Christian Lindner in Böblingen Finanzminister erweist Toncar die Ehre

Zwei, die sich schätzen: Florian Toncar und Christian Lindner (v.l.) Foto: Eibner/Roger Bürke

Florian Toncar erhält eine Auszeichnung für 25 Jahre Mitgliedschaft in der FDP. Die Ehrung nimmt kein Geringerer als Bundesfinanzminister und Duz-Freund Christian Lindner vor. Der Parteichef kommt zwar viel zu spät, ist dann aber voll des Lobes.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Um 18.36 Uhr ist es endlich soweit und die Böblinger Liberalen atmen hörbar auf: Er ist da. Christian Lindner hat soeben das Gebäude der Böblinger Kongresshalle betreten und ist nicht Richtung Flughafen abgebogen. Hans-Ulrich Rülke als FDP-Fraktionsvorsitzender im baden-württembergischen Landtag kann seine Rede zur Überbrückung der Wartezeit also abkürzen. Er hatte aus dem Stegreif liberale Positionen der Landespolitik referiert, doch jetzt darf der Chef ans Mikro. Er ist der Hauptredner für den eigentlichen Anlass des Abends: 25 Jahre Florian Toncar in der FDP.

 

Erhalten „normale“ Parteimitglieder hierfür meist nur einen warmen Händedruck samt Urkunde am Ende eines Parteitags, kommt für Toncar eigens der Vorsitzende der Bundespartei in den Württembergsaal, wenn auch merklich verspätet. Auf ihn warteten gespannt noch gut 100 weitere Parteifreunde und Würdenträger, unter ihnen der Ex-Landrat Bernhard Maier und Kreissparkassen-Vorstandsvorsitzender Michael Fritz. Sie alle haben einen Bezug zum 44-jährigen Florian Toncar, der 2005 mit 25 Jahren in den Bundestag einzog und als politisches Ausnahmetalent gilt.

Seine Karriere in der FDP sei beispielhaft, weswegen ihn Lindner schon in den ersten Sätzen eine „herausragende Persönlichkeit“ nennt. In der Tat begann Toncars liberaler Werdegang zu einem denkwürdigen Zeitpunkt. Die FDP war gerade nach 29 Jahren an der Macht aus der Regierung geflogen, nachdem das Land im September 1998 nicht mehr mehrheitlich Helmut Kohls CDU, sondern den Wechsel zu Rot-Grün gewählt hatte. Lindner: „Was bewegte diesen jungen Menschen, in eine programmatisch völlig abgekämpfte FDP einzutreten?“

Parteieintritt in einer „spannenden Zeit“

Für den damals 19-jährigen Goldberg-Abiturienten sei das eine „spannende Zeit“ für die Liberalen gewesen, eine Zeit der Verjüngung. Die FDP sollte in den Jahren darauf nicht mehr die Partei von Klaus Kinkel und Wolfgang Gerhardt sein, sondern die von Guido Westerwelle und Konsorten. Dass man ihm schon von Anfang an viel zutraute, zeigt die Tatsache, dass er schon auf seinem ersten Parteitag 1998 in den Kreisvorstand gewählt wurde. Für Florian Toncar sei es vor allem ein Beweggrund gewesen, konstatiert Parteichef Lindner: „Innere Überzeugung“.

Florian Toncar Foto: Eibner/Roger Bürke

Toncars Werdegang hoch auf den gelben Wagen könnte in der Tat steiler kaum sein: Von 2003 bis 2006 war er Landesvorsitzender der Jungen Liberalen, von 2008 bis 2014 führte er den Böblinger Kreisverband, 2011 wählte man ihn zum stellvertretenden Landeschef. Doch ihn zog es schnell noch weiter nach oben: Als er 2005 in den Bundestag gewählt wurde, war er mit 25 Jahren der jüngste Abgeordnete im Parlament. Nach verschiedenen Ämtern in Arbeitsgruppen und Ausschüssen wurde der promovierte Jurist 2011 stellvertretender Fraktionsvorsitzender neben Rainer Brüderle, nach dem Wiedereinzug in den Bundestag 2017 einer von drei Parlamentarischen Geschäftsführern.

Seit 2021 rechte Hand von Lindner

Als die FDP nach Jahren in der GroKo-Opposition 2021 dann in die Ampel-Regierung gelangte, machte Parteichef Christian Lindner ihn quasi zu seiner rechten Hand: Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesfinanzminister. Er vertritt Lindner häufig im Bundestag, nicht selten flimmert er durch die Abendnachrichten, wenn diese die Regierungsbank zeigen. Dabei ist Toncar kein Erste-Reihe-Politiker. Stets bescheiden im Auftreten, verkörpert er eher den Typus des beharrlichen Arbeiters im Hintergrund. Für markige FDP-Zitate ist er weniger zu haben, dafür umso mehr für profunde Kenntnis des Bundeshaushalts.

Christian Lindner in Böblingen Foto: Eibner/Roger Bürke

Der Bundesfinanzminister kann es nicht lassen und nutzt die Laudatio immer wieder für Ausflüge in die Tagespolitik, pocht auf die Einhaltung der Schuldenbremse, schimpft über den Solidaritätszuschlag und lobt Florian Toncar dafür, dass er gegen diese Abgabe vor dem Bundesfinanzhof Klage eingereicht hat. Außerdem sein Wirken als Obmann im Untersuchungsausschuss zur Wirecard-Affäre sowie viele weitere Ämter. „Vielen Dank für die vergangenen 15 Jahre Tätigkeit zusammen. Ich freu mich auf die nächsten 15“, sagte Lindner, für den es sich trotzdem so anfühle, als stünden sie gemeinsam erst noch am Anfang.

Minister eilt nach 29 Minuten wieder von dannen

Als Anerkennung gibt es die obligatorische Urkunde, eine Theodor-Heuss-Medaille in Bronze, und mehrere Handschläge, bevor Lindner um 19.05 Uhr von dannen eilt, um die 20-Uhr-Maschine noch zu erwischen, die in Stuttgart offenbar nicht extra auf ihn wartet. Toncar beteuert noch einmal ein Liberaler durch und durch zu sein: „Ich habe in der FDP noch nie das Gefühl gehabt, mich zu verbiegen.“ Für seine Menschlichkeit und stete Verfügbarkeit dankte ihm abschließend der amtierende Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Hans-Dieter Scheerer, bevor die versammelten FDPler in Richtung Häppchen und Sekt-O strömten. Der Finanzminister war da längst entschwunden.

Zur Person Florian Toncar

1979
 in Hamburg geboren, in Weil im Schönbuch aufgewachsen.

1999
 Abitur am Goldberg-Gymnasium in Sindelfingen, zuvor Schülersprecher.

ab 2000
 Jura-Studium in Regensburg, Cambridge und Heidelberg; Abschluss 2012 mit Promotion.

2005 bis 2013
 Mitglied des Bundestages; bei der ersten Wahl mit 25 Jahren jüngster Abgeordneter Deutschlands.

2014 bis 2017
 Durch das Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde in 2013 schied Toncar zwischenzeitlich aus dem Bundestag aus und war darauf in der internationalen Wirtschaftskanzlei Freshfields in Frankfurt am Main tätig.

2017
 Wiedereinzug ins Parlament und Ernennung zum Fraktionsgeschäftsführer.

2021
 erneuter Einzug in den Bundestag, seit Dezember Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium unter Christian Lindner.

Weitere Themen