China Biertrinken im Ramadan

Von Finn Mayer-Kuckuck 

Die Regierung in Peking provoziert die Minderheit der muslimischen Uiguren. Sie sollen im Ramadan tagsüber essen und trinken. Beamte kommen unter Druck.

Mit den Uiguren –  hier  eine Protestversammlung 2009 – liegt Peking im Clinch. Foto: EPA
Mit den Uiguren – hier eine Protestversammlung 2009 – liegt Peking im Clinch. Foto: EPA

Peking - Die Regierung Chinas zeigt sich erneut unsensibel im Umgang mit der muslimischen Minderheit im Land. Einige Landkreise in der Provinz Xinjiang verbieten Parteimitgliedern und Beamten das Fasten während des heiligen Monats Ramadan. Auch der Rest der Bevölkerung ist aufgefordert zu essen: Restaurants sollten „ermutigt und angeleitet“ werden, den ganzen Tag über Speisen anzubieten, gaben beispielsweise Behörden des Bezirks Jinghe auf ihrer Website bekannt.

Die Provinz Xinjiang ist für China ein ethnischer Brennpunkt. Knapp die Hälfte der Bevölkerung gehört zum muslimischen Volk der Uiguren, ansonsten überwiegen Han-Chinesen. Die Uiguren sehen seit dem Anschluss ihres Territoriums an China im 18. Jahrhundert ihre kulturelle Identität bedroht. Ihre Unzufriedenheit hat sich immer wieder in Anschlägen, Unruhen und Aufständen entladen. Zuletzt registriert die Regierung in Peking eine Tendenz von Untergruppen in Xinjiang, sich dem militanten Islam zuzuwenden. Der Umgang mit diesem Trend besteht nun offenbar in dem Versuch, die äußeren Symbole muslimischer Religiosität in Xinjiang zu unterdrücken. In der Hauptstadt Urumqi sind Vollbärte in öffentlichen Verkehrsmitteln verboten. In einigen Regionen dürfen Frauen keinen Schleier tragen.

Besonders betroffen sind uigurische Beamte. Sie müssen schwören, die Fastenzeit zu boykottieren. Sie sollen zudem geloben, nicht „an Gott zu glauben und nicht an religiösen Aktivitäten teilzunehmen“, wie eine Aufforderung aus dem Kreis Bole im Westen Xinjiangs zeigt. Auch Besuche in Moscheen sind ihnen verboten. „Parteimitglieder, öffentliche Angestellte sowie Schüler sollten keiner Religion folgen.“ Han-chinesische Kollegen sind aufgefordert, darauf zu achten, ob die Beamten mittags wirklich etwas essen. In den Schulen geben die Lehrer den Schülern Wasser mit der Aufforderung, es öffentlich zu trinken.

Frontalangriff auf religiöse Bräuche

In einem doppelten Angriff auf muslimische Glaubensregeln sollen Läden und Restaurants sichtbar Alkohol bewerben und anbieten. Im Kreis Niya haben die Beamten sogar kurz vor Beginn des Ramadan einen Biertrink-Wettbewerb organisiert. Der Frontalangriff auf die religiösen Gebräuche der Uiguren dürfte wahrscheinlich das Gegenteil dessen bewirken, was die Partei im Sinn hat. Statt die Entfremdung zwischen Han-Chinesen und Uiguren zu vermindern, droht sie diese zu verschärfen.

„Die Maßnahmen führen nur dazu, den Graben zu vertiefen“, kommentiert der Weltkongress der Uiguren, eine Exilorganisation. Die Regierungspolitik wirke „provokativ“. Während des Ramadan sollten Muslime in der Regel von Sonnenaufgang bis –untergang nichts essen oder trinken. In Xinjiang hat der Fastenmonat jedoch seit einigen Jahren auch eine politische Bedeutung. Vor zwei Jahren sind 21 Menschen im Kreis Maralbexi bei Unruhen während des Ramadan getötet worden. Ausgerechnet dort stehen die Parteimitglieder derzeit unter Druck, ihrer Religion abzuschwören.

Schließlich ist die Kommunistische Partei offiziell atheistisch, obwohl in China auf dem Papier Religionsfreiheit herrscht. Der Parteichef von Xinjiang verteidigte die Einschränkung des Ramadan. Der Region drohe steigender Druck von extremistischen Gruppen. China sendet bereits Elitetruppen nach Tadschikistan, die dort die Ausbreitung des IS aufhalten sollen, wie die „Volkszeitung“ berichtete.