China ächtet „Once upon a Time in Hollywood“ Tarantino will den Film nicht antasten

Von Bernd Haasis 

Am 25. Oktober sollte „Once upon a Time in Hollywood“ in China in die Kinos kommen, doch die Zensurbehörde hat den Film gesperrt – und Tarantino denkt nicht daran, ihn zu verändern.

Quentin Tarantino im August 2019 vor einem Plakat zu seinem aktuellen Film „Once upon a Time in Hollywood“ Foto: dpa/Riccardo Antimiani
Quentin Tarantino im August 2019 vor einem Plakat zu seinem aktuellen Film „Once upon a Time in Hollywood“ Foto: dpa/Riccardo Antimiani

Stuttgart - Quentin Tarantino möchte konsequent bleiben und der chinesischen Zensur nicht entgegenkommen, nachdem sie seinen Film „Once upon a Time in Hollywood“ mit einem Bann versehen hat. Das berichtet das Branchenblatt „Hollywood Reporter“. Die Zensoren hatten den Film am Freitag kurz vor dem geplanten Start am 25. Oktober auf unbestimmte Zeit gesperrt. Das Filmstudio Sony hat dafür offenbar keine Begründung erhalten und wollte zunächst auch selbst keinen Kommentar abgeben.

Es wird freilich spekuliert, die Zensur habe sich daran gestört, wie der Kampfkünstler Bruce Lee im Film dargestellt wird. Er hatte chinesische Wurzeln, wurde allerdings in San Francisco geboren. Seine Eltern stammten aus der damaligen britischen Kronkolonie Hongkong, wo Bruce Lee einen großen Teil seines Lebens verbrachte. Unter Berufung auf eine Quelle beim chinesischen Koproduzenten Bona Film Group in Peking soll Lees Tochter Shannon sich direkt an die chinesische Filmbehörde gewandt und Änderungen an der Darstellung ihres Vaters im Film verlangt haben. Freunde und Familienangehörige haben Tarantino wiederholt dafür kritisiert, dass der Bruce Lee im Film dem echten Bruce Lee in keiner Weise ähnele und stattdessen eine Karikatur sei.

Bruce Lee hat für Anerkennung gekämpft

Tatsächlich soll Brad Pitt Tarantino bei den Dreharbeiten dazu gedrängt haben, die Darstellung abzumildern – Pitt spielt in „Once upon a Time in Hollywood“ einen Stuntman, der auf dem Gelände eines Filmstudios eine Prügelei gegen Bruce Lee gewinnt. Zu dessen wichtigsten Anliegen gehörte es, in seinem Zweitwohnsitz USA gegen die Diskriminierung von Menschen mit chinesischer Abstammung anzugehen.

Tarantino indes ist bekannt dafür, keinerlei Zugeständnisse zu machen. Laut dem „Hollywood Reporter“ pocht er auf sein vertraglich zugesichertes Recht auf den „Final Cut“ und möchte keinerlei Änderungen am Film zulassen, besonders weil China die Zensur bislang nicht begründet hat. Der Film spielt im Jahr 1969, ein Grundmotiv sind die Morde an Roman Polanskis Frau Sharon Tate sowie einigen ihrer Gäste durch Kommunarden des Sektenführers Charles Manson. Eine chinesische Quelle vermutet, die gezeigte Gewalt könne der Grund sein, doch diese ist wesentlich weniger ausgeprägt als in früheren Tarantino-Filmen.

China erhöht den Druck

„Once Upon a Time in Hollywood“ wäre Tarantinos erster regulärer Filmstart in China gewesen, einem Land mit enormem Besucherpotenzial. Bislang hat der Film 366 Millionen Dollar eingespielt (rund 328 Millionen Euro) und hätte bei einem Einsatz in China wohl die 400-Millionen-Dollar-Marke überschritten. Der Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio ist in China ein Star, „Titanic“ wurde 1997 auch dort zum Hit.

In den vergangenen Monaten hat China versucht, US-amerikanische Entertainment-Produkte stärker zu kontrollieren, berichtet der „Hollywood Reporter“. Das gilt besonders mit Blick auf deren Haltung zum offiziell autonomen Stadtstaat Hongkong, wo die Menschen um ihr demokratisches System fürchten, zu hunderttausenden demonstrieren und mit harschen Reaktionen der vom Festland aus gesteuerten Sicherheitskräfte konfrontiert sind. Viele Showbiz-Akteure halten sich zurück aus Sorge um die wirtschaftlichen Konsequenzen und etliche Filme wurde für den Einsatz in China bereits umgeschnitten. Aus dem Queen-Film „Bohemian Rhapsody“ zum Beispiel wurde jeder Hinweis auf Freddie Mercurys Homosexualität entfernt.

Ironie der Geschichte

Es gibt auch Gegenbeispiele: Matt Stone and Trey Parker nehmen in ihrer satirischen Animations-Serie „South Park“ immer wieder die chinesische Führung aufs Korn sowie auch prominente Amerikaner, die sich zur Menschenrechtslage in China äußern und später zurückrudern, wenn China Druck ausübt.

Der aktuelle Fall hat freilich eine ironische Note: Bruce Lees Aufstieg zum Fu-Star wurde stark dadurch begünstigt, dass er aus Hongkong stammte und nicht vom Festland. In China war die Kampfkunst zwischen 1966 und 1976 geächtet im Zuge der sogenannten „Kulturrevolution“ unter Mao Zedong, dem Gründer der Volksrepublik, und viele Kung Fu-Meister suchten Zuflucht in Hongkong. Dort entstand jene Industrie für Martial-Arts-Filme, der Bruce Lee seinen weltweiten Ruhm verdankt. Inzwischen hat die Volksrepublik Kung Fu wieder als Kulturgut entdeckt.