Christian Sands im Bix Jazz mit Bruce Lee
Der New Yorker Pianist Christian Sands verfügt über ein überbordendes Talent. Im Stuttgarter Club Bix hat er dem Jazz pulsierendes zeitgenössisches Leben eingehaucht.
Der New Yorker Pianist Christian Sands verfügt über ein überbordendes Talent. Im Stuttgarter Club Bix hat er dem Jazz pulsierendes zeitgenössisches Leben eingehaucht.
Stuttgart - Manchmal versinkt der New Yorker Jazz-Pianist Christian Sands völlig in seiner Musik. Dann neigt er den Kopf zur Seite mit geschlossenen Augen – da ist einer ganz in seinem Element. Und das ist eindeutig flüssig wie sein perlendes, vor Ideen überquellendes Spiel, in dem er alle Jazz-Stile vereint zu einer zeitgenössischen, vor Leben pulsierenden Melange.
Das Publikum im ausverkauften, coronakonform also halb vollen Stuttgarter Jazzclub Bix, ist betört von diesem 32-Jährigen, der den Blues hat, der Thelonius Monk in die Gegenwart holt („Crepuscule With Nellie“), Dave Brubeck („In your own sweet Way“), Duke Ellington (die „Romeo und Julia“-Adaption „The star-crossed Lovers“).
Umwerfend geraten Sands auch seine Eigenkompositionen. Verschwenderisch üppig gestaltet er die Ballade „Reaching for the Sun“ mit verträumten Motiven aus, im ersten Teil von „Be like Water“ umfließt sein Spiel traumwandlerisch alle harmonischen und rhythmischen Klippen. „Be like Water“ heißt auch das aktuelle Album, inspiriert durch ein Zitat des großen Kung-Fu-Künstlers Bruce Lee. Wie dieser agiert Sands frei, flexibel, immer im Moment – Kung Fu steht nicht nur für Kampfkunst, sondern für jede durch harte Arbeit erworbene Fähigkeit.
Der japanische Bassist Yasushi Nakamura, mit 40 schon eine Session-Legende in der New Yorker Jazz-Szene, sprüht als Begleiter ebenfalls vor Ideen. Er agiert auf Augenhöhe, spielt sich mit Sands die Bälle zu. Dessen Bruder Ryan am Schlagzeug kann nach Herzenslust variieren, weil er weiß: Keiner seiner beiden Mitspieler wird je den rhythmischen Faden verlieren. Egal, wie rasant und ausufernd die Skalen sind, die Sands einstreut, immer kehrt er auf den Punkt zurück ins Schema.
„Ich habe mich auf diesen Gig gefreut, wir haben Euch vermisst“, sagt Christian Sands, der zuletzt 2019 beim Festival Jazz Open in Stuttgart war. „Ich sage immer: je mehr ihr trinkt, desto besser klingen wir.“ Da unterschätzt er sich, das Spiel seines Trios macht trunken genug. Sands surft auf seiner eigenen Welle. Er dirigiert sie nach Belieben.