Chemische Reiniger im Haushalt Putzen kann so ungesund sein wie Rauchen

Rauchen schädigt die Lunge – Putzen mit Chemie aber genauso. Foto: dpa-Zentralbild
Rauchen schädigt die Lunge – Putzen mit Chemie aber genauso. Foto: dpa-Zentralbild

Putzen mit chemischen Reinigungsmitteln kann auf Dauer ähnlich schädlich für die Lunge sein wie 20 Zigaretten pro Tag zu rauchen. Das haben norwegische Forscher in einer aktuellen Studie nachgewiesen.

Leben: Markus Brauer (mb)
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Stuttgart - Rauchen ist die häufigste vermeidbare Todesursache in den Industrieländern. Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft wird jeder zweite gewohnheitsmäßige Raucher vermutlich an den Folgen des Rauchens sterben. Dass Putzen ähnlich gefährlich für die Gesundheit sein kann, haben jetzt Forscher der norwegischen Universität Bergen nachgewiesen. Tägliches Putzen wirkt sich demnach genauso schädlich auf die Lunge aus wie 20 Zigaretten am Tag zu rauchen.

So ungesund wie regelmäßiges Rauchen

„Menschen, die 20 Jahre lang als Reinigungskräfte gearbeitet oder im Haushalt geputzt haben, haben eine ähnlich stark reduzierte Lungenfunktion, wie Raucher, die täglich 20 Zigaretten konsumierten“, erklärte Øistein Svanes vom Department of Clinical Science der Universität von Bergen. Für ihre im „Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“ veröffentlichte Arbeit untersuchten die Experten die Daten von rund 6200 Teilnehmern einer europaweiten Erhebung zur Atemwegsgesundheit. Mehr als 20 Jahre lang hatten die Probanden, die bei Studienbeginn im Durchschnitt 34 Jahre alt waren, regelmäßig ihre Lungenfunktionen prüfen lassen.

Gefährliche Sprühmittel

Das Ergebnis: Je häufiger die Probanden chemische Reiniger benutzten, desto stärker war ihre Lungenfunktion beeinträchtigt. Vor allem die Lungenwerte von Frauen, die beruflich als Reinigungskräfte arbeiteten, waren genauso schlecht wie die von Rauchern, die täglich eine Packung Zigaretten qualmten. Ihr Risiko an Asthma zu erkranken, war 40 Prozent höher als das der Durchschnittsbürger.

„Wenn man sich vorstellt, kleine Partikel aus Reinigungsmitteln zu inhalieren, die dazu bestimmt sind, den Boden und nicht die Lungen zu reinigen, ist das vielleicht gar nicht so überraschend“, betonte Øistein Svanes. Vor allem chemische Mittel, die versprüht werden, seien gesundheitsschädlich. „Die kleinen Partikel aus den Sprays können nach der Reinigung stundenlang in der Luft bleiben. So können sie tief in die Lunge gelangen, Infektionen verursachen und die Alterung der Lungen beschleunigen.“

Bei Männern stellten die Wissenschaftler keinen signifikanten Unterschied zwischen Profi- und Freizeit-Putzern fest. Der Grund: Unter den Probanden waren zu wenige männliche Reinigungskräfte, um eine hieb- und stichfeste Aussage wissenschaftlich zu belegen.

Tipp: Unschädliche Produkte verwenden

„Die Kernbotschaft dieser Studie lautet, dass chemische Reinigungsmittel auf lange Sicht sehr wahrscheinlich der Lunge großen Schaden zufügen“, resümierte Øistein Svanes. Der Experte empfiehlt auf Chemikalien beim Putzen so weit wie möglich zu verzichten und stattdessen Mikrofasertücher und Wasser zu verwenden.

Forscher der britischen Universität von Surrey hatten 2016 in einer Studie nachgewiesen, dass Reinigungsmittel eine wichtige Quelle der Luftverschmutzung in Gebäuden sind. Waschmittel, Weichspüler, Bodenreiniger, WC-Gel und Chlor-Reiniger können krebserregende Schadstoffe enthalten und in die Luft abgeben. Auch ihr Tipp lautet: So wenig wie nötig auf Chemie setzen und am besten unschädliche Produkte verwenden.

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