Chinas Wirtschaft Goldrausch mit Verfallsdatum
Chinas Wirtschaft ändert sich. Das trifft auch viele Unternehmen hierzulande. Sie müssen sich umstellen, kommentiert Christian Gottschalk.
Chinas Wirtschaft ändert sich. Das trifft auch viele Unternehmen hierzulande. Sie müssen sich umstellen, kommentiert Christian Gottschalk.
Auch in in China wachsen die Türme nicht mehr unaufhaltsam in den Himmel. Als unlängst das Wuhan Greenland Center eröffnet wurde, gab es viel Lob für den markanten, 476 Meter hohen Wolkenkratzer. Dass er auf 626 Meter geplant war, wurde dezent übergangen. Seitdem ist es mit der chinesischen Wirtschaft nicht gerade wieder bergauf gegangen. Im Gegenteil: Die Schulden nehmen zu, und zwar auf allen staatlichen Ebenen. Der Immobiliensektor steckt in einer Dauerkrise, der Konsum stockt und die Exporte gehen zurück. Es scheint, als komme China nach dem Ende der drei harten Coronajahre nicht wieder richtig auf die Beine. Das wäre schlecht für das Land und seine Menschen. Zudem hätte die Krise Strahlkraft weit über die Grenzen des Riesenreiches hinaus.
Dass Chinas Wirtschaft schwächelt, hat viele Gründe. Anders als in den Vorjahren steuert Peking nicht massiv gegen. Ob die Regierung nicht kann oder nicht will, ist nicht ganz klar. Präsident Xi Jinping hat in der Vergangenheit immer wieder den Eindruck vermittelt, dass ihm Kontrolle wichtiger ist als wirtschaftliches Wachstum. Sowohl die größten Tech-Konzerne als auch private Kleinunternehmen haben das zu spüren bekommen. Das wäre ein Besorgnis erregender Trend. Chinesische Investoren und Unternehmer, und beileibe nicht nur die, beobachten stärker als in der Vergangenheit jedes Signal der Regierung. Zudem hat der Drang der Superreichen, sich selbst oder zumindest Teile ihres Vermögens außer Landes zu schaffen, massiv zugenommen.
Nun den Abgesang auf das chinesische Wirtschaftswunder der vergangenen Jahrzehnte anzustimmen wäre jedoch zu früh. Zwar scheinen die Probleme größer als in den vergangenen Jahren – vor allem die wachsende Arbeitslosigkeit unter jungen, gut ausgebildeten Menschen birgt massives Sprengstoff-Potenzial. Allerdings hat sich das chinesische System immer wieder neu erfunden und vor allem dann Stärke gezeigt, wenn es sich in einer großen Krise befunden hat. Das kann dieses Mal erneut geschehen. Zumal es China in Sachen Flexibilität zu einer gewissen Perfektion gebracht hat. Auch das Wuhan Greenland Center wurde umgeplant, als schon ein paar hundert Meter in den Himmel ragten. Man stelle sich so etwas mal hierzulande vor.
Was man sich hierzulande aber unbedingt vorstellen sollte, ist ein Leben, bei dem der Handel mit China nicht mehr die gleiche, große Bedeutung haben wird wie in der Vergangenheit. Noch gelingt es zahlreichen Firmen, gute Geschäfte in China zu machen, und für einige wird das auch noch eine ganze Weile so weiter gehen. Doch der Goldrausch hat ein Verfallsdatum. Neben der Kaufzurückhaltung, die sich bei immer mehr der 1,4 Milliarden Chinesen breit macht, weil das Geld nicht mehr so locker sitzt, hinterlassen die seit Jahren immer wieder angefachten Kampagnen zur Liebe der eigenen Nation gegenüber ihre Früchte.
Trainingsanzüge von Anta an Stelle von adidas, Turnschuhe von 361 Grad an Stelle von Puma, Autos von BYD und nicht mehr von Volkswagen oder Mercedes gefallen immer mehr Menschen im Reich der Mitte. Diese Tendenz wird zunehmen. Und dann ist da in diesen Tagen die „Adora Magic City“ in See gestochen: das erste chinesische Kreuzfahrtschiff. Der lukrative Markt soll nicht den Amerikanern überlassen bleiben.
Ganz nebenbei feilt China beharrlich daran, sich in Wirtschaftsfragen strategisch neu auf der Welt zu positionieren. So handeln immer mehr Länder mit dem chinesischen Renminbi – nicht nur in Asien, auch im rohstoffreichen Südamerika. Noch ist dort die Dominanz des Dollars gegeben. In Brasilien hat die chinesische Währung aber schon den Euro an Bedeutung überflügelt.