Chemiemüll am Oberrhein Auf dem Papier ist alles in Ordnung

Von Wolfgang Messner und Lars-Marten Nagel 

Rechts vom Zaun will Roche in ihrem Abschnitt für 240 Millionen Euro das gesamte Erdreich ausheben und entfernen lassen. Das ist laut der Bürgerinitiative die gute Sanierung. Links vom Zaun plant die BASF, die Gifte im Boden einzuschließen und dauerhaft zu versiegeln. Das kostet zwar nur 30 Millionen Euro – „aber das Gift bleibt drin, das Problem wird auf unbekannt vertagt“, sagt Donath. Er wohnt nur ein paar Hundert Meter von der Grube entfernt in Grenzach-Wyhlen. „Wenn ich sehe, was sie heute hier vorhaben, werde ich richtig wütend“, sagt der Rentner.

Seine Wut richtet sich nicht nur gegen die Firma, denn die Lösungen von BASF und Roche sind beide nach dem deutschen Bodenschutzgesetz konzipiert und auf dem Papier völlig in Ordnung. Deshalb hat das Landratsamt beide Sanierungsansätze genehmigt.

So ist das tatsächlich in Deutschland: Altlasten müssen selbst dann nicht vollständig beseitigt werden, wenn Ämter einen Sanierungsbedarf zwingend festgestellt haben. Im Sinne des Bodenschutzgesetzes reicht es aus, dass der Weg des Gifts zum Menschen dauerhaft unterbrochen wird. Das will die BASF gewährleisten.

Die BASF verteidigt sich

Einige Stunden später steht auf seiner Seite des Zauns der BASF-Manager Livio Ulmann vor einem Betonbecken, in dem eine braune Flüssigkeit Blasen schlägt. Die Bürgerinitiative mache es sich zu einfach, sagt Ulmann. Erstens sei das BASF-Areal anders als die Roche-Brache mit einem Klärwerk überbaut. Zweitens sei das Gelände zweieinhalbmal so groß. Drittens sei die Schadstoffkonzentration geringer.

BASF will die Oberfläche mit einer Spezialfolie abdichten, damit kein Wasser eindringt. „Der belastete Boden wird mit einer 815 Meter langen und bis zu 31 Meter tiefen unterirdischen Dichtwand umschlossen“, sagt Ulmann. Nach unten verhindere der Felsgrund aus Muschelkalk den Wasserabfluss. Durch die Grundwasserentnahme werde ein Druckgefälle erzeugt, damit kein kontaminiertes Wasser entweichen könne. Ob das gelingt, bezweifeln Experten wie der Basler Geograf Martin Forter, auch die Aussage, dass die Schadstoffmenge geringer sei, „bloß eine Annahme der BASF“.

In Grenzach-Wyhlen sind viele Bürger über den Plan der BASF entsetzt. Sie verstehen nicht, dass ein Konzern mit einem Jahresüberschuss von mehr als fünf Milliarden Euro das Altlastenproblem in unbestimmte Zukunft verschiebt. Die Gifte werden erst in 13 000 Jahren abgebaut sein. „So lange hält keine Einkapselung“, sagt Donath. Früher oder später müsse das Bauwerk erneuert werden. Dann würden wieder 30 Millionen fällig, um den Giftmüll in Schach zu halten. Wenn diese Summe dann noch reiche.

Unsere Empfehlung für Sie