„Chef de Mission“ Olaf Tabor Die vielen vierten Plätze „schmerzen ungemein“

Ein gefragter Mann: Olaf Tabor, der Leistungssport-Vorstand im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Foto: IMAGO/Eibner

Mit der Zahl der gewonnenen Medaillen sind die Verantwortlichen des deutschen Olympia-Teams zufrieden, mit dessen Auftreten auch – nur die knapp verpassten Medaillen tun weh.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Wer eine schonungslose Aufarbeitung der Leistungen deutscher Athletinnen und Athleten bei den Olympischen Winterspielen erwartet hatte, war bei dieser Veranstaltung falsch. Überraschend kam das nicht, denn Thomas Weikert, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), und sein Leistungssport-Vorstand Olaf Tabor, der „Chef de Mission“ des Team D, sind natürlich vor allem eines: Lobbyisten in eigener Sache.

 

Also sprach Weikert bei der Abschlusspressekonferenz der deutschen Olympia-Mannschaft als erstes davon, wie groß sein Respekt vor den Athletinnen und Athletinnen sei, denn sie hätten ihr „Bestes gegeben“. Und er freute sich über die Einschaltquoten bei ARD und ZDF. Das Interesse sei „deutlich besser“ als noch 2022 in Peking. Was er nicht sagte: Damals fanden viele Wettkämpfe aufgrund der Zeitverschiebung zu höchst unattraktiven Zeiten für mitteleuropäische TV-Zuschauer statt. Wenigstens bei Olaf Tabor war der eine oder andere kritische Ansatz herauszuhören – allerdings in homöopathischen Dosen.

Aus dem Platz unter den besten drei wird wohl nichts

Denn natürlich überwogen auch beim Chef de Mission „Freude und Stolz“ über den Auftritt des Team D, begleitet jedoch von „einer kleinen Prise Ernüchterung“. Mit den Leistungen der deutschen Sportlerinnen und Sportler könne er sehr gut leben, meinte Olaf Tabor: „Ein Ziel war, die Zahl von 27 Medaillen, die wir vor vier Jahren gewonnen haben, zu wiederholen. Genau auf diesem Pfad sind wir unterwegs.“ Aus dem zweiten Vorhaben, im Medaillenspiegel unter die ersten drei Nationen zu kommen, wird es dagegen wohl nichts werden, weil es dafür zu wenige Olympiasieger gegeben hat. „Doch am Ende Rang vier oder fünf zu belegen“, meinte Tabor, „ist immer noch aller Ehren wert.“

Holt Bobpilot Johannes Lochner mit seinem Team auch im Vierer die Goldmedaille? Foto: IMAGO/GEPA pictures

Dass die Resonanz in der Heimat weit weniger positiv ausfällt? Dass viele Fans die Leistungen extrem kritisch sehen? Dass 70 Prozent aller Medaillen im Eiskanal gewonnen werden? „Mit dem, was wir bei den Winterspielen geleistet haben“, sagte Olaf Tabor, „müssen wir uns nicht verstecken.“ Ein Punkt, immerhin, tut dann doch ziemlich weh: die hohe Anzahl vierter Plätze.

13 waren es bis zum Samstagabend, alleine vier davon im Biathlon. „Keine Nation hat mehr“, sagte Olaf Tabor, „bei uns spielte sich das irgendwo zwischen Drama und Tragödie ab. Das schmerzt ungemein.“ Ein vierter Platz sei zwar immer noch ein „Weltklasse-Ergebnis“, trotzdem müsse man nach den Winterspielen „tiefer in die Analyse einsteigen“. Denn auch Olaf Tabor ist aufgefallen, dass andere Länder ihre Medaillenpotenziale erheblich öfter in tatsächliche Podestplätze ummünzen als die Deutschen. Dazu kommen Sportarten, in denen das Team D auch diesmal keine Rolle spielte. „Wir sind stolz auf unsere Leistungen im Eiskanal“, sagte Olaf Tabor, „aber es gibt zum Beispiel im Freestyle-Bereich Lücken, die wir dringend schließen müssen. Da haben wir nur wenige Athleten auf Top-Niveau.“

Vielleicht kommt es ja doch noch zu einer kritischeren Aufarbeitung. Sicher ist das allerdings nicht.

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