Krimikolumne

Charles Willeford: „Wie wir heute sterben“ Ein Sergeant im Stress

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Vier Ausnahme-Thriller hat Charles Willeford über seinen zahnlosen Sergeant Hoke Moseley geschrieben. In „Wie wir heute sterben“ geht es unter anderem um ein Rauchverbot und um einen Gewalttäter von polyphemischer Widerlichkeit.

Gestatten? Hoke Moseley alias Fred Ward. In der von Kritikern hochgelobten „Miami Blues“-Verfilmung von 1990 verkörpert der Schauspieler den zahnlosen, aber bissigen Sergeant aus Florida. Foto: 20th Century Fox
Gestatten? Hoke Moseley alias Fred Ward. In der von Kritikern hochgelobten „Miami Blues“-Verfilmung von 1990 verkörpert der Schauspieler den zahnlosen, aber bissigen Sergeant aus Florida. Foto: 20th Century Fox

Stuttgart - Hoke Moseley, Kenner wissen es natürlich längst, ist ein Cop der Extraklasse. Ein Mittvierziger mit Vollprothese, der aber auch ohne seine Dritten einen Mordsschneid hat. Ein Sergeant mit einer gesunden Abneigung gegen Rosenkohl und Kriminelle, eine Spürnase, wie es sie auf seinem Revier keine zweite gibt. Dazu ein geschiedener Familienvater, dem die längst anderweitig reich verheiratete Exfrau die beiden halbwüchsigen Töchter aufs Auge gedrückt hat und der jetzt mit den Teenagern und einer Kollegin samt deren unehelichem Säugling eine Art WG bildet. Das sind so etwa die Koordinaten, die Charles Willeford seinem Helden in dessen vierten Fall „Wie wir heute sterben“ steckt.

Kostspielige One-Night-Stands

Doch dieser Moseley ist auch ein Spießer, der sich darüber aufregt, wie seine Mitbewohnerin und berufliche Expartnerin ihr Ei isst und dem außerdem zu schaffen macht, dass er aus pädagogischen Gründen keine Frauen über Nacht mit nach Hause bringen kann (nicht, dass seine Töchter am Ende das gleiche Recht für sich reklamierten), was mit nicht unerheblichen Hotelkosten für One-Night-Stands mit Frauen seines Alters verbunden ist.

Nicht genug damit, dass der häusliche Alltag eine Menge Stress mit sich bringt, nötigt ihn sein Vorgesetzter Brownley in diesem Band auch noch zu einem eher illegalen Undercover-Einsatz, für den Moseley nicht nur - klar - seine Waffe und seine Marke, sondern auch seine Zähne abgeben muss. Bei diesem Job begegnet er einem Kerl von polyphemischer Widerlichkeit, dessen er sich in einem Akt explodierender Gewalt entledigen muss (und gleich auch noch dessen Chef hinterherschickt).

Große schriftstellerische Sorgfalt

Charles Willeford pflegt in seiner Moseley-Reihe einen ganz eigenen Sound. Er nimmt seinen Leser mit in eine Geschichte des Beiläufigen und des Ungefähren, in der der Ärger über ein Rauchverbot bei der Polizei mit der gleichen schriftstellerischen Sorgfalt geschildert wird wie die Ermittlung gegen einen Mörder. Das ist im vor ein paar Monaten erschienen „Seitenhieb“ so, das setzt er im „Wie wir heute sterben“ fort.

Bei Charles Willeford kann man nie sicher sein, was als nächstes passiert. Sicher ist nur: die vier Hoke-Moseley-Fälle gehören zum besten, was das Genre zu bieten hat.

Charles Willeford: „Wie wir heute sterben“. Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt, bearbeitet und mit einem Nachwort von Jochen Stremmel, 288 Seiten, Alexander Verlag, 14,90 Euro, E-Book 10,99 Euro

Und vom selben Autor aus dem selben Verlag zum selben Preis: „Seitenhieb“. Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt, bearbeitet und mit einem Nachwort von Jochen Stremmel. Mit einem Vorwort von Elmore Leonard 352 Seiten

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