Christine Strobl beim Spätschoppen Liebesfilme und Wurstsalat

Sie ist eine der wichtigsten Medienmanagerinnen in Deutschland. Außerdem ist Christine Strobl Ehefrau des künftigen Landesvizes Thomas Strobl. Jetzt hat sie Einblicke hinter die Kulissen gewährt.

Lokales: Daniela Eberhardt (ma)
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Stuttgart - Sie wäre die Idealbesetzung für einen ihrer Filme: auf sehr charmante Weise durchsetzungsstark, selbstbewusst genug um das nicht zu betonen und glaubhaft gut gelaunt. Mit einem Wort, das gut zur Degeto passt: „patent“. Sollte sie es im Management nicht mehr aushalten könnte Christine Strobl als legitime Nachfolgerin von Christine Neubauer in einer Eigenproduktion einsteigen – schauspielerisches Talent vorausgesetzt. Den Rest beherrscht sie, das hat die 44-Jährige am Donnerstag beim Spätschoppen des Prüfunternehmens Dekra im Kickers Clubrestaurant auf der Waldau bewiesen.

Im knallroten Kleid „saß“ sie dem Moderator Hermann Orgeldinger Rede und Antwort. Die Tochter von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Frau des künftigen Landesvizes Thomas Strobl erzählte viel – aber nur, was sie wollte. Ein Leben so nah an der Politik prägt nun mal. Ihre Mutter Ingeborg hatte ihr abgeraten, einen Politiker zu heiraten. „Vier Kinder in zehn Jahren, und dann saß der Mann im Rollstuhl. Sie hatte ihr Paket.“ Wobei Christine Strobl klar stellte, sie gedenke keinesfalls als „die Frau von“ aufzutreten.

Muss sie auch nicht. Vor dreieinhalb Jahren hat sie als Programmgeschäftsführerin der ARD-Tochter Degeto Film angefangen, nachdem sie beim SWR erst ein Jahr zuvor vom Kinderprogramm (Tigerentenclub) zur Fernsehspielchefin aufgestiegen war. Es waren harte Jahre in Frankfurt, das gibt sie unumwunden zu. „Ich bin für einen Etat von 400 Millionen Euro verantwortlich und musste sogar das Klopapier selbst bestellen. Nichts hat funktioniert.“ Inzwischen scheint sie den Laden ganz gut im Griff zu haben. „Ich bin im Grunde ein freundlicher Mensch, aber ich kann knallhart sagen, dass es so nicht geht.“

Es stehen auch ordentliche Summen auf dem Spiel. Fertige Filme, die sie etwa in Los Angeles einkauft, kosten ein bis zwei Millionen Euro. Eine Sendeminute der selbst produzierten Serie „Der Bulle und das Landei“ zum Beispiel kostet 17 900 Euro. „Die Dinger sind teuer“, sagt Deutschlands wohl wichtigste Medienmanagerin.

Den Vorwurf, die Degeto stehe für „Süßstoff“, also für kitschige Liebesfilme, kontert sie mit der aufwendigen Krimiserie „Babylon Berlin“ in Kooperation mit Sky, die von Mitte Mai an in Babelsberg gedreht wird. Außerdem gucke sie selbst gern mal „was für Bauch und Herz“ – Beifall bei Weißburgunder und Wurstsalat. Doch gerade Publikumslieblinge wie die Neubauer oder Veronika Ferres beißen bei Christine Strobl auf Granit. „Da tritt eine Übersättigung ein.“

Entspannung beim Kochen

Sie selbst nimmt ihre Auszeit am Wochenende in Heilbronn. „Da gibt es keinen einzigen Schauspieler, den man im Fernsehen sieht. Nur vielleicht manche, die sich dafür halten.“ Samstag geht sie auf den Markt, sonntags wird gekocht. „Kochen ist wie Yoga. Es entspannt. Und hinterher schmeckt’s auch noch.“ Ob ihr Mann auch mal koche? „Kann er zwar. Darf er aber nicht.“ Ohnehin scheint im gerade bezogenen neuen Heim die Hausherrin das Sagen zu haben. Die Möbel hat sie allein ausgewählt, ihr Mann hatte keine Zeit. „Das wird teuer, hab’ ich ihm gesagt. Das ist der Preis.“

Über Fernsehen reden die beiden daheim eher selten, über Politik schon eher. Über den roten Teppich bei der Berlinale geht sie ohne Begleitung. „Was soll mein Mann da? Das wäre so, wie wenn man ihn mit zu einem Fußballspiel nimmt – davon versteht er auch nichts.“ Offenbar sind sich die Strobls einig: In der Filmwelt kommt sie mit ihrer „unerschrockenen Art“ mit Intendanten, Produzenten und ihren „1000 angeblichen neuen Freunden“ gut allein zurecht. Im Gegenzug geht sie nicht davon aus, dass sich in ihrem Leben durch die neue politische Konstellation im Land etwas ändert. Ihr Mann wird – in welchem Amt auch immer – in Stuttgart mitregieren, sie in Frankfurt arbeiten. „Die Gesellschaft wird es ertragen, wenn ich ganz normal meinen Job weiter mache.“




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