Christliches Jugenddorf in Stuttgart-Feuerbach Vom CJD-Absolvent zum Küchenchef der Eselsmühle

Von Georg Friedel 

Im Jahr 1959 begann die Geschichte des Christlichen Jugenddorfes (CJD) Stuttgart mit einem Lehrlingswohnheim für Azubis in Feuerbach. Seit 60 Jahren setzt sich die Einrichtung an der Wiener Straße für die Zukunft junger Menschen ein.

Murat Gögüs (vorne) backt gleich  Brownies in der CJD-Küche: Harald Gerharth, Petra Densborn, Jessika Dannenmann, Reinhard Sechser und Rainer Müller-Schuck (v.l.) sind gespannt. Foto: Friedel
Murat Gögüs (vorne) backt gleich Brownies in der CJD-Küche: Harald Gerharth, Petra Densborn, Jessika Dannenmann, Reinhard Sechser und Rainer Müller-Schuck (v.l.) sind gespannt. Foto: Friedel

Feuerbach - Die Erfolgsgeschichten des Christlichen Jugenddorfes (CJD) tragen Namen: Murat Gögüs ist so ein Name. Er ist in Zuffenhausen aufgewachsen, ging an die Hohensteinschule, machte 2007 bis 2009 mit Hilfe des CJD seine Kochausbildung – und zwar mit Note 1,0. Inzwischen ist der 33-Jährige Küchenchef in der Eselsmühle im Siebenmühlental. „Ich bilde dort auch Köche aus und habe viel Spaß“, sagte er anlässlich der Feier zum 60-jährigen Bestehen des CJD am Freitag. Davor bereitete er in der Küche des Porsche-Museum à la carte Speisen zu und war danach in der Großkantine des Polizeipräsidiums beschäftigt. Während der Zeit der Stuttgart-21-Proteste stand er zeitweise bis zu 14 Stunden in der Küche, weil tausende Polizisten verköstigt werden mussten. Außerdem belieferte er die Kripobeamten in Ludwigsburg mit seinen Speisen. Jetzt scheint der ehemalige CJD-Absolvent mit der Eselsmühle seinen Traumjob gefunden zu haben. Für die Festgäste bei der 60-Jahr-Feier zauberte Murat Gögüs später in der Show-Küche im zweiten Stock „Schokoladenbrownies mit Chili, Orange und Macadamianüssen“, die er vor Publikum aus frischen Zutaten zubereitete. Auch Jessika Dannenmann, Präsidiumsmitglied und Enkelin des CJD-Gründers, und die CJD-Führungsriege schauten dem Kochkünstler gebannt über die Schulter.

Vorbereitung auf den Beruf

Seit 60 Jahren setzt sich das Christliche Jugenddorf (CJD) Stuttgart an der Wiener Straße 260 für die Zukunft junger Menschen ein. Dazu gehören die Vorbereitung auf den Beruf, die Ausbildung, die sozialpädagogische und psychologische Betreuung sowie die Förderung und Integration autistischer Jugendlicher in einen Beruf – auch wenn die ersten Schritte in die Arbeitswelt nicht immer einfach sind. Allein das Ausbildungsangebot umfasst elf Berufsfelder.

„In der Vielfalt liegt die Zukunft. Das trifft auch auf das CJD Stuttgart zu, es gibt hier unfassbar viele Angebote“, sagte Harald Gerharth, einer der beiden Gesamtleiter des CJD Württemberg, in seiner Begrüßungsrede. „Aus dem ehemaligen Wohnheim ist ein Bildungszentrum geworden“, ging Gerharth kurz auf die Geschichte des Jugenddorfes in Stuttgart ein. Das 1958/59 gebaute Wohnheim bot anfangs Lehrlingen, Praktikanten, Berufs- und Meisterschülern ein Dach über dem Kopf, Essen und pädagogische Betreuung. 1976 begann das CJD auch außerbetriebliche Ausbildungsstellen für Jugendliche zu schaffen. Später kamen dann weitere Räume an der Burgenlandstraße dazu, die allerdings inzwischen wieder aufgegeben wurden. Gleichzeitig erweiterte sich das Angebot kontinuierlich. Inzwischen betreibt das CJD auch zwei Kindertagesstätten in Feuerbach.

Standort in Feuerbach steht für den Wandel

„Unsere Wurzeln sind ja hier in Wür­ttemberg“, betonte Petra Densborn aus dem CJD-Regionalvorstand bei der 60-Jahr-Feier im Saal. Der Standort in Stuttgart-Feuerbach stehe auch für den Wandel. Aber dieser müsse „ja auch finanziert werden“, was nicht leicht sei, schließlich sei das CJD im „Non-Profit-Bereich“ unterwegs. Doch neben dem Wandel zählt eben auch Beständigkeit – zum Beispiel bei der Vermittlung von Werten: „Das CJD will die Jugend von heute zu mitdenkenden und verantwortungsbewusst handelnden Staatsbürgern von morgen heranbilden“, so lautet 1959 eines der formulierten Leitziele. Dieser programmatische Satz ist heute aktueller denn je.

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