Der Christbaummarkt in Prevorst ist eine Attraktion, die wieder unzählige Besucher in den höchsten Ort des Landkreises Ludwigsburg lockt. Stammkunden und auch neue Fans aus entfernteren Gefilden.

Dass an den Adventswochenenden in Prevorst der Alltag außer Kraft gesetzt ist, das lässt schon das amtliche Ortsschild am Eingang in den Weiler erkennen: Der Tafel wurde ein Überzieher verpasst, dessen Aufschriften das Ergebnis wohldosierter Glühwein-Verkostungen sein könnten, denn auf so etwas kommt nicht einmal die Marketing-Avantgarde der Landeshauptstadt, die freilich den Grundton geliefert hat: „Top of the Länd“ kündet das hübsche Teil nun, auf dem ein fliegendes Rentiergespann bei der Einfahrt in „The Dörf“ womöglich an der Tempo-50-Marke kratzt.

 

Prevorst ein „alternativer Weihnachtsmarkt?

Aber fehlt da nicht was in dieser verschneiten Tannenbaum-Idylle? Ein Hinweis auf das, was die Besucher auch an diesem Adventssamstag den ganzen Tag über zu Hunderten in die höchstgelegene Ortschaft des Landkreises Ludwigsburg strömen lässt? „Christbaummarkt“ steht da nirgends, was nur heißen kann: The Dörf weiß, dass das eh alle wissen, dass es jedenfalls an diesem Punkt nicht mehr ausgeflaggt werden muss: Hier ist ein Mekka des Christbaumkaufs, die langgezogene Ortsstraße links und rechts, von Anfang bis Ende, massiv bestückt mit der saisonalen Ware aus den örtlichen Christbaum-Kulturen. Und Kundschaft zieht das auch aus entfernteren Winkeln der Region an. „Auch, weil nicht wenige hier einen „alternativen Weihnachtsmarkt“ suchen.

Gehört in Prevorst natürlich auch dazu: Glühwein, Punsch und Rote Wurst. Foto: Werner Kuhnle

Beim wem den Baum kaufen?

„Nicht gleich den Erstbesten nehmen“, rät der Eine, die sind doch „überall gleich schön“, weiß der Andere. „Immer beim Gleichen“ kauft daneben die Gruppe aus dem Heilbronner Raum. Sie ist mit drei Autos gekommen und hat die acht vorbestellten Bäumchen schon auf den kollektiven Hänger gepackt. Alle Jahre wieder heißt es bei den Leuten aus Massenbachhausen und Untereisesheim (beide Kreis Heilbronn), die jetzt auch beim Glühwein die abgezählte Menge ordern. Auch Oma Marianne bleibt sich treu, wenn sie bei der Rotkreuz-Gruppe Jahr für Jahr ein Kuschel-Hundchen ersteht – und jetzt das 25. an sich drückt.

Wie ein Weihnachtsbaum noch besser duftet

Klar, sie haben wieder die Nordmanntanne genommen, die „ist schön und stupft nicht“. Vereinzelt hat aber auch die Blaufichte noch Liebhaber, bei denen das vormalige Mainstream-Bäumchen mit „weihnachtlichem Aroma“ punkten kann, wie Matthias Holzwarth erklärt. Die Duftgeschichte sei „keine Einbildung“, lasse sich auch noch steigern, wenn man die kleinen Harztropfen aufsteche. Verstärkt nachgefragt werde die Schwarzkiefer: „Die ergibt ein anderes Bild, nadelt nicht und kann bis Ostern stehenbleiben“, sagt der Maschinenbauer, der in die „Christbaumfamilie“ Rainer Kunz eingeheiratet hat, die hier pro Saison rund 300 Bäumchen verkauft. Die Preise seien stabil geblieben, von „20 Euro aufwärts, je nach Größe“.

Christbäume der Marke „zweite Liebe“

Die „Zweite Liebe“ hat Simon Kunz im Angebot, am andern Ende der Ortsstraße. Stattliche Christbäume mit „Nadelschäden“ an ein, zwei Ästen. Sind für 15 Euro zu haben, eine Handvoll sei schon weggegangen. Jetzt aber ist Alexander Kreher aus Stuttgart dran, und der Mittfünfziger bringt auf den Punkt, weshalb dieser Markt so viel Stammkundschaft hat: „Die Bäume sind von hier, man kennt die Leute, wir wollen das unterstützen. Deshalb kommen wir hier rauf, wie schon mit den kleinen Kindern. Das ist wieder ein schöner Familienausflug.“

Wie sieht der perfekte Baum aus?

Für Michael aus Abstatt (Kreis Heilbronn) sogar sein „Jahresding“, „fast schöner als Weihnachten selbst“. Er hat wieder den „perfekten Baum“ gefunden: „einer, der dich anlacht“. Der zugehörige Weihnachtsmarkt sei „schön mittendrin, nicht eng, nicht überlaufen“, und „die Lädele sind so süß“, ergänzt seine Frau. Deshalb haben sie nun Franzi und Marc im Schlepptau, die von der Premiere angetan sind: klein und gemütlich sei es hier, die Leute seien superfreundlich, die Angebote „fair im Preis“. Ein Glühwein ist beim günstigsten Angebot für zwei Euro zu haben, die Grillwurst für 3,50 Euro.

Bei den Christbäumen aber „sollten wir so langsam überlegen, ob man nach zehn Jahren nicht doch mal erhöht“, sinniert Frank Wurst, sonst sei ja auch „alles teurer geworden“. Aber das mache „jeder, wie er es für richtig hält“. Einen Hof weiter hat Marko Sinn bereits erhöht, fünf Euro pro Baum. Vor allem bei den Exemplaren über zwei Meter. Die seien knapp, als Folge von Frostschäden vor ein paar Jahren: „Große Nachfrage, knappes Angebot. Das ist dann Marktwirtschaft“, sagt Sinn, lacht und fügt hinzu: „Ein schöner Baum darf auch was kosten.“ Von 22 Euro bis 26 Euro pro Meter im Schnitt, wobei „in der Regel“ gehandelt werde, sagt Tobias Desselberg, der seinen Spaß dran hat: „Ein paar Euro sind drin, und oft geben die Leute das dann wieder als Trinkgeld zurück.“ So läuft das hier oben in The Dörf.