Chefarzt Karl Josef Paul vom Krankenhaus Leonberg Abschied von einem Urgestein

Von Henning Maak 

Nach fast einem Vierteljahrhundert übergibt Chefarzt Karl Josef Paul die Führung der Bauchchirurgie im Krankenhaus an Wolfgang Steurer.

Chefarzt Karl Josef Paul (links) übergibt im Krankenhaus Leonberg bei einer kleinen Feierstunde das Ruder an seinen Nachfolger  Wolfgang Steurer. Foto: factum/Bach
Chefarzt Karl Josef Paul (links) übergibt im Krankenhaus Leonberg bei einer kleinen Feierstunde das Ruder an seinen Nachfolger Wolfgang Steurer. Foto: factum/Bach

Leonberg - Mit großem Beifall ist Karl Josef Paul nach 23 Jahren als Chefarzt der Allgemein- und Bauchchirurgie im Leonberger Krankenhaus in einer Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet worden. Kollegen und Landrat Roland Bernhard als Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikverbunds Südwest lobten Paul für seine Lebensleistung und sandten bei der Gelegenheit Mahnungen an die Gesundheitspolitik.

Bernhard kritisierte am Mittwochabend, in der Presse sei eine „fatale Dis­kussion“ um die Zukunft des Leonberger Krankenhauses losgebrochen worden, die „kropfunnötig“ sei. „Böblingen ist der Landkreis, der am meisten pro Einwohner und Patient investiert“, betonte der Landrat. Bei Gesprächen mit Bundespolitikern komme immer wieder heraus, dass diese Zentralkliniken wollten. „Das ist nicht mein Bild. Mir liegt Leonberg am Herzen“, stellte Bernhard klar. Leonberg sei ein großartiges Krankenhaus, der Träger stehe voll dahinter, ergänzte er.

Qulität war Pauls Antrieb

Den scheidenden Chefarzt, der 1995 ans Leonberger Krankenhaus kam, lobte der Landrat als Mann mit viel Fingerspitzengefühl, der ein großes Einfühlungsvermögen gegenüber Patienten gezeigt habe. Er sei aber auch ein Mann der klaren Worte gewesen und habe „Rumschleimer nie leiden können“.

Jörg Noetzel, der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest, sagte, bei Karl Josef Paul seien Leidenschaft und Kompetenz zusammengekommen. Sein Antrieb sei Qualität gewesen. Dabei sei er nicht nur den Fachärzten zugewandt gewesen, sondern auch dem Nachwuchs. „Ruhe bewahren ist das Wichtigste, haben Sie oft gesagt“, erklärte Noetzel.

Er sei ein Mann, den man nicht ersetzen könne. „Aber wir können einen Neuanfang starten“, sagte Noetzel mit Hinblick auf Pauls Nachfolger Wolfgang Steurer, der dessen favorisierter Kandidat gewesen sei.

Warnung vor Rosinenpickerei

Auch der Ärztliche Direktor Michael ­Sarkar lobte Paul für seine Kompetenz. „Ich habe weder in Stuttgart noch in Ulm so ­wenige Revisionen wegen Komplikationen erlebt wie in Leonberg“, erläuterte er. Paul habe mehr als 23 Jahre für Qualität gestanden, obwohl sich die Medizin sehr ver­ändert habe. „Chefärzte sind nicht mehr die unumschränkten Herrscher, aber die Verantwortung sowie der juristische und wirtschaftliche Druck sind geblieben“, ­sagte Sarkar. Er wundere sich manchmal, von welch hoher Warte Bundespolitiker herunterblickten und wie wenig Fachkompetenz da sei. „Das scheint oft nach dem Motto Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal zu ­gehen“, monierte er. Zudem erschwerten die ausufernden Dokumentationspflichten und der Datenschutz die tägliche Arbeit.

Pauls Nachfolger, Wolfgang Steurer, der aus Innsbruck stammt und nach Stationen in Tübingen und Kaiserslautern zuletzt sechs Jahre am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart war, begründete in einer launigen Rede seinen Wechsel nach ­Schwaben wie folgt: „Meine Frau und ich haben noch einen Nachzügler bekommen und ­gedacht, bevor er pfälzisch lernt, soll er   lieber schwäbisch lernen. Das ist im ­Vergleich dazu eine Weltsprache.“

Am Ende bedankte sich Paul für die gute Zusammenarbeit in 23 Jahren am Krankenhaus Leonberg und zeigte sich zuversichtlich, dass sein Nachfolger die Abteilung in exzellenter Weise fortführen und ausbauen werde. Auch der scheidende Chefarzt ließ es sich nach insgesamt 40 Jahren als Chirurg nicht nehmen, das System der Zertifizierungen und Zentra­lisierungen in der Gesundheitspolitik zu ­kritisieren: „Das Krankenhaus darf nicht zu einem Profitcenter werden. Die Folge wäre eine Rosinenpickerei und ein Patiententourismus mit Abschiebebahnhof.“




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