Chorfest in Stuttgart Vier Tage lang soll die Stadt klingen

Von jül 

Das nächste Großereignis wirft seine Schatten voraus: Im Mai werden beim viertägigen Chorfest 500 Chöre mit 20 000 Sängern in Stuttgart erwartet. 600 Konzerte sind geplant. Nicht nur Stuttgarts komplette Chorelite wird dabei sein.

Im September schon haben einige Sänger vom Rathausbalkon aus ein Ständchen gegeben und auf das große Chorfest hingewiesen. Foto: Lichtgut/Piechowski
Im September schon haben einige Sänger vom Rathausbalkon aus ein Ständchen gegeben und auf das große Chorfest hingewiesen. Foto: Lichtgut/Piechowski

Stuttgart - Stuttgart ist schon seit Jahrzehnten eine bedeutende Stadt der Chöre, die Zahl klassischer und renommierter Chöre ist gewaltig, dazu gibt es in der Stadt und in der Region so viele Gesangsvereine, dass bis vor ein paar Jahren der Plochinger Gotthilf Fischer gewaltige Ensembles auf Zeit zusammenbacken konnte. Mittlerweile ist Fischer 87 Jahre alt und macht es ein bisschen kleiner. Aber ein paar Hundert bringt er immer noch zusammen.

So richtig groß wird es dagegen vom 26. bis zum 29. Mai beim Deutschen Chorfest 2016. Die vier Tage am Ende der Pfingstferien werden die Landeshauptstadt in eine Art vokalen Ausnahmezustand versetzen. Normal wird das jedenfalls sicher nicht. Erwartet werden etwa 500 Chöre mit ungefähr 20 000 aktiven Sängern. „Zusammen mit den Tagesgästen können das an einzelnen Tagen dann bis zu 50 000 Menschen werden“, erklärt Moritz Puschke, der Geschäftsführer des Deutschen Chorverbandes und der Künstlerischer Leiter des Spektakels ist.

Noch bis zum 8. Januar ist eine Anmeldung möglich. Bis kurz nach Weihnachten haben bereits mehr als 350 Chöre vom A-Capella-Quartett Add one aus Dortmund bis hin zum Frauenchor Zoffvoices aus Konstanz zugesagt. Auch viele internationale Chöre zum Beispiel aus Lettland, Wales oder China habe sich für eine Reise in die baden-württembergische Landeshauptstadt entschieden. Und natürlich werden auch alle lokalen Größen vom Chor der Staatsoper bis hin zu den Hymnus-Chorknaben dabei sein.

Die Zahlen von Frankfurt will man überbieten

Stuttgart ist also 2016 voll auf Musik eingestellt. Oder, so das offizielle Motto: Stuttgart ist ganz Chor. Das große Sängertreffen ist die dritte Veranstaltung dieser Art in Deutschland. 2008 initiierte der 2005 aus Deutschem Sängerbund und Deutschem Allgemeinen Sängerbund hervorgegangene Deutsche Chorverband das erste mehrtägige Gesangsspektakel in Bremen. Damals wurden etwa 10 000 Sänger gezählt, die 400 Konzerte gaben. Vier Jahre später war das Chorfest schon deutlich größer. 2012 in Frankfurt trafen sich 500 Chöre mit 20 000 Sängern in der Bankenmetropole. Diese Veranstaltung habe die Stadt positiv verändert, bilanzierte die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) die vier Tage. Allein zu den beiden Open-Air-Veranstaltungen auf dem Römerberg und am Mainkai-Ufer strömten etwa 50 000 Teilnehmer und Besucher.

Und jetzt also 2016 in Stuttgart. „Ich denke mal, es werden noch ein paar Menschen mehr werden als in Frankfurt“, hofft Henning Scherf. Der Sozialdemokrat war bis 2005 Bremens Bürgermeister und danach Präsident des Deutschen Chorverbandes. Scherf freut sich auch auf die Zusammenarbeit mit Stuttgart. „Fritz Kuhn und ich haben beschlossen, dass wir da ein richtig großes Ding draus machen“, sagt der 77-jährige Funktionär überzeugt. OB Kuhn (Grüne) sieht das ganz ähnlich. Stuttgart, so der Oberbürgermeister, werde sich gastfreundlich, neugierig und weltoffen präsentieren. Wörtlich sagt er: „Ich bin mir sicher, dass Stuttgart die Chöre aus nah und fern begeistert aufnehmen wird.“

Bei der Unterbringung sind die Veranstalter allerdings noch auf der Suche nach ein wenig Hilfe. Anders als beim Kirchentag nutzen einzelne Privatzimmer allerdings wenig, „da die Chöre natürlich zusammenbleiben wollen“, wie Moritz Pusckke erklärt. Deshalb suche man noch nach Vereinen, die im Umland eventuell ein Vereinsheim für die vier genannten Tage anbieten könnten. Auch Jugendherbergen wären gefragt.

Fünf große Bühnen wird es in der Stadt geben

Wenn dann alle da sind, soll die Stadt vier Tage lang klingen. 600 Konzerte sind geplant, das ganze Kaleidoskop von Chormusik ist im Angebot. Die meisten Aufführungen gehen an vier großen Spielorten Liederhalle, Theaterhaus, Domkirche St. Eberhard und Stiftskirche über die Bühne. Dazu kommt noch eine große Open-Air-Bühne auf dem Schlossplatz. Fast alle Konzerte können übrigens kostenlos besucht werden. „Wir sind für alle offen“, sagt Henning Scherf, „und ich hoffe, dass wir über die Musik viel Kontakt mit Flüchtlingen haben werden.“

Gesungen wird nämlich auch auf Straßen und Plätzen, und es gibt neben einem Wettbewerb auch große Veranstaltungen, an denen Jedermann teilnehmen darf. So ist in der Liederhalle ein Mitsingkonzert für bis zu 2000 Teilnehmer geplant. Aufgeführt werden sollen Teile aus Händels „Messiah“ – wobei, wer da mitmachen will, sollte vielleicht jetzt schon einmal einen Blick in die Noten werfen. Das Oratorium ist doch eher nichts für Duschtenöre.

Mitmachen sollen freilich alle, zum Beispiel im „Ich-kann-nicht-singen-Chor.“ Auch den wird es geben. Dann kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. Ein bisschen üben schadet freilich nie.

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