Mehr als 3000 tote Tiere treiben im Fluss Huangpu auf die chinesische Metropole Shanghai zu – und es werden immer mehr. Die Schweine sind offenbar an Seuchen verendet.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Shanghai - Mit nicht mehr als 97 Kilometern Länge gehört der Huangpu nicht gerade zu den mächtigen Strömen Chinas. Allerdings zählt er zu den meist fotografierten. In Shanghai trennt der Fluss die Uferpromenade Bund, die zu den größten Touristenattraktionen des Landes zählt, vom aufsterbenden, futuristischen Stadtgebiet Pudong. Damit die Fotoidylle jetzt nicht in Gefahr gerät, haben Mitarbeiter des Reinigungsamtes flussaufwärts Position bezogen und verrichten Schwerstarbeit. Nach offiziellen Angaben haben sie in den letzten Tagen 3323 tote Schweine aus dem Wasser gefischt, die mit der Strömung flussabwärts treiben. Und es werden immer mehr.

 

Woher die Kadaver stammen, ist noch nicht endgültig geklärt. Lokale Medien vermuten, dass sich Bauern in der flussaufwärts gelegenen Stadt Jiaxing ihrer kranken Tiere entledigt hätten. Nach Angaben der in Hongkong erscheinenden „South China Morning Post“ seien fünf Kadaver von den Behörden untersucht worden, eines der Tiere habe an der Schweinepest gelitten. Informationsportale im Internet behaupten, bei anderen Tieren seien die Maul-und-Klauenseuche sowie bis zu fünf weitere Krankheiten festgestellt worden.

Wo befinden sich die vielen anderen Tierleichen?

Da das aufbereitete Nass aus dem Huangpu in der Region auch aus den Wasserhähnen fließt, haben sich die Behörden beeilt zu versichern, dass die Wasserqualität durch die Schweineflut nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Diese Ankündigung hat im Internet jede Menge Hohn und Spott ausgelöst. Die einen bieten dem Chef der Wasserbehörde umgerechnet 1000 Euro, wenn er die Brühe trinke, die er da vermarkte. Andere erklären, es sei schon erschreckend, was für Wasser man täglich bekomme, wenn dessen Qualität auch mit all den Kadavern noch normal sei. Ein weiterer Blogger erklärt: „Wir können doch froh sein, dass die Tiere nicht zu Wurst verarbeitet worden sind“.

Ein Mitarbeiter der Landwirtschaftsbehörde in der Provinz Zhejiang, in deren Gebiet die Stadt Jiaxing liegt, wird in chinesischen Medien mit den Worten zitiert, dass die Schweine nicht an Krankheiten, sondern an den Folgen des kalten Winters gestorben seien. Das glauben nicht viele. Recherchen örtlicher Medien haben ergeben, dass in den ersten Monaten des Jahres bis zu 20 000 Schweine in Jiaxing an einer Seuche gestorben seien. Heiß wird deswegen inzwischen die Frage diskutiert, wo sich die anderen Tierleichen befinden.

Die Diskussion kommt ziemlich genau zum zehnjährigen Jahrestag des Sars-Ausbruches. Im Winter 2002/2003 hatte die Lungenkrankheit in China zahlreiche Todesopfer gefordert. In den vergangenen Wochen ist in der Volksrepublik daher viel darüber gesprochen worden, wie man die Fehler von damals vermeiden könne. Bessere Untersuchungen bei Tieren und Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit sind immer wieder genannte Maßnahmen. Von den toten Schweinen erfuhren die Menschen jedoch erst, als sie im Fluss ein offensichtliches Problem wurden. Die „Jiaxing Daily“ wartete dann allerdings noch mit einer Überraschung auf. Ein laxer Umgang mit toten Tieren sei in der Region ganz normal, schrieb das Blatt.