Chinas Kommunistische Partei Warum die Partei China seit 100 Jahre erfolgreich ist

Mao Tse-Tung hat die Kommunistische Partei Chinas zur dominanten Macht gemacht. Foto: dpa

Die Kommunistische Partei Chinas feiert ihren 100. Geburtstag. Seit mehr als 70 Jahren regiert sie uneingeschränkt das Land. Zum Jubiläum wird die historisch Bilanz deutlich aufgehübscht.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Stuttgart - Mit der Ideologie haben es Chinas Parteikader schon immer pragmatischer gehalten, als ihre Kollegen in Russland. Als sich 57 Rebellen im Jahr 1921 in einem Schanghaier Kontor-Haus zusammenfanden, um die erste Zelle der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) zu gründen, richtete sich der Kampf gegen die Nationalisten der Kuomintang-Regierung. 100 Jahre ist das her, und aus der Untergrundbewegung ist eines der mächtigsten und einflussreichsten Regime der Welt geworden.

 

Dass dieser Geburtstag nun am 1. Juli gefeiert wird ist vermutlich ein kleiner Schwindel: Die Gründungsversammlung war bereits früher, doch da war Mao Zedong noch nicht an Bord. Ohne den ersten Staatspräsidenten der Volksrepublik ist die gesamte Parteigeschichte jedoch unvollständig. Dass sich die Partei nach 100 Jahren im hoch kapitalistischen China noch immer kommunistisch nennt ist eigentlich ein viel größerer Schwindel – aber es ist gerade die enorme ideologische Beweglichkeit, die ein Grund dafür ist, dass die KPC auch 100 Jahren nach ihrer Gründung unangefochten an der Spitze des Staates steht.

Aus 57 werden mehr als 90 Millionen

Aus den 57 Gründungsmitgliedern von einst sind inzwischen rund 90 Millionen geworden. Und das, obwohl der Weg in die KPC nicht so einfach ist. Die Voraussetzungen ähneln einer Bewerbung. Es braucht ein ausführliches Motivationsschreiben, zwei Bürgen und eine einjährige Vorbereitungszeit, Besuche von Schulungen in der marxistisch-leninistischen Grundideologie inklusive. Vor der Vollmitgliedschaft folgt dann noch eine Probezeit. Und obwohl die Mitglieder 0,2 bis 0,5 Prozent ihres Einkommens abführen müssen, steigt die Attraktivität der Mitgliedschaft. Im Jahr 2008 waren noch knapp sechs Prozent der Chinesen in der Partei, inzwischen sind es fast sieben Prozent.

Xi Jinping ist erst der siebte Vorsitzende in der Geschichte der Partei. Seit 2012 steht er an der Spitze – und wird dort voraussichtlich noch eine Weile bleiben. Die unter Parteichef Jian Zemin (1989 bis 2002) verabschiedete Regel, dass nach zehn Jahren Schluss sein soll, hielt gerade mal für die Regentschaft von Hu Jintao (2002 bis 2012). Inzwischen ist zumindest der Grundstein dafür gelegt, dass Xi Jinping weitermachen kann, wenn er denn will. Prognosen gehen derzeit davon aus, dass China im Jahr 2028 die USA als größte Volkswirtschaft der Welt überflügelt. Das ist auch für den Parteichef ein erstrebenswertes Ziel.

Ein Land, so stark wie nie zuvor

Schon zum 100. Geburtstag präsentiert sich die Partei als verantwortlich für ein Land, das so stark ist wie nie zuvor in diesem Zeitraum. Das gilt wirtschaftlich, aber auch weltpolitisch und militärisch. Den ursprünglich mal vorgesehene Aufmarsch an Panzern, Raketen und anderen Relikten zum Beweis von Stärke haben die Parteibosse aber wieder verworfen. Man wolle das Bild eines „glaubwürdigen, liebenswerten und respektablen Chinas“ präsentieren, sagt Xi Jinping – und ruft weltweit seine Diplomaten zur Mäßigung auf. Bei den Feierlichkeiten zu Hause sollen die Errungenschaften der vergangenen 100 Jahre im Mittelpunkt stehen. Xi Jinping hat dafür die Geschichte der Partei neu schreiben lassen. Die neue Fassung preist den Verdienst von Mao Zedong, der das unterdrückte China hat Auferstehen lassen – und vergisst nicht, auch die Leistungen von Xi im Übermaß zu würdigen, und den aktuellen Vorsitzenden als neuen Steuermann in der Nachfolge Maos zu etablieren.

Düstere Kapitel der Geschichte, wie Maos „Großer Sprung nach vorne“, bleiben weitgehend außen vor. Der Versuch, mit einer rigorosen Industrialisierung den Rückstand zu Industrieländern aufzuholen, scheiterte völlig. In der Folge starben bis zu 40 Millionen Menschen an Hunger. Auch die Aufstände aus dem Jahr 1989, bei denen die Partei ihrem eigenen Volk in Peking mit Panzern in der Stadtmitte entgegentrat, bleiben in der neuen Geschichtsschreibung außen vor.

Machterhalt als Lebenselexier

Seit Xi Jinping an die Macht gekommen ist, steht der Schutz der nationalen Sicherheit Chinas ganz oben auf der Agenda der Partei. Das betrifft praktisch alle Lebensbereiche. Von Handelsbeziehungen mit anderen Ländern bis hin zu Chinas globalem Image und Ruf – alles ist zu einer Frage der nationalen Sicherheit geworden, analysiert das Mercator Institut für Chinastudien (Merics) in Berlin. Wie lange das der KPC dazu verhilft, auch in Zukunft an der Macht zu bleiben, das weiß derzeit niemand.

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