Chefwechsel Vom Landtag in die Lotto-Zentrale

Von Maria Wetzel 

Der CDU-Landtagsabgeordnete Georg Wacker soll neuer Geschäftsführer der staatlichen Lotto-Gesellschaft Baden-Württemberg werden. In der SPD sorgt die Ablösung der bisherigen Chefin Marion Caspers-Merk für Verärgerung.

Keine Verlängerung für Lotto-Chefin Marion Caspers-Merk Foto: dpa
Keine Verlängerung für Lotto-Chefin Marion Caspers-Merk Foto: dpa

Stuttgart - Die Bande zwischen Toto-Lotto und dem Land sind eng: Zum einen profitiert das Land von den Steuern der Glücksspieler. Außerdem fließt ein Großteil der Reinerlöse – 2016 waren es 132,2 Millionen Euro – in den Wettmittelfonds zur Förderung von Sport, Kunst und Kultur, Denkmalpflege und sozialen Projekten.

Seit 2013 leitet Marion Caspers-Merk die Geschicke des landeseigenen Unternehmens. Eigentlich würde die 62-Jährige nach Ablauf ihres Fünf-Jahres-Vertrages gern weiter bleiben. Doch die Landesregierung macht ihr einen Strich durch die Rechnung. In der nächsten Sitzung des Aufsichtsrates am 4. Dezember will Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) den Weinheimer Landtagsabgeordneten Georg Wacker (CDU) als neuen Geschäftsführer vorschlagen. Das ist bereits mit den Grünen abgestimmt. Die Stelle, die 2016 mit 159000 Euro brutto dotiert war, wurde nicht aus­geschrieben.

In der Landesregierung haben Grüne und CDU im vergangenen Jahr unter anderem auch festgelegt, wer das Sagen hat, wenn Geschäftsführer- oder Vorstandsposten in einem Unternehmen zu besetzen ist, das dem Land ganz oder teilweise gehört. So haben die Grünen das Vorschlagsrecht bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, der Führungsakademie Baden-Württemberg, Baden-Württemberg-International GmbH, und der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz. Bei der Parkraumbewirtschaftungsgesellschaft Baden-Württemberg, der Baden-Württemberg-Stiftung, und der Staatlichen Toto-Lotto GmbH hingegen ist die CDU am Zug. Bei der Landesmesse und beim Flughafen Stuttgart, die je zwei Geschäftsführer haben, bestimmen beide mit. Entscheidend darf aber nicht die Parteimitgliedschaft eines Kandidaten. „Geschäftsführer und Vorstandspositionen werden aufgrund fachlicher Kriterien besetzt“, teilte das Finanzministerium kürzlich mit.

CDU verteidigt Neubesetzung

„Herr Wacker bringt alle Voraussetzungen für diese Aufgabe mit. Er ist aktuell selbst Mitglied des Aufsichtsrats und ist dadurch bestens mit den Angelegenheiten vertraut“, sagte Hoffmeister-Kraut am Mittwoch. „Der befristete Vertrag von Frau Caspers-Merk läuft Ende des Jahres regulär aus, weshalb eine Neubesetzung nichts Ungewöhnliches ist.“

CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart hält Wacker ebenfalls für den richtigen Mann an der richtigen Stelle. Als langjähriger Abgeordneter und ehemaliger Staatssekretär im Kultusministerium sei dieser bestens mit den Aufgaben von Toto-Lotto vertraut und dank seines berufsbegleitenden Wirtschaftsstudium auch hervorragend qualifiziert.

Wacker freut sich auf die neue Aufgabe. Man habe sie ihm vor einigen Wochen angetragen, sagte der 55-jährige Diplom-Musiklehrer, der zuletzt eine Musikschule leitete. Er bedauere aber auch, seine Arbeit im Wahlkreis nicht fortführen zu können.

In der SPD-Fraktion löst die Personalie Verärgerung aus. „Marion Caspers-Merk hat als unsere Lotto Geschäftsführerin hervorragende Arbeit geleistet. Unser Land braucht personell Kontinuität und Qualität bei seinen Beteiligungen. Ich ärgere mich deshalb über das Vorgehen von Grün-Schwarz im Stil und im Ergebnis“, erklärte der finanzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Peter Hofelich.

Südwest-Lotton erreicht Spitzengruppe

Caspers-Merk habe als Geschäftsführerin viel bewegt – etwa im Bereich Digitalisierung, Lotto-App oder mit der neuen Geo-Lotterie, sagt Toto-Lotto-Pressesprecher Mathias Yagmur. „In ihrer Zeit haben sich die Spieleinsätze von 830 Millionen Euro 2012 auf 970 Millionen Euro 2016 erhöht.“ Innerhalb des Lotto-Blocks sei Baden-Württemberg damit in die Spitzengruppe aufgestiegen. Auch ihre Aufgaben im Bereich der Prävention habe sie sehr ernst genommen. „Frau Caspers-Merk hat zum Beispiel einen Präventionsbeirat eingerichtet, der uns regelmäßig berät. Er zeigt Wege auf, wie wir als staatliches Glücksspielunternehmen den Spagat hinkriegen, attraktive Spiele anzubieten, ohne zu offensiv zu sein. Das ist eine schwierige Aufgabe.“ Zudem ließ sie eine App zur Verhinderung von Spielsucht entwickeln, die sich an Jugendliche richtet und bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte.

Allerdings hatte es auch Unmut gegeben, als die SPD-Politikerin Caspers-Merk 2013 den Spitzenposten übernahm. Der damalige Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) hatte die frühere parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium und Drogenbeauftragte der Bundesregierung ebenfalls ohne Ausschreibung berufen und auf ihre Qualifikation verwiesen.

Sie folgte auf den früheren Sozialminister Friedhelm Repnik (CDU), dem 2004 der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) die Lotto-Geschäftsführung übertragen hatte, als er sein Kabinett verjüngen wollte. Die damaligen Oppositionsparteien SPD und Grüne sprachen seinerzeit von einem Versorgungsposten.