterstützt vom milderen Wetter soll nun wieder Normalität einkehren. Ersatzbusse wird es in den kommenden Tagen aber weiter geben.
Der erneute Absturz zeigt, wie bei der Bahn Not-Korrekturen an einem Ende Probleme an anderer Stelle aufreißen. Ausgerechnet eine radikale Maßnahme, mit der Ende 2024 der Betrieb wieder stabilisiert wurde, ist jetzt zum Verhängnis geworden. Angesichts eines permanenten Verspätungschaos wurden vor gut einem Jahr die umsteigefreien Verbindungen der Ammertalbahn jenseits von Tübingen gekappt. Fahrgäste mussten die Züge wechseln. Der Betrieb lief aber stabiler.
Doch aufgrund dieses Inselbetriebs und dem seit Fahrplanwechsel aufgenommenen Halbstundentakt auf der ebenfalls zum Netz gehörenden Strecke zwischen Metzingen und Bad Urach hat sich der Fahrzeugbedarf erhöht: „Hierzu wurden bereits bis Anfang März 2026 vorübergehend Verbindungen gestrichen, die dazu beitragen, dass grundsätzlich ausreichend Fahrzeuge für dieses Betriebskonzept inklusive Reserve zur Verfügung stehen,“ schreibt der Zweckverband. Ausfälle durch winterliche Witterung waren aber hier offenbar nicht eingeplant.