Chinesisch-deutsches Forum China wirbt für mehr Nachhaltigkeit
Rund 500 Entscheider aus China und Europa diskutieren das Thema Nachhaltigkeit. China wirbt dabei mit politischen Rahmenbedingungen die berechenbar sind.
Rund 500 Entscheider aus China und Europa diskutieren das Thema Nachhaltigkeit. China wirbt dabei mit politischen Rahmenbedingungen die berechenbar sind.
Manchmal dauert es ja eine gewisse Zeit, bis sich Trends etablieren. Im kommenden Jahr wird es 20 Jahre her sein, als die Vereinten Nationen den Begriff ESG etabliert haben. ESG steht für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Einer breiten Bevölkerung ist die Abkürzung, die mit Nachhaltigkeit nur unzureichend und teilweise übersetzt ist, weiterhin unbekannt. In Unternehmen ist der Umgang damit jedoch an der Tagesordnung.
Wie gut dieser Umgang funktionieren kann, was dabei noch zu verbessern ist und was schon ganz gut funktioniert haben Vertreter zahlreicher Unternehmen an diesem Donnerstag in Stuttgart besprochen. Das chinesische Generalkonsulat in Frankfurt hatte zur zweiten ESG-Konferenz geladen. Rund 500 Wirtschaftsvertreter kamen bei der ersten Auflage vor einem Jahr nach Frankfurt, in Stuttgart ist das Interesse vergleichbar hoch gewesen. Vertreter von Banken und Batterieherstellern, Autoproduzenten, Chemieunternehmen und Lebensmittelproduzenten, mehrheitlich aus China und Deutschland, haben sich ausgetauscht, voneinander gelernt – und das ein oder andere Mal auch darüber gestaunt, was ihre Kollegen so zu berichten hatten.
Yin Xiaoying von Catl, dem weltgrößten Batterienhersteller für Elektroautos, erklärte die Details des Batterierecyclings ihres Unternehmens und sagte, dass inzwischen mehr als die Hälfte aller neuen Batterien nicht mehr mit neuem Lithium, sondern aus Altmaterial hergestellt werden. Ein Vertreter von Sinopec, nach eigenen Angaben zweitgrößtes Chemieunternehmen der Welt und eines der größten Mineralölunternehmen, pries die technischen Innovationen, die sowohl die Fackel für die Olympischen Spiele als auch Motorhauben für Hochgeschwindigkeitszüge umweltverträglicher werden lassen. Dass es sich dabei nicht nur um Firmen-PR handelt, bestätigte Heinz Hilger von der Landesbank Baden Württemberg (LBBW): „Wir können viel von China lernen, wenn es um die konkrete Umsetzung von ESG-Projekten geht“.
Das gegenseitige Lernen sei denn auch die Hauptintention der Konferenz, sagte der chinesische Generalkonsul Huang Yiyang. Man lebe schließlich in einer Welt, in der alles miteinander verbunden sei – „da müssen wir Brücken schlagen“. Und diese Brücken sind nach Huangs Dafürhalten von Deutschland aus in östliche Richtung gesehen tragfähiger, als in die entgegengesetzte Direktion. „China ist berechenbar und unser politischer Rahmen ist stabil“, so Huang. Auf der anderen Seite des Ozeans, so die Spitze in Richtung des US-Präsidenten Donald Trump, könnten sich Entscheidungen hingegen „jederzeit ändern“. In China sieht Huang eine Art Nachhaltigkeit in politischer Form.
Dass es sich bei Nachhaltigkeit nicht um eine Nebenfunktion sondern um einen wichtigen Wettbewerbsfaktor handele erklärte Claus Paal, der Präsident der Industrie und Handelskammer (IHK) in der Region Stuttgart. Vor allem im Bereich Klimaschutz sehe er „große Schnittmengen“ mit China. Gemeinsam zu handeln sei ökonomisch klug. Das gelte auch für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI): „Wir stehen vor einem neuen Zeitalter, bei dem viele Firmen noch nicht verstehen, welche Chancen sie haben“, so Paal.
Apropos KI: die dreisprachige Konferenz wurde simultan übersetzt, nicht von Menschen, sondern von eben solch einer künstlichen Intelligenz. Die hatte zwar noch so manche Schwierigkeiten, vor allem dann, wenn Redner zwischen deutsch, englisch und chinesisch die Sprache wechselten, machte aus „Claus Paal“ einen „Kraushar“ und aus „Stuttgart“ ein „Simogatte“. Aber auch die Lerngeschwindigkeit des Systems konnte während der Veranstaltung beobachtet werden – den Namen der baden-württembergischen Landeshauptstadt bekam das System binnen weniger Minuten perfekt auf die Reihe. Ob der aus dem chinesischen übersetzte Satz „meine Mandarine schmeckt wie Ziegenmilch“ hingegen tatsächlich diese Bedeutung haben sollte, blieb offen.
Dieser Art von Kinderkrankheiten bereits entwachsen ist die Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Thorsten Giehler war Jahre lang verantwortlich für die China-Arbeit der von mehreren Bundesministerien finanzierten Organisation. Diese sei derzeit bei rund 20 Projekten in China engagiert und in gemeinschaftlichen, über Kontinente reichende Aktionen tätig. So haben Unternehmen aus China und Äthiopien zusammen mit der GIZ in der Nähe von der äthioischen Hauptstadt Addis Abeba eine „Müll-zu-Strom-Anlage“ entwickelt. Die erste in Afrika.