Krimikolumne

Charles Willeford: „Miami Blues“ Beträchtliche Härte

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Ein „unbekümmerter Psychopath“ und ein gebisstragender Detective Sergeant: das sind die Pole, zwischen denen Charles Willeford seinen „Miami Blues“ ansiedelt. Prädikat: kernig!

Charles Willeford (1919-1988) schenkt seinen Figuren nichts – dafür seinen Lesern einen Noir der Premiumklasse. Foto: Verlag
Charles Willeford (1919-1988) schenkt seinen Figuren nichts – dafür seinen Lesern einen Noir der Premiumklasse. Foto: Verlag

Stuttgart - „Frederick J. Frenger jun., ein unbekümmerter Psychopath aus Kalifornien, bat die Stewardess in der ersten Klasse um ein weiteres Glas Champagner und Schreibzeug.“ So trocken und vielversprechend beginnt Charles Willeford seinen ersten Hoke-Moseley-Fall „Miami Blues“. Der 1919 geborene Autor stellt gleich mal den späteren Widersacher seines Detective Sergeants in den Mittelpunkt. Und die Weichen für einen Männerkrimi der Premiumklasse.

Frenger also. Ein Berufsverbrecher, der ohne Skrupel seinem Job nachgeht, für das kriminelle Leben bestens gerüstet durch diverse Erziehungsheime und Strafanstalten. Und mit der wiederholten Erfahrung ausgestattet, dass altruistische Regungen ihn immer wieder in die Klemme bringen. Der 28-jährige schwere Junge reist also zu Beginn aus strafrechtlichem Kalkül von der Westküste nach Miami – seine Wegzehrung hat er sich zuvor zusammengeraubt –, bringt eher absichtslos einen aufdringlichen Hare-Krishna-Anhänger um und fängt eine Affäre mit dessen Schwester an.

Biss mit dritten Zähnen

Im Prinzip hat Frenger, umsichtig und erfahren wie er ist, nichts zu befürchten. Doch er macht die Rechnung ohne Moseley, einen früh gealterten Mittvierziger mit dritten Zähnen und saftigen Unterhaltsverpflichtungen gegenüber seiner Exfrau. Moseley wittert sofort, das mit diesem angeblichen „Ramon Mendez“ etwas nicht stimmt, unbeirrt arbeitet es gegen alle Widrigkeiten daran, Frenger zur Strecke zu bringen. Der Detective Sergeant ist einfach ein Typ, der auch dann noch ungeheuren Biss hat, wenn ihm die Zähne gezogen beziehungsweise die Prothesen gestohlen wurden.

„Miami Blues“ ist ein Noir, wie man ihn sich nur wünschen kann. Klare Sprache, schillernde Charaktere, schnörkellose Story, beträchtliche Härte, beißender Humor (und nebenbei bemerkt: eine überaus schicke Umschlaggestaltung in Packpapieroptik).

Wer Thomas , DeMarinis, Zeltserman oder Leonard mag, muss auch Willeford lesen. So einfach ist das.

Charles Willeford: „Miami Blues – Der erste Hoke-Moseley-Fall“. Roman. Neu überarbeitete Übersetzung aus dem Englischen von Rainer Schmidt. Alexander Verlag, Berlin 2015. 268 Seiten, 14,90 Euro.