US-Militärs haben einer mutmaßlichen Frau, deren Rolle nicht bekannt ist, dabei geholfen, ihr Gepäck im Kofferraum zu verstauen. Foto: Sascha Maier
Etwa 50 US-Botschafter halten sich für eine Konferenz aktuell in Stuttgart auf. Das US-Militär behandelt die Zusammenkunft fast wie ein Geheimtreffen. Was Experten sagen.
Stuttgart ist an diesem Donnerstag und Freitag Schauplatz eines Treffens hochrangiger US-Diplomaten, wie unsere Zeitung erfuhr. Etwa 50 Botschafter der Vereinigten Staaten kommen bei der sogenannten „Chief of Mission Conference“ in den Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen zusammen. Sie sind offenbar im Pullman-Hotel in Stuttgart-Vaihingen untergekommen. Das US-Militär gibt sich zu den Inhalten, um die es bei dem Treffen gehen soll, bedeckt.
Großes Aufsehen erregen will das Stuttgart ansässige United States European Command (EUCOM) am Donnerstagmorgen am Bahnhofsvorplatz in Vaihingen wohl nicht. Es ist nichts abgesperrt worden, keine auffälligen Militärfahrzeuge sind zu sehen. Aber dennoch fahren hier nicht nur Linienbusse und Taxis vor, es stehen auch Polizeiautos und dunkle Vans mit Kaiserslauterner Kennzeichen vor dem Hotel – dort liegt der US-Militärflughafen Ramstein.
EUCOM fasst sich kurz
Durch die Fensterscheiben des Hotels sind US-Soldaten in Militäruniform zu sehen, zwei helfen draußen einer Frau, deren Rolle nicht bekannt ist, das Gepäck in einem Auto zu verstauen. Immer wieder setzen sich Vans und Busse in Bewegung, bei einem Tross fährt ein Stuttgarter Polizeiauto vorneweg. Die Delegation dürfte in Chargen die Patch Barracks ansteuern, in der die Konferenz abgehalten wird.
EUCOM fasst sich auf mehrmalige Nachfrage unserer Zeitung, was der Anlass und der Ablauf des Diplomatentreffens sind, denkbar kurz. „Das US-Europakommando veranstaltet diese Woche in Stuttgart die jährliche Konferenz der Missionschefs“, lässt sich eine EUCOM-Sprecherin zitieren. Die Veranstaltung sei nicht öffentlich und nicht für Medienvertreter zugänglich. Weitere Details würden nach Abschluss der Veranstaltung bekannt gegeben.
Die Stuttgarter Polizei bestätigt, mit überschaubaren Kräften anlässlich der Konferenz im Einsatz zu sein. „Wir sind im Bereich des Objektschutzes vor Ort“, sagt ein Sprecher. Am Tor der Patch Barracks endet die Zuständigkeit deutscher Behörden allerdings. Bereits am Mittwochabend war Informationen unserer Zeitung nach ein Begrüßungsempfang im unweiten Hotel Vienna House anberaumt. Auch hier bestätigt die Polizei, mit Kräften vor Ort gewesen zu sein.
Zum Inhalt der aktuellen „Chief of Mission Conference“ war auch über andere Kanäle nichts erfahren. Allerdings liefern vergangene Ausgaben des Formats und vergleichbare Veranstaltungen in der Vergangenheit Ansätze.
Polizei vor dem Pullman-Hotel in Stuttgart-Vaihingen Foto: Sascha maier
So diente die Konferenz nach EUCOM-Angaben in der Vergangenheit „die kontinuierliche Förderung von Frieden und Sicherheit in Europa“ zu koordinieren. Der US-Staatssekretär James O’Brien betonte dabei außerdem die Zusammenarbeit zwischen Diplomaten und Militärs.
Allerdings hatten Einberufungen von US-Offiziellen unter der Trump-Regierung jüngst auch ganz anderen Charakter. Als etwa die Generalität des US-Militärs im September 2025 auf einem Stützpunkt in Quantico einberufen worden war, hagelte es von US-Präsident Donald Trump und Kriegsminister – das Verteidigungsministerium in den USA wurde umbenannt – Pete Hegseth markige Sprüche. „Wir erwecken den Kriegsgeist neu“, sagt der US-Präsident damals, Hegseth sprach von „fetten Generälen“ und nannte Beförderungen aufgrund von Geschlecht oder Hautfarbe „ideologischen Müll“. Klare Ansagen, was aus Washington von der Militärführung erwartet wird.
Inzenierungscharakter fehlt
Andreas Etges forscht an der Ludwig-Maximilians-Universität München zu transatlantischen Beziehungen und schätzt die politische Größenordnung der Konferenz in Stuttgart kleiner ein als die weltweit beachteten Ereignisse in Quantico. Es würde „der Inszenierungscharakter fehlen, zumal es ja nicht öffentlich angekündigt wurde.“
Auch US-Experte Andrew Denison, Direktor des Forschungsverbunds Transatlantic Networks, glaubt nicht unbedingt daran, dass in den Patch Barracks wegweisende Entscheidungen für die US-Außenpolitik getroffen werden. „Es wird eher um Koordinierungsaufgaben gehen, dass alle auf dem gleichen Stand sind“, sagt er. Dennoch unterstreiche die Konferenz, wie investiert die USA in Europa seien und welch großen Aufwand sie in ihre Präsenz hier stecken würden.
Nächste Woche wird die 62. Münchner Sicherheitskonferenz veranstaltet. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs werden dort erwartet. Vergangenes Jahr hatte US-Vizepräsident JD Vance dort eine Rede gehalten, in der er demokratische Institutionen in Europa polternd angriff. Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bezeichnete die Rede von Vance daraufhin als „nicht akzeptabel.“
Laut übereinstimmenden Medienberichten kommt Vance dieses Jahr nicht nach München und wird durch Außenminister Marco Rubio vertreten. Spätestens dann dürfte auch öffentlich deutlicher werden, welchen diplomatischen Kurs die USA in der nächsten Zeit einschlagen wollen.