Andrea Eichhorn beim Auftritt am Wochenende. Sie ist begeisterter Teil des Chors und berichtet von ihren schönsten Erinnerungen. Foto: Simon Granville
Mit großer Präsenz und viel Herz haben die „Abendsterne“ ihr Publikum in Ludwigsburg-Eglosheim begeistert. Eine Sängerin gibt Einblicke in das besondere Gruppengefühl des Chors.
Cornelia Ohst
16.12.2025 - 14:00 Uhr
Vielleicht sind die Gospel-Weihnachtskonzerte des Chors „Abendsterne“ ja deshalb so sehr nachgefragt, weil sie den Besuchern das Gefühl geben, zärtlich umarmt zu sein? Tatsache jedenfalls ist: Beide Konzerte am Sonntagabend in der St.-Thomas-Morus-Kirche in Eglosheim waren ausverkauft. Chorleiter Jörg Thum erfüllt das mit Stolz und Dankbarkeit. Schließlich wird sein Schaffen damit für alle sichtbar gewürdigt. „Arbeit macht nicht immer nur Spaß, aber heute hat sie es“, urteilte der Chef der singenden Formation nach den Auftritten, die dem Chor Standing Ovations und restlos begeisterte Gäste beschert haben.
Wie ein Lockruf ertönt das Saxofon, das Klaus Schneider gefühlvoll ins Programm einsetzt und gemeinsam mit Matthias Keefer an der Gitarre wunderbare Akzente in das Stimmengewebe einbaut. Die singenden Abendsterne betreten das Gotteshaus mit Teelichtern, die sie abstellen, bevor sie sich auf ihrer „Bühne“ – den Treppen zum Altar hin – positionieren. Ihren Gesang zelebrieren sie wie ein Geschenk. Im Handumdrehen konkurriert der Glanz der Abendsterne mit dem Leuchten der Kerzen.
Die mit Überzeugungskraft gesungenen Gospels besitzen Leidenschaft, Leuchtkraft und Grazie, die sofort gefangen nehmen. Dabei hat die singende Gemeinschaft Thum stets im Blick, gibt dem Publikum jedoch gleichzeitig das Gefühl, ganz auf die Zuhörenden fokussiert zu sein. Das gelingt auch deshalb, weil der Chor ausnahmslos auswendig singt und dadurch eine große Vitalität und Präsenz entfaltet. Gleiches gilt für die Bewegungen, die passend, aber dezent zu den Songs choreografiert sind. Thum selbst sitzt vor dem Chor am E-Piano, begleitet und dirigiert unaufdringlich, aber äußerst effektiv.
Einmaliges Gruppengefühl
„Unsere Weihnachtskonzerte sind immer etwas Besonderes“, sagt Andrea Eichhorn. Die Sängerin ist rund ein halbes Jahr, nachdem Jörg Thum E-Piano die aus einem Freiberger Kinderchor entstandenen Abendsterne übernommen hat, Bestandteil des beliebten Chors. Bald sind es 30 Jahre, dass die lebhafte Alt-Sängerin sich mit den Abendsternen verbunden fühlt. Ihre Identifikation mit den Chorschwestern und -brüdern ist groß.
„Das Gruppengefühl hier ist einmalig“, betont sie und antwortet auf die Frage, was den Chor eigentlich so besonders macht: „Das ist vor allem unser äußerst ambitionierter Chorleiter. Der überrascht uns immer wieder mit spannenden Ideen und vielen peppigen Sachen.“
Der Chor in der ausverkauften St.-Thomas-Morus-Kirche in Eglosheim. Foto: Simon Granville
Der Chor biete Veranstaltungen, die nicht jeder mache. Beispielsweise einen Auftritt in einer Zirkusmanege – „das war ein Wahnsinns-Erlebnis“, sagt Eichhorn. „2004 waren wir zudem im Rahmen des World-Music-Festivals des Deutschen Harmonika-Verbands in Innsbruck und haben mit dem Werksorchester Hohnerklang aus Trossingen im Olympiastadion vor über zehntausend Zuhörern gesungen.“
Die Sängerinnen und Sänger waren außerdem als Projektchor in Riga bei den World Choir Games, berichtet Eichhorn. Die Night of Happy Music im Forum Ludwigsburg und die Konzerte in der Friedenskirche Ludwigsburg seien meist ausverkauft. „Und wir sind schon im ZDF ausgestrahlt worden.“
Der CHor lebt von der Gemeinschaft und davon, dass wir in ihr stark sind
Als hätte Thum es geahnt, dass an diesem Abend ein Loblied auf seine emsige und kreative Führungsweise gesungen wird, gibt der Chorleiter am Samstag eine Kostprobe seiner ungebremsten Freude am originellen Tun: Quasi geheim gehalten vor den Frauen, hatte er ausschließlich mit den Chor-Männern den Überraschungssong „Schöne Nacht“ eingeübt. Das ruhige, gefällige und berührende Werk eines Ludwigsburgers sei sein Weihnachtswunsch gewesen. „Ich liebe dieses Lied“, verkündete er dem Publikum.
Dass Thum auch die eigene Familie zu überraschen versteht, bewies er mit dem Schachzug, seinen Bruder Rainer als Gastmusiker in den Auftritt zu integrieren. Bei dem Stück „Noel“ ertönte plötzlich dessen stimmungsvolles Spiel am Akkordeon. „Wir haben früher sehr viel gemeinsam musiziert, in den letzten Jahren dann gar nicht mehr“, bedauert der Chorleiter.
Es geht nicht um den Einzelnen
Jörg Thum setzt aber auch andere Personen gern ins Rampenlicht, nämlich mit Solistenparts, mithilfe derer sie ganz kurz heller strahlen dürfen als die knapp 60-köpfige Abendsterne-Gemeinschaft. So auch Andrea Eichhorn, die übrigens bei der Erdmannhäuser Ian-Key-Band neben Jo Kieferle Pop- und Rocksongs mit ihrer markanten Stimme prägt. Beim Weihnachtsgospelkonzert in Eglosheim teilt sie sich die Solistenrolle jedoch mit weiteren Chormitgliedern: Jana Kullmann, Daniela und Axel Kunkel, Lukas Wunder sowie Heidi Heidler.
Letztere zeigt sich bei „Lift up your voice“ als mitreißendes Showtalent, das die Kirche im Nu zum Kochen bringt. Heidler schafft es mit ihrer virtuosen und durchdringenden Stimme, die hervorragend zu dem Song passt, den Pegel der Begeisterung noch einmal anzuheben, bevor es schließlich weihnachtlich-romantisch wird. Andrea Eichhorn, die sich selbst als tiefenentspannten Sängertyp einstuft, merkt jedoch an: „In unserem Chor geht es nicht um Einzelne. Er lebt von der Gemeinschaft und davon, dass wir in ihr stark sind. Die stimmliche Mischung macht’s.“