Im Netz werden Inhalte gesperrt und in manchem System versteckt sich eine problematische Programmierung. Auf dem diesjährigen Hackerkongress des Chaos Computer Clubs gibt es viel zu besprechen. Der Nachwuchs lässt allerdings hoffen.

Hamburg - Quantencomputer, versteckte Überwachungstechnik, Netzsperren: an allen Ecken und Enden scheint das Ideal eines selbstbestimmten und freien Lebens in der digitalen Gesellschaft in Gefahr. „Die Stimmung ist schon etwas gedrückt, wir sind in einem Tal“, sagt Frank Rieger, einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs, am Montag in Hamburg. Der zweite Tag des Hackerkongresses mit 12 000 Teilnehmern hat gerade begonnen.

Zum Auftakt gab es eindrucksvolle „Hacks“ – etwa zum VW-Abgasskandal. Felix Domke hatte an seinem eigenen Auto die Motorsteuerung untersucht und festgestellt, dass mit längerer Fahrtzeit und höheren Geschwindigkeiten immer weniger von der Lösung mit dem Markennamen AdBlue in die Abgase gespritzt wird, um die Stickoxide zu reduzieren. Er vermute, dass so die Zeitspanne bis zum nächsten Nachfüllen von AdBlue verlängert werden solle.

Aber ebenso sind in Hamburg düstere Warnungen zu hören: „Sobald es Quantencomputer gibt, können die bislang verwendeten Schlüssel in kurzer Zeit geknackt werden“, sagt der Computerwissenschaftler Daniel Bernstein aus Chicago. Quantencomputer arbeiten nicht mehr auf der Basis der klassischen Physik mit den digitalen Informationen 0 und 1, sondern mit Zuständen, die sich entsprechend der Quantentheorie überlagern können. Zusammen mit der deutschen Mathematikerin Tanja Lange rief Bernstein die Hackerszene dazu auf, sich schon jetzt mit Verschlüsselungsverfahren für das Zeitalter der Quantencomputer zu beschäftigen. „Schon immer leitet uns die Frage, wie wir überhaupt sichere Systeme bauen können“, sagt Rieger. „Die Zweifel daran werden immer größer.“

Gefiltert und geblockt wird auch in westlichen Staaten

Der Netzwerkexperte Will Scott von der University of Washington in Seattle kritisiert indes die weltweite Zunahme von Netzsperren. Die Motive reichten vom Jugendschutz über die Durchsetzung von Glücksspielverboten bis zu politischen Gründen. Auch in westlichen Staaten gebe es einen Trend zur Einrichtung von Filtersystemen und dem Blockieren bestimmter Internetadressen. Dabei könne es zu „Kollateralschäden“ kommen, wenn auch andere Webangebote ausgefiltert werden. Die Netzaktivisten entwickeln unterschiedliche Projekte, um das Ausmaß von Netzsperren zu erfassen. Mit anderen Techniken wird anonymes Surfen ermöglicht.

Bei aller Skepsis und Sorge ruht aber auch eine gehörige Portion Fortschrittsoptimismus auf dem Grund der Hackerseele. „Wir stehen vor einer Menge neuer Technologien, die groß und mächtig und schwierig erscheint“, sagt Rieger. „Das führt aber dazu, dass sich die Leute daran festbeißen und vorangehen.“ So wie der junge Berliner Fabian Bräunlein, der zusammen mit anderen Experten der Firma SR Labs eklatante Sicherheitslücken beim Bezahlen mit EC-Karten bloßgestellt hat. Unter dem Motto „Chaos macht Schule“ fördert eine Bildungsinitiative des Clubs den Blick hinter die Kulissen der digitalen Welt. Auf dem Hamburger Kongress zeigt der Nachwuchs bei „Jugend hackt“ Apps und Anwendungen, die Geflüchteten die Ankunft in Deutschland erleichtern sollen: „Moin Refugees“ aus Hamburg oder das Kölner Projekt „Germany says Welcome“.