Chefcoach des VfB Stuttgart Warum unter Bruno Labbadia mehr trainiert wird

Der Trainer Bruno Labbadia lebt beim VfB Stuttgart vor, was er von den Spielern erwartet: Fleiß und Arbeitsmoral. Foto: Baumann

Die frühen Laufeinheiten und das verlängerte Trainingslager sind beim VfB Stuttgart keine Strafmaßnahmen, sondern Teil eines Plans. Wir erklären die Hintergründe.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Den Bauarbeitern an der Mercedesstraße bietet sich auch in dieser Woche wieder ein morgendliches Schauspiel. Punkt 7.30 Uhr setzt dann Bewegung auf dem Trainingsgelände des VfB Stuttgart ein. Die Spieler kommen bei klirrender Kälte und Dunkelheit nach draußen – angeführt von ihrem Chefcoach Bruno Labbadia. Der 56-jährige Ex-Stürmer läuft bei der ersten Übungseinheit des Tages vorneweg.

 

Fit genug ist er also noch, und der Trainer verlangt nicht nur den Fußballprofis viel ab, sondern auch sich selbst. Labbadia lebt vor, was er von der Mannschaft erwartet: Fleiß und Arbeitsmoral. Feixend grinsen bei diesem Thema seit dem Trainingsauftakt vor wenigen Tagen unter dem neuen Trainer nicht nur die Bauarbeiter in Bad Cannstatt, sondern ebenso zahlreiche Clubangestellte, wenn sie auf den Parkplatz fahren und schon Betrieb herrscht.

Kein Aktionismus

Endlich müssen die Herren Spieler mal früh und richtig ran, heißt es gerne. „Es geht hierbei aber nicht um Aktionismus, sondern wir haben einen klaren Plan, den wir verfolgen“, sagt Labbadia. Zu diesem gehört natürlich – wie in jeder Vorbereitungsphase – die Grundlagenausdauer. Das ist die Basis von allem, und Labbadia will die wenigen Wochen bis zum Ligaspiel am 21. Januar gegen den FSV Mainz 05 möglichst optimal nutzen.

Doch es existiert noch diese zweite Ebene, auf welcher der Trainer signalisiert: Eine Labbadia-Mannschaft macht mehr – um im Spiel mehr als der Gegner an Energie und Laufvermögen hineinlegen zu können. „Wir müssen einen großen Input geben, damit wir später in der Saison noch Reserven haben“, sagt Labbadia aus Erfahrung.

Im April und Mai zählt es besonders im Abstiegskampf. Bis dahin soll der VfB in der Laufstatistik nicht mehr auf dem drittletzten Platz stehen, zumal dies dem Tabellenrang entspricht. Als Kritik an seinen Vorgängern Pellegrino Matarazzo und Michael Wimmer will Labbadia diese Feststellung allerdings nicht verstanden wissen. Er schätzt Matarazzo, wählt aber einen anderen Ansatz. Wobei es durchaus spannend zu beobachten sein wird, ob Labbadia mit seinen Methoden der jungen Mannschaft die kritischen Punkte vermitteln kann, die genau genommen bereits Matarazzo nach der Analyse der vergangenen Zittersaison im Sommer als neue Marschroute ausgab.

Vom ersten Spieltag an sollte sich die VfB-Elf bewusst sein, dass es um den Klassenverbleib geht. Kein Punkt sollte leichtfertig hergegeben werden. Das eigene Tor sollte mit höchster Intensität und großer Opferbereitschaft verteidigt werden. Nach vorne sollte mit größerer Zielstrebigkeit und höherer Effizienz agiert werden. Alles Elemente des Stuttgarter Spiels, die in jeder Ligapartie so etwas wie Endspielcharakter dokumentieren sollten. Allerdings wurde diese Art des Ergebnisfußballs nur teilweise umgesetzt.

Jetzt versucht es Labbadia – und der Boulevard sieht in ihm: „Bruno knallhart!“ Die Beobachter fühlen sich dabei bestätigt, wenn es für die VfB-Stars nach der 0:3-Niederlage im Test gegen den FC Luzern am nächsten Morgen um halb acht weitergeht. Weil Labbadia den Spielern schon früh am Morgen Beine macht. Doch das war kein Straftraining, und der Coach selbst kann mit solchen Schlagzeilen wenig anfangen. „Jeder Spieler freut sich doch, wenn er Training hat. Und jeder sollte sich freuen, wenn er mehr machen darf“, sagt der langjährige Profi. Das war schon immer sein Credo. Zumal bei den Übungseinheiten zwei und drei des Tages sehr viel der Ball ins Spiel kommt. „Es wäre zu einfach, die ganze Arbeit nur auf das Läuferische zu beschränken“, sagt Labbadia.

Maßnahmen mit Risiko

Aus diesem Grund hat der Chefcoach das traditionelle Wintertrainingslager um vier Tage verlängert. Der weiß-rote Tross reist nun schon am 2. Januar nach Marbella in Spanien statt wie ursprünglich geplant am 6. Januar. Bis zum 13. Januar bleibt das Team an der Costa del Sol, um auch an spielerischen und taktischen Details zu feilen. „Wir fahren etwas früher, weil wir uns unter der Sonne ein bisschen anders Dinge erarbeiten können“, sagt Labbadia.

Keine ausgedehnte Strafexpedition soll der Aufenthalt in Südeuropa also sein, vielmehr die Möglichkeit genutzt werden, die Mannschaft weiter einzuschwören. Wenngleich das Risiko besteht, dass sich Labbadia mit seinen Maßnahmen gleich zu Beginn nicht gerade beliebt im Kader macht. Das ist auch nicht sein Ziel. Labbadia ist ein Überzeugungstäter – und er ist überzeugt davon, dem VfB in kurzer Zeit mitgeben zu können, was das Team für den Erstligaverbleib benötigt. Morgendliche Läufe gehören da zum Programm – und feixende Bauarbeiter bilden nur eine Randerscheinung.

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